Anders denken und überzeugen

Interview mit Anke Tennigkeit, Vorstand der innovIT AG

Wirtschaftsforum: Frau Tennigkeit, gemeinsam mit Ihrem Mann Jörg Tennigkeit sind Sie Vorstandsmitglied der innovIT AG, einem Unternehmen, das mit modularen, hocheffizienten Rechenzentrumslösungen eine Ausnahmestellung in einem rasant wachsenden Markt einnimmt. Worum geht es bei diesen Rechenzentren?

Anke Tennigkeit: Mein Mann, ein leidenschaftlicher Techniker, hat innovIT vor 16 Jahren gegründet, weil er am Markt den Bedarf für eine neue Art von Rechenzentren sah. Zu der Zeit sollten Rechenzentren per Katalog in Serie verkauft werden – ein Ansatz, der im Projektgeschäft nicht funktioniert, weil jeder Standort, jeder Kunde und jede Anwendung andere Anforderungen hat. Wir haben deshalb von Anfang an konsequent maßgeschneidert gebaut. Heute, in Zeiten der KI-Server, sind die Anforderungen an die IT-Infrastruktur deutlich gestiegen. Die regulatorischen Anforderungen sind in unserer Modulplattform

standardmäßig abgedeckt – individuell zugeschnitten wird hingegen die Rack-Konfiguration pro Raum. Das ist heute wichtiger denn je: Während über viele Jahre Leistungsdichten von 2 bis 25 kW pro Rack der Standard waren, hat der Aufstieg der KI-Server – allen voran auf NVIDIA-Basis – zu einem dramatischen Sprung geführt. Aktuelle KI-Plattformen erreichen rund 150 kW pro Rack, einzelne Systeme gehen bereits darüber hinaus. Genau für diese Leistungsklassen ist unsere modulare Bauweise ausgelegt: Sie sichert hohe Leistungsdichten zuverlässig ab und verbindet Stabilität mit Energieeffizienz.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet dieser Sprung für die Entwicklung der Rechenzentren?

Anke Tennigkeit: Rechenzentren müssen heute anders gebaut werden, um den Anforderungen von KI-Servern gerecht zu werden. Konkret heißt das: KI-Racks lassen sich bei diesen Leistungsdichten nicht mehr rein luftgekühlt betreiben – Direct Liquid Cooling wird zur Voraussetzung, also Wasserleitungen direkt bis ans Rack. Für uns ist das kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Wir denken Rechenzentren seit 16 Jahren anders – und haben bereits damals Konzepte umgesetzt, die heutige Effizienzanforderungen, wie sie das Energieeffizienzgesetz vorgibt, vorweggenommen haben.

Wirtschaftsforum: Können Sie das genauer erläutern?

Anke Tennigkeit: Klassische Rechenzentren arbeiten gegen die Physik und zwingen kalte Luft entgegen ihrer natürlichen Strömungsrichtung – mit hohem Energieaufwand. Wir drehen das Prinzip um: Kaltluft fällt von oben durch die Server, Warmluft steigt darüber ab. Das funktioniert für kleine Edge-Module ebenso wie für große Multi-Megawatt-Serverräume. Hinzu kommt unser modularer Ansatz: Statt einer zentralen Kälteerzeugung, an der das ganze Rechenzentrum hängt, arbeiten wir mit kleinen, autarken Einheiten – jeweils maximal 20 Racks, eigene redundante Klimatisierung und Stromversorgung. Die Fehlerdomäne bleibt klein – fällt eine Einheit aus, läuft alles andere weiter.

Wirtschaftsforum: Wie ist innovIT bei der Entwicklung und Vermarktung dieser innovativen Rechenzentren aufgestellt?

Anke Tennigkeit: Ein wichtiger Meilenstein und Wachstumsmotor war die 2024 erfolgte Übernahme durch die noris network AG aus Nürnberg, einem führenden Anbieter von IT-Dienstleistungen und Rechenzentren in Deutschland. Gemeinsam haben wir die Modulgeneration komplett überarbeitet. Wie erfolgreich die Zusammenarbeit ist, zeigt ein dreigeschossiges Rechenzentrum mit über 9.000 m2 Whitespace, das wir derzeit gemeinsam in Nürnberg bauen – aus genau jenen modularen Einheiten zu einer großen Anlage zusammengefügt. Durch noris network sind wir in der Lage, auch Projekte dieser Größenordnung schnell und effizient umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Was sind die Vorteile der innovIT-Lösungen?

Anke Tennigkeit: KI-Server oder Rechenzentren sind große Investments – und in der Regel dauert es, bis die Mittel freigegeben sind. Liegen sie dann vor, muss es schnell gehen. Genau hier setzt unser Modell an: Wir starten die Produktion bereits parallel zum Genehmigungsverfahren, nicht erst nach Vorliegen der Baugenehmigung. Das verkürzt die Time-to-Market spürbar. Hinzu kommt unsere Wertschöpfungstiefe: Wir sind der einzige Anbieter am Markt, der modulare Rechenzentren mit einem eigenen Team produziert, schlüsselfertig liefert und über den gesamten Lebenszyklus begleitet – von Planung und Beratung über Fertigung und Installation bis hin zu Wartung und Betrieb. Aus einer Hand, mit durchgängiger Verantwortung.

Wirtschaftsforum: An wen wendet sich innovIT mit den modularen Lösungen?

Anke Tennigkeit: Wir bedienen verschiedene Zielgruppen: Unternehmen, die eigene KI- und Hochleistungsrechenkapazitäten aufbauen – etwa für Forschung, autonome Systeme oder Robotik – und Colocation-Anbieter, die ihr Angebot schnell skalieren wollen.

Wirtschaftsforum: Durch KI, Colocation und Cloud Computing wächst der Markt für Rechenzentren rasant. Wie hat sich innovIT vor dem Hintergrund dieser Dynamik entwickelt?

Anke Tennigkeit: Unser Umsatz hat sich seit der Übernahme durch noris network verdreifacht – nicht zuletzt, weil wir am Markt deutlich sichtbarer geworden sind. Heute kommen auch die ganz großen Marktplayer auf uns zu.

Wirtschaftsforum: Warum ist die modulare Bauweise heute gefragt?

Anke Tennigkeit: Auch ein in Beton gegossenes Rechenzentrum kann die Vorgaben des Energieeffizienzgesetzes erfüllen – unsere modularen Anlagen unterschreiten sie um rund 25%. Dazu kommt die Flexibilität der modularen Bauweise: Kapazitäten entstehen genau dort, wo sie gebraucht werden – als Edge-Einheit oder als modular zusammengesetztes Großprojekt. Unsere KI-Module sind innerhalb von drei Monaten einsatzbereit – in dieser Leistungsklasse am Markt einmalig.

Wirtschaftsforum: Wird sich das Wachstum der Vergangenheit damit in Zukunft fortsetzen? Was sind Ziele für die Zukunft?

Anke Tennigkeit: Allein der deutsche Markt bietet uns enormes Potenzial – und mit noris network im Rücken realisieren wir auch Großprojekte in der gewohnten Geschwindigkeit. Der Markt wird in den nächsten drei bis zehn Jahren massiv wachsen, getrieben von KI, Cloud und Souveränitätsanforderungen. Hinzu kommt: Rechenzentren werden nach 10 bis 15 Jahren grundsätzlich überholt – das schafft kontinuierlich Folgegeschäft. Gerade für Colocation-Anbieter ist unsere modulare Bauweise dabei ein echter Hebel: Sie ermöglicht ein konsequentes Pay-as-you-grow – Kapazitäten werden genau dann ergänzt, wenn die Nachfrage da ist, statt jahrelang ungenutzte Flächen vorzufinanzieren. Mit unserer dezentralen Philosophie und industrialisierten Bauweise liefern wir genau das, was der Markt jetzt braucht: schnell, skalierbar, energieeffizient.

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