Die Netzwerkretter wollen Gesamtanbieter werden
Interview mit Christian Bornheimer, Geschäftsführer der FIBERCOM GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bornheimer, FIBERCOM sieht sich gern als der Netzwerkretter seiner Kunden. Worauf liegt dabei der Fokus Ihrer Unternehmenstätigkeit?
Christian Bornheimer: Wir sind in den letzten 30 Jahren in der Kommunikationstechnik groß geworden: In diesem Zuge installieren wir sozusagen die Lebensadern des jeweiligen Gebäudes. Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Lage haben wir unser Leistungsspektrum in den letzten Jahren jedoch noch um andere Bereiche der Elektroinstallationstechnik erweitert und wollen uns dabei in Zukunft zu einem Elektro-Generalunternehmen weiterentwickeln, das als attraktiver Gesamtanbieter im Markt auftreten kann. Denn zu einer modernen Elektroinstallation zählt schließlich nicht nur der Lichtschalter im Büro, sondern auch die gesamte Netzwerk- und Sicherheitstechnik, zentral gesteuerte Brandmeldeanlagen, Videoüberwachungs- und Zutrittskontrollsysteme und natürlich noch einiges mehr.
Wirtschaftsforum: Dabei möchten Sie sich grundsätzlich weiterhin als reiner B2B-Anbieter im Markt bewegen.
Christian Bornheimer: Wir werden uns auch weiterhin klar im Projektgeschäft engagieren und unsere langjährigen Beziehungen zu Generalunternehmern aus dem Hochbau pflegen, die umfassende Lösungen für ihre technische Gebäudeausstattung benötigen, beispielsweise in Rechenzentren, Industriebetrieben, Hochhäusern oder fachlich besonders fordernden Sonderanwendungen. Kürzlich durften wir beispielsweise am Ausbau des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen mitwirken, wo wir die komplette Kommunikationstechnik installiert haben. Parallel dazu haben wir unsere Expertise in das exponierte Hochhausprojekt FOUR Frankfurt eingebracht, das aus vier einzelnen Gebäuden besteht, die an einem zentralen Platz der Stadt dicht beieinander stehen. Inzwischen wurden die Liegenschaften bereits an die Eigentümer übergeben. Beim nächsten Hochhausprojekt stehen wir schon in den Startlöchern.
Wirtschaftsforum: Worauf kommt es bei einem solchen Projekt besonders an, und wo liegen aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsgrundlagen, die FIBERCOM in den letzten 30 Jahren stark gemacht haben?
Christian Bornheimer: Gerade in Hochhäusern werden am Schluss verschiedenste Mieter und Eigentümer ansässig sein, mit dementsprechend unterschiedlichen Verteilersystemen, Kühlungsanlagen für ihre Rechnerräume, Kabeltypen und einem umfangreichen weiteren Anpassungsbedarf. Deshalb stehen wir in diesem Kontext schon früh beratend zur Seite, um das bestmögliche System für die jeweilige Anwendung zu finden. In dieser Flexibilität liegt natürlich auch eine zentrale Erfolgsgrundlage für ein mittelständisches Unternehmen wie FIBERCOM. Obwohl wir inzwischen eine gewisse Größe erreicht haben, wollen wir unsere flachen Hierarchien und überschaubaren Organisationsstrukturen konsequent beibehalten. Das ist auch unseren Mitarbeitenden wichtig.
Wirtschaftsforum: Ein bedeutendes Kriterium in Zeiten des Fachkräftemangels: Was macht FIBERCOM zu einem attraktiven Arbeitgeber?
Christian Bornheimer: Ich glaube, der klassische Obstkorb ist Geschichte. Darauf legen heute die wenigsten noch großen Wert. Mitarbeitende, die aus größeren Unternehmen zu FIBERCOM wechseln, sind oft überrascht, wie schnell wir Entscheidungen treffen und wie umfassend man sich in unserem Unternehmen mit seinen eigenen Ideen und Innovationen einbringen kann, etwas, das wir von unserer Belegschaft auch ausdrücklich einfordern. Wir kommunizieren auf Augenhöhe, pflegen eine Kultur der offenen Türen und stehen für eine leistungsgerechte Bezahlung, die starken Einsatz wirklich belohnt. Neben Fachkräften aus der Kommunikationstechnik sind wir zudem beständig auf der Suche nach Quereinsteigern aus anderen Segmenten der Elektrotechnikbranche, denen wir ebenfalls spannende Weiterentwicklungsperspektiven eröffnen.
Wirtschaftsforum: Muss das Handwerk wieder attraktiver werden?
Christian Bornheimer: Ich komme selbst aus dem Handwerk und kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Weg für mich der richtige gewesen ist, vielleicht auch, weil ich schon immer von dem gewissen Ehrgeiz getrieben war, ein bisschen besser zu sein als alle anderen. Ich finde schon, dass wir junge Menschen wieder etwas stärker motivieren sollten, eine Karriere im Handwerk einzuschlagen, denn es ist für niemanden eine Schande, nach der zehnten Klasse die Schule zu verlassen und einen schönen Beruf zu erlernen, mit dem man eine wichtige sinnstiftende und wertschöpfende Tätigkeit ausüben darf. Dass heute jeder zu glauben scheint, sein Kind unbedingt auf das Gymnasium schicken zu müssen, ist sicherlich mitursächlich für den Fachkräftemangel, mit dem seit vielen Jahren ganze Branchen zu kämpfen haben.
Wirtschaftsforum: Muss sich dazu auch das Mindset in der Gesellschaft wandeln?
Christian Bornheimer: Wenn sich junge Menschen heute die Tätigkeit eines Elektroinstallateurs vorstellen, denken sie wahrscheinlich als Erstes an Dreck, Staub und Anstrengung. Was dabei übersehen wird, ist der Stolz auf das, was man an einem Arbeitstag geschaffen hat, und der Blick auf die umfassende technische Erfahrung, die man sich in diesem Beruf schon in kurzer Zeit erschließen kann. Wer sich dabei ins Zeug legt, darf auch schnell mehr Verantwortung tragen. Natürlich steht nach der Ausbildung auch weiterhin der Weg zu einem Studium offen.










