Wissen, das im Haus bleibt
Interview mit Grischa Jacobs, Gründer und CEO der AONIC GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Jacobs, Sie haben AONIC 2012 gegründet. Was war damals der Auslöser?
Grischa Jacobs: Mein Mitgründer Dr.-Ing. Gregor Bachmann und ich haben beide an der TU Darmstadt studiert und ich habe zuvor bei Microsoft gearbeitet. Wir erkannten früh, welchen Umbruch die Cloud für die gesamte IT-Branche bedeuten würde: Der Trend ging weg von klassischen Softwareinstallationen und hin zu Services, die online gebucht werden. Diese Entwicklung wollten wir aktiv mitgestalten.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich AONIC seither entwickelt?
Grischa Jacobs: Die IT-Branche verändert sich etwa alle fünf Jahre grundlegend. Deshalb mussten wir uns immer wieder neu positionieren. Ein wichtiger Meilenstein war der Gewinn großer Rahmenverträge, allen voran mit der Merck KGaA in Darmstadt. Solche Kunden zu gewinnen, ist für ein junges Unternehmen nicht leicht.
Heute verstehen wir uns als eine der führenden KI-Boutique-Beratungen in Deutschland – und das ohne Venture Capital, aus eigener Kraft und organisch gewachsen.
Wirtschaftsforum: Was genau bietet AONIC seinen Kunden?
Grischa Jacobs: Im Kern helfen wir Unternehmen dabei, aus strukturierten Daten – etwa aus ERP-, CRM- oder HR-Systemen – und unstrukturiertem Wissen wie E-Mails, Meetings oder Prozessdokumentationen verwertbares Wissen zu schaffen. Diese Datenquellen verändern sich ständig, und viele Unternehmen tun sich schwer damit, sie wirklich zu nutzen. Genau darin liegt die große Chance von KI: Wir bringen beide Welten zusammen und entwickeln Unternehmen zu sogenannten AI-First-Unternehmen, die jederzeit auf ihr gesamtes Wissen zugreifen können. Wir verbinden strategische Beratung mit technischer Umsetzung über eine eigene KI-Plattform. Gerade für Kunden aus der produzierenden Industrie mit eigenen Rezepturen und Patenten ist der Schutz dieses Wissens entscheidend. Da die leistungsfähigsten KI-Modelle nicht aus Deutschland kommen, muss genau überlegt werden, wie sie eingesetzt werden. Wir setzen deshalb konsequent auf digitale Souveränität: Dabei laufen unsere KI-Plattformen in eigenen Rechenzentren oder auf kundeneigener Hardware außerhalb klassischer Public Cloud-Umgebungen. So behalten die Unternehmen die Kontrolle über ihre Informationen und schützen sie vor ungewolltem Zugriff.
Wirtschaftsforum: Wie intensiv setzen Sie selbst KI ein?
Grischa Jacobs: Sehr intensiv. Bei uns besteht die Erwartung, dass alle Mitarbeitenden KI so häufig wie möglich nutzen. Nur so verstehen wir, wie sich die Qualität der Modelle weiterentwickelt. Wenn ich abends das Büro verlasse, arbeitet die KI weiter: Sie unterstützt uns bei E-Mails, im Vertrieb und Marketing und insbesondere in der Softwareentwicklung, wo sie Anforderungen umsetzt, Tests durchführt und sogar Aufgaben an Mitarbeitende zuweisen kann.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet AONIC von anderen Anbietern?
Grischa Jacobs: Wir arbeiten transparent und proaktiv und sprechen Probleme frühzeitig an. Unsere Kunden schätzen diese Energie und die Fähigkeit, gemeinsam mit ihnen in kurzer Zeit etwas voranzubringen. Fachlich überzeugen wir mit souveränen, datenschutzkonformen Lösungen, die sämtliche Compliance-Anforderungen unserer Kunden erfüllen.
Wirtschaftsforum: Wohin soll sich AONIC in den kommenden Jahren entwickeln?
Grischa Jacobs: Wir wollen diversifizieren und weiterwachsen. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass es in der Wirtschaft der Zukunft im Kern nur zwei verteidigbare Geschäftsmodelle geben wird: Netzwerkeffekte und Daten, über die kein anderer verfügt. Jedem Unternehmer rate ich deshalb, seine IT-Strategie danach neu zu bewerten und eine souveräne Datenstrategie aufzubauen, um nachhaltig zu wachsen.









