Nachhaltige Klebstoffe – Verbindung mit Verantwortung

Interview mit Robert Palmer, Global Commercial Director, Dymax Corporation

Wirtschaftsforum: Herr Palmer, was sind heute die wichtigsten Anwendungsbereiche Ihrer Materialien und Lösungen?

Robert Palmer: Elektronik, Medizin und Aerospace sind wichtige Marktsegmente, in denen wir auch für die Zukunft ein großes Wachstumspotenzial sehen. Themen sind hier unter anderem die Elektrifizierung der Automobilbranche, Fahrerassistenzsysteme, selbstfahrende Systeme, Kameras oder Radarsensoren. Im Aerospace-Markt geht es um Avionics, also die Elektronik im Cockpit, aber auch um Materialien, die für Produktion, Wartung und Reparatur von Triebwerksbauteilen und Motorgruppen eingesetzt werden. In der Medizin sehen wir einen Trend zu Wearable Devices, also den kleinen direkt am Körper getragenen Computern. All diese neuen Anforderungen sind die Basis für unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns doch ein Beispiel für eine aktuelle Produktinnovation.

Robert Palmer: Wir bringen in jedem Quartal verschiedene Produkte heraus, die spezifische Probleme unserer Kunden lösen, lichthärtende Materialien, aber auch entsprechende Aushärtungsgeräte. Vor Kurzem haben wir die neue licht- und feuchtigkeitshärtende Schutzbeschichtung Dymax 9771 herausgebracht. Zurzeit ist Dymax Dual-Cure 9771 das einzige Material weltweit, welches die strengen NASA-Anforderungen erfüllt.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Dymax?

Robert Palmer: Nachhaltigkeit ist ein Schlüsselthema für unsere Kunden und damit auch für uns. Es entwickeln sich ganz neue Qualitätsstandards am Markt. Wir brauchen oft völlig neue Materialien und Rohstoffe, die wir in unseren Formulierungen einsetzen können, um negative Einflüsse auf die Umwelt, die letztendlich auch Hersteller und Endverbraucher beeinträchtigen könnten, zu minimieren. In den vergangenen fünf Jahren haben wir bereits viele als bedenklich eingestufte Substanzen in unseren Formulierungen ersetzen können, ohne die hohen Leistungsmerkmale unserer Materialien einzuschränken. Ein gutes Beispiel sind hier die Dymax-Produkte zum Zusammenbau von Wearable Devices, die zunehmend sowohl im Consumer- als auch im medizinischen Bereich verwendet werden. Wir haben gemeinsam mit unseren Kunden daran gearbeitet, und es ist uns zum Beispiel gelungen, diese Produkte hautfreundlich zu formulieren, sodass sie bedenkenlos in direkter Nähe zur Haut getragen werden können. Die gesamte Industrie bewegt sich in diese Richtung und wir sind ganz vorne dabei, weil wir mit diesen Entwicklungen deutlich früher angefangen haben als viele unserer Marktbegleiter. Es ist eine Herausforderung für unser Forschungs- und Entwicklungsteam, aber wir haben den festen Willen und das Ziel, diese Transformation auch weiterhin voranzutreiben und das wird von der Industrie sehr positiv aufgenommen.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von einer Transformation. Welche Rolle spielt die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen?

Robert Palmer: Wir sind mitten im digitalen Transformationsprozess. Intern sind wir bereits sehr gut aufgestellt. Wir haben uns bereits vor rund fünf Jahren gegen eine regionale Struktur entschieden. Jetzt sind unsere Prozesse global. Das Ziel ist es, für unsere Kunden noch transparenter zu sein. Hier eröffnen digitale Tools neue Möglichkeiten. Entsprechend investieren wir hier.

Wirtschaftsforum: Auf den Punkt gebracht: Was unterscheidet Dymax von anderen Anbietern?

Robert Palmer: Wir blicken auf Jahrzehnte an Erfahrung zurück und haben eine starke Referenzliste. Unsere Marke wird geschätzt und steht für absolute Performance und höchste Qualität. Wir arbeiten ständig an der Weiterentwicklung unserer Produkte, um den aktuellen Markttrends gerecht zu werden, und alle unsere Mitarbeiter sind Experten auf ihrem Gebiet. Aber letztendlich fokussieren wir uns auf unsere Kernkompetenz, die lichthärtenden Materialien. Dadurch sind wir in der Lage, unseren Kunden hier bei jeglichen Problemstellungen und Herausforderungen zu helfen. Die Grundlage für unsere Exzellenz und Innovationskraft sind am Ende des Tages unser Forschungs- und Entwicklungsteam sowie unsere Applikationsingenieure.

Wirtschaftsforum: Auf welche Regionen und Länder werden Sie sich in der nächsten Zeit konzentrieren?

Robert Palmer: Aktuell ist Deutschland in Europa unser wichtigster Markt, gefolgt von Großbritannien und Irland. Wir erwarten, dass in der nächsten Zeit Produktionen zurück nach Europa kommen. Davon wird besonders Osteuropa profitieren.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie noch vom Jahr 2023?

Robert Palmer: Wir sind entsprechend unserer Strategie gut aufgestellt. Wir werden 2023 das dritte Mal in Folge ein zweistelliges Wachstum in Millionenhöhe realisieren, obwohl das Marktumfeld immer noch herausfordernd ist. Auf unserer Agenda steht Wachstum ganz oben. Wir werden unsere neue Niederlassung in den USA ausbauen. Wir planen in North Carolina ein hochmodernes Forschungs- und Entwicklungszentrum, das den modernsten Anforderungen entspricht. Aber auch in Europa und in Asien möchten wir unsere Marktpräsenz verstärken.

Wirtschaftsforum: Welches Ziel verfolgen Sie langfristig mit Dymax in Europa?

Robert Palmer: Wir gehen davon aus, dass wir unser Geschäft in Europa verdoppeln können. Entsprechend investieren wir jetzt in unsere Niederlassungen und auch in unser Team. Wir werden unser technisches und Produktionsteam verdoppeln, denn wir erwarten für die kommenden Jahre viel von der EMEA-Region.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Chemie

Regulatorische Sicherheit für die Chemieindustrie

Interview mit Dr. Michael Cleuvers, Geschäftsführer der knoell Germany GmbH

Regulatorische Sicherheit für die Chemieindustrie

In einer zunehmend komplexen, globalisierten Industrie wird der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die knoell Germany GmbH unterstützt Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen vorausschauend umzusetzen und Risiken für…

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Interview mit Luca Niero, Sales SOP/Export Sulphuric Acid SOP der Marchi Industriale S.p.A.

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Die Chemieindustrie steht unter permanentem Kosten- und Innovationsdruck. Rohstoffmärkte sind global vernetzt, Lieferketten sensibel, Energieeffizienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Marchi Industriale S.p.A. mit Sitz in Marano Veneziano, Italien, begegnet diesem…

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Interview mit Beatrice Buzzella, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Green Oleo S.p.A.

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Was passiert, wenn ein Industrieunternehmen radikal umdenkt? Green Oleo aus dem norditalienischen Cremona hat genau das getan. Das Unternehmen, das früher klassische oleochemische Produkte herstellte, verarbeitet heute pflanzliche und tierische…

Spannendes aus der Region Wiesbaden

Fertigung wieder regional gedacht

Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Fertigung wieder regional gedacht

Als viele Industrieunternehmen ihre Fertigung in den vergangenen Jahren international verzweigten, blieb die C.F.K. CNC-Fertigungstechnik Kriftel GmbH dem Standort Deutschland treu – und baute zugleich Kompetenzen aus, die heute wieder…

Der Mensch bleibt das stärkste Netz

Interview mit Denise Link, Geschäftsführerin der comcontrol GmbH

Der Mensch bleibt das stärkste Netz

Die Digitalisierung verändert Arbeitswelten rasant. Die comcontrol GmbH aus Schwalbach am Taunus begleitet Kunden dabei in allen Fragen rund um Telekommunikation und Mobilfunk. Mit Geschäftsführerin Denise Link sprachen wir über…

„Wir müssen einfacher  bauen!“

Interview mit Matthias Burda, Geschäftsführer der Burda Plus GmbH

„Wir müssen einfacher bauen!“

Seit über 30 Jahren versorgt der Architekt, Wirtschaftsingenieur und Immobiliensachverständige Matthias Burda mit seinem Unternehmen Burda Plus die Top-Player im professionellen deutschen Real Estate-Segment mit fachkundigen Gutachten und umfassenden Projektsteuerungsleistungen,…

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Interview mit Beatrice Buzzella, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Green Oleo S.p.A.

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Was passiert, wenn ein Industrieunternehmen radikal umdenkt? Green Oleo aus dem norditalienischen Cremona hat genau das getan. Das Unternehmen, das früher klassische oleochemische Produkte herstellte, verarbeitet heute pflanzliche und tierische…

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

TOP