Die Kraft des Windes – effektiv genutzt

Interview mit Stefan Bockholt, Technischer Geschäftsführer und Michael Kabourek, Vertriebsleiter und Prokurist der eno energy GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bockholt, Herr Kabourek, welche Schritte sind in der Unternehmensgeschichte von eno energy besonders hervorzuheben?

Stefan Bockholt: Die Firma wurde 1999 als Projektentwicklungsgesellschaft gegründet. 2006 fiel die wegweisende Entscheidung, in die Entwicklung und den Bau von Windturbinen einzusteigen. Die ersten Maschinen mit einer Leistung von 2 MW und einem Rotordurchmesser von 82 m wurden 2008 aufgestellt. Damit sind wir dann in Serie gegangen. Ein weiterer Meilenstein war 2013 die Markteinführung unserer 4-MW-Turbinen mit einem Rotordurchmesser von 114 m bis 126 m. Die Produkte wurden kontinuierlich weiterentwickelt und 2020 sind wir mit der nächsten Generation, den Windturbinen mit einer Leistung von 6 MW und einem Rotordurchmesser bis 160 m, auf den Markt gegangen.

Michael Kabourek: Das Produktionswerk in Rostock wurde 2008 eröffnet. 2011 haben wir unsere erste Niederlassung in Schweden gegründet. 2016 hatten wir bereits über 100 Anlagen errichtet. Wir sind heute auf Produktion und Verkauf fokussiert, betreiben aber weiterhin etwas Projektentwicklung. Das hilft uns zu verstehen, was der Markt braucht.

Wirtschaftsforum: Hat das Unternehmen trotz Internationalisierung seinen mittelständischen Charakter bewahrt?

Michael Kabourek: Ja, absolut. Die Firma ist nach wie vor in den Händen des Gründers Karsten Porm und damit der einzige inhabergeführte mittelständische Windenergieanlagenhersteller im Onshore-Multimegawattbereich. Für uns bedeutet das kurze Entscheidungswege und Flexibilität, was uns schnelles Handeln ermöglicht.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden, und welche Leistungen bieten Sie ihnen an?

Michael Kabourek: Bei unseren Kunden handelt es sich um Projektentwickler, Fondsgesellschaften, Energieversorger und Investoren. Wir errichten die Windkraftanlage schlüsselfertig, nehmen sie in Betrieb und kümmern uns bei Bedarf auch um die Infrastruktur. Dazu bieten wir Dienstleistungen im Bereich Service und Wartung an.

Wirtschaftsforum: Aus welchen Gründen entscheiden sich die Kunden für eno energy?

Stefan Bockholt: Unsere Mitbewerber sind Großkonzerne. Als mittelständisches Unternehmen bieten wir einen persönlichen Ansprechpartner, der Kunde partizipiert an kurzen Entscheidungswegen und unserer Flexibilität. Wir passen unsere Anlagen projektspezifisch an die Belange des Kunden an. Das sind Dinge, die unsere Kunden – zu einem großen Teil kleinere Projektentwickler – im Vergleich mit den Volumenherstellern an uns schätzen. Hinzu kommt, dass wir relativ kurze Lieferzeiten haben und zusammen mit dem Kunden die Finanzierung der Projekte gestalten können.

Wirtschaftsforum: Wie soll sich eno energy in Zukunft entwickeln?

Michael Kabourek: Unser Ziel ist es, weiter gesund zu wachsen. Wir möchten uns auch in unseren Nachbarländern weiterentwickeln.

Stefan Bockholt: Wir sind innovationsgetrieben und werden uns technologisch auch in Zukunft weiterentwickeln. Unser Plan ist, in Zentraleuropa weiter zu internationalisieren, in Länder, in denen stabile wirtschaftliche Verhältnisse herrschen. Das ist für uns als Mittelständler ein wichtiges Kriterium. Unser Produktportfolio passen wir immer an die spezifischen Anforderungen der verschiedenen Länder an. In Frankreich zum Beispiel sind gar nicht die ganz großen Turbinen gefragt, während in Schweden aufgrund des Preisdrucks große, effiziente Maschinen gefordert werden. Längerfristig werden wir auch über den Teich hinausblicken. In Asien etwa gibt es ein großes Potenzial. Ein Fokus wird für uns auch auf dem Bereich Dienstleistungen liegen.

Wirtschaftsforum: Was planen Sie auf diesem Gebiet?

Stefan Bockholt: Zu jedem Verkauf einer Turbine gehört ein Wartungsvertrag für die Dauer der gesamten Betriebslaufzeit, also mindestens zehn, meist 15 bis 20 Jahre. Wir bieten ein Rundum-sorglos-Paket für den technischen Betrieb und zudem ein Dienstleistungsangebot für den kaufmännischen Bereich. Das ist ein stetig wachsendes Geschäft. Wir bieten außerdem die Wartung von Fremdturbinen an. Mit unseren Servicedienstleistungen, zu denen beispielsweise auch der Rotorblattservice gehört, wollen wir uns in Zukunft noch breiter aufstellen. Daher investieren wir gerade in Technik und die Ausbildung von Personal. Der Abbau von Windkraftanlagen wird eine größere Rolle spielen. Wir werden deshalb auch Verträge anbieten, die den Abbau und die Entsorgung alter Anlagen beinhalten.

Wirtschaftsforum: Werden die Turbinen immer größer werden?

Stefan Bockholt: Das Ende der Fahnenstange ist jedenfalls noch nicht erreicht. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir sicherlich noch größere Turbinen bauen. Wir werden auf jeden Fall im Onshorebereich bleiben und dort die Digitalisierung der Windparks und Turbinen vorantreiben. Smart Metering-Konzepte haben wir bereits in der Schublade, um die Turbinen flexibel an den Bedarf anpassen zu können. Hier sind standort- und projektspezifische Lösungen gefragt. In diesem Bereich sind wir mit unserem Engineering auf einem sehr guten Weg.

Wirtschaftsforum: Wie gestaltet sich das Genehmigungsverfahren für den Bau einer Windkraftanlage?

Michael Kabourek: Wir müssen extrem viele Auflagen erfüllen, um eine Anlage umweltgerecht aufzubauen. Für den Bau jeder Anlage sind bis zu 28 Teilgenehmigungen einzuholen, koordiniert von der jeweils zuständigen Immissionsschutzbehörde gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz. Das Areal muss über ein Jahr von Umweltexperten begutachtet werden. Für den Eingriff in die Umwelt sind Ausgleichsmaßnahmen zu erfüllen, zum Beispiel sind für jeden gefällten Baum mehrere neue Bäume anzupflanzen. Es muss übrigens auch eine Bankgarantie hinterlegt werden, um den Rückbau nach der Betriebszeit sicherzustellen.

Wirtschaftsforum: Ein großes Thema im Zuge der Klimadebatte sind Speicherung und Transportmöglichkeiten von Strom. Beschäftigen Sie sich auch damit?

Stefan Bockholt: Unser Gebiet ist die Stromerzeugung, aber wir arbeiten auch an entsprechenden Schnittstellen, um aus dem Strom zum Beispiel Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe zu machen oder Speicherlösungen zu integrieren.

Michael Kabourek: Wir gehen Kooperationen ein, etwa bei der Speichertechnologie, um den Strom durch Pufferspeicher dann nutzbar zu machen, wenn der Bedarf da ist. Besuchen Sie für Zukunfts- und Windenergiethemen gerne unsere Fachmesse Rostock Wind am 6. August 2021!

Hier finden Sie die eno energy GmbH auf der Rostock Wind.

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