Der Full Service-Partner für Leiterplatten

Interview mit Florian Walchhofer, CEO der wtronic – electronic production gmbh

Wirtschaftsforum: Herr Walchhofer, wtronic tritt als schlagkräftiger Partner für den Handel, die Bestückung und Komplettmontage im Leiterplattenbereich auf. Welche Veränderungen haben Sie in Ihren Marktfeldern in den letzten Jahren erlebt? 

Florian Walchhofer: Grundsätzlich arbeiten wir mit Kunden aus nahezu jeder Branche zusammen, mit Ausnahme des Automotive-Segments. Diese Ausrichtung hat sich gerade in letzter Zeit als sehr sinnvolle Entscheidung he­rausgestellt – nicht nur weil einige Mitbewerber mit relativ vielen Automotive-Kunden aufgrund der schwachen Marktentwicklung in dieser Branche auf gewisse Pro­bleme stießen, sondern auch weil die unterschiedlichen Industriezweige sehr verschiedenartig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betroffen sind: Befindet sich eine Branche im Abschwung, steigt bisweilen anderswo die Nachfrage. So konnte sich auch wtronic als Unternehmen trotz aller Verwerfungen stabil weiterentwickeln. 

Wirtschaftsforum: Die allgemeine Marktlage dürfte aber auch für Sie nicht einfacher geworden sein. 

Florian Walchhofer: Von den Sperrungen in der Straße von Hormus spüren wir aktuell noch keine relevanten Auswirkungen bei den Lieferzeiten oder Kundenaufträgen, erwarten aber durchaus, dass das im Laufe des Jahres noch kommen wird. Die Frage ist nur, wann. Auch in den letzten Jahren haben wir immer wieder erlebt, dass Kunden einzelne Bestellungen innerhalb der bestehenden Rahmenverträge verschoben haben, aber das hatte nie dramatische Konsequenzen für uns. Die Auswirkungen der Coronapandemie spüren wir hingegen viel nachhaltiger, denn bis heute gibt es kaum einen Auftrag, der nicht auch mindestens ein Bauteil mit außergewöhnlicher Lieferzeit beinhaltet, teilweise von bis zu einem halben Jahr. Unser Know-how bei der Suche nach entsprechenden Alternativen bleibt somit weiterhin gefragt. Viele hatten natürlich gehofft, dass die Bauteilknappheit mit dem Ende der Pandemie nachhaltig zurückgehen würde, und das ist sie auch. Trotzdem wurde die Welt nie wieder so, wie wir so vor dem Ausbruch von Corona gekannt hatten. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die zunehmend härter werdende Wettbewerbssituation, der wtronic ausgesetzt ist? 

Florian Walchhofer: Wir fertigen unsere Produkte in Werken in Italien und Slowenien. Bei größeren Kunden stehen wir damit in der Tat in Konkurrenz zu Unternehmen aus Osteuropa oder Asien, wo ab einem gewissen Punkt durchaus ein relevanter Preisdruck entsteht. Ein wichtiger Vorteil von wtronic liegt dabei in unserer Eigenschaft als familiengeführtes mittelständisches Unternehmen – eine Beschreibung, die so auch auf eine Vielzahl unserer Kunden zutrifft. Unsere Beziehungen sind somit sehr enge Partnerschaften, die sich über viele Jahre auf allen Unternehmensebenen entwickelt haben. Gleichzeitig erhalten wir weiterhin viel Wertschätzung für die Handwerksqualität unserer Produkte sowie für unsere Flexibilität. Denn wenn ein Kunde – insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden Bauteilknappheit – besonders dringend beliefert werden muss, können wir im Zweifel schnell produzieren und vieles möglich machen, was Unternehmen aus Fernost eben nicht anbieten können. Denn dort ist der Kunde meist zwangsläufig eine Nummer. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie angesichts dieser Entwicklungen in die Zukunft? 

Florian Walchhofer: In den letzten Jahren sind die Mindestgehälter an unserem Produktionsstandort in Slowenien um über ein Viertel gestiegen. Ab einem gewissen Punkt werden auch wir diese Kosten an unsere Kunden weitergeben müssen. Dank unserem gewachsenen partnerschaftlichen Verhältnis zu ihnen können wir an dieser Stelle jedoch sehr transparent kommunizieren und so auch auf ein starkes Vertrauen im Markt setzen. Gleichzeitig möchten wir unser Kundenspektrum in den nächsten Jahren noch breiter aufstellen und Kontakte in attraktive Wachstumsbranchen aufbauen, in denen unsere Produkte sinnvoll eingesetzt werden könnten – etwa in Photovoltaikanlagen und Elektroautos sowie in KI-gestützten Smart Home-Anwendungen. 

Wirtschaftsforum: Zudem errichten Sie derzeit ein neues Werk in Slowenien und setzen ferner ein wichtiges Softwareprojekt um. 

Florian Walchhofer: Die Einführung unserer neuen MES-Software wird nicht nur in unserer Planung und Produktion viel verändern, sondern auch für eine viel höhere Rückverfolgbarkeit und eine bessere Übersicht in der Fertigung sorgen. Zudem wollen wir dabei unsere Liefertreue noch weiter steigern. Darüber hinaus haben wir inzwischen drei Teilbereiche definiert, in denen wir in Zukunft verstärkt auf KI setzen wollen. Das neue Fertigungsgebäude, dass wir in Slowenien planen, wird das erste Werk sein, das wir ganz nach unseren Wünschen einrichten und gestalten können. Wenn die Fertigungshalle dann in zwei bis drei Jahren steht, werden wir dort vermutlich so effizient produzieren können wie bisher noch nie. Natürlich gehört gerade für ein Familienunternehmen unserer Größe auch etwas Mut zu einer solchen Investition, doch die Chancen, die sich daraus für uns und unsere Kunden ergeben werden, stimmen uns sehr optimistisch.

 

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