THE NAME FOR SAFETY – und zwar weltweit

Interview mit Robert Rohde, Head of Product Management der Jean Müller GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rohde, die Jean Müller GmbH trägt einen französischen Namen. Wie würden Sie kurz die Historie Ihres Unternehmens beschreiben?

Robert Rohde: Wir hatten seit der Gründung vor 126 Jahren keinerlei Bezug zu Frankreich. Selbst heute nicht, da sich die Technologien und Normen unterscheiden. Stattdessen war ‘Jean’ der Spitzname des Gründers, welcher damals zu den Pionieren in der Elektrotechnik gehörte. Zu jener Zeit wurde Elektrizität regional erzeugt und verteilt. Es war die Dekade der Gründung großer Firmen wie AEG oder Siemens. Jean Müllers historischer Beitrag war die sichere Versorgung mit Elektrizität in den Privathaushalten mithilfe von Keramik-Schraubsicherungen. Heute arbeiten wir nur noch mit der Industrie und den Energieversorgern zusammen. So gehören beispielsweise Krankenhäuser, Walzwerke, Chemieparks, Energieversorger und Stadtwerke zu unseren Kunden. Demnach befinden sich Produkte der Jean Müller GmbH unter anderem in den Ortsnetzstationen und Verteilerkästen am Straßenrand, welche die sichere Verteilung der Energie gewährleisten.

Wirtschaftsforum: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt aktuell Ihr Unternehmen und wie hoch ist der Umsatz?

Robert Rohde: Aktuell beschäftigen wir über 600 Mitarbeiter — davon knapp 500 in Deutschland. Alle anderen arbeiten an unseren Standorten in Indien, Neuseeland, China, Singapur, Finnland, in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Polen und in der Türkei. Ein besonderer Meilenstein des Jahres 2024 war die Eröffnung eines Produktionsstandortes in Indien. Darüber hinaus haben wir ein Joint Venture in Ungarn. Der Umsatz beläuft sich auf 140 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Ist die Jean Müller GmbH immer noch familiengeführt?

Robert Rohde: Das Unternehmen war lange Zeit familiengeführt. Nachdem 2017 ein Eigentümer unerwartet verstorben ist, haben zwei angestellte Geschäftsführer — Dipl.-Wirtsch.-Ing. Stefan Gutting und Dipl.-Ing. (FH) Heinz Saure — die Leitung übernommen. Das Unternehmen befindet sich immer noch zu 100% im Familieneigentum.

Wirtschaftsforum: Gibt es bei Ihnen Produkte, mit denen Sie sich von der Konkurrenz abheben?

Robert Rohde: Europaweit gibt es nur sehr wenige Anbieter, die die komplette Bandbreite abdecken. Wir sind in Deutschland die Einzigen, die sämtliche Produkte und Systeme vor Ort entwickeln und produzieren. Zudem ist späteres Aufrüsten bei uns deutlich unkomplizierter als beim Wettbewerber. In Ergänzung mit unserem über 100-jährigen Know-how zum Thema Lastschalten genießen wir größtes Vertrauen bei unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Gibt es Produktneuheiten bei Ihnen, die Sie hervorheben möchten?

Robert Rohde: In Bezug auf die Digitalisierung des Verteilnetzes möchte ich eine Kombination aus drei Produkten erläutern. Zum einen ist TOKEO die neueste Generation der Lastschaltleisten, welche mit PLPlano Mess- technik und unserem Messsystem PLVario-II kombiniert werden. Alle drei Produkte bilden den Kern einer intelligenten Verteilerlösung, welche wir mit der Softwarelösung PLAnaKon abrunden. Das Ganze wird komplett digitalisiert und einbaufertig ausgeliefert. Für industrielle Kunden und Betreiber von Liegenschaften bieten wir mit SASILplus ein speziell auf diese Anforderungen angepasstes System mit voll integriertem Energiedaten-Erfassungssystem an. Die Komponenten sind im laufenden Betrieb auswechselbar, sodass die Betriebsunterbrechung bei einem Defekt minimal ist.

Wirtschaftsforum: Es heißt, die Krise der letzten vier Jahre hatte ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Industrie und die Energieversorger. Wie haben Sie Turbulenzen in Ihrem Unternehmen wahrgenommen?

Robert Rohde: In der Tat haben die Herausforderungen der geopolitischen Situationen die Kapazitätsnachfrage auf dem Markt verändert. Allgemein legen wir höchste Priorität darauf, stets die Lieferfähigkeit sicherzustellen. Wir arbeiten antizyklisch und investieren daher heute in die Zukunft, um sowohl Innovation, als auch Lieferfähigkeit sicherzustellen. Wir haben die Turbulenzen der letzten Jahre gut gemeistert. Die letzten vier Jahre waren Rekordjahre, in denen wir sogar zweistellige Wachstumszahlen realisieren konnten.

Wirtschaftsforum: Welche Strategie verfolgen Sie für die Zukunft?

Robert Rohde: Aufgrund des Fachkräftemangels möchten wir weiterhin intelligente Produkte entwickeln und die Automatisierung verstärken. Wir bilden selbst aus und investieren stetig in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Ziel ist es, mit den bestehenden Fachkräften mehr Output realisieren zu können. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und Unabhängigkeit von Energiepreis-Schwankungen haben wir in Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern investiert. Darüber hinaus legen wir viel Wert auf recycelbare Produkte. Unsere Komponenten sind sehr langlebig, verbleiben teilweise bis zu 50 Jahre im Betrieb. Wir sind Technologieführer in vielen Bereichen und möchten diese Position weiter ausbauen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Wenn Engineering auf Zukunftstechnologien trifft

Interview mit Joachim Himmelsbach, Geschäftsführer der Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH

Wenn Engineering auf Zukunftstechnologien trifft

Die industrielle Fertigung steht weltweit vor tiefgreifenden Veränderungen. Neue Technologien, geopolitische Verschiebungen und steigende Anforderungen an Effizienz und Präzision verlangen Unternehmen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit ab. Die Erwin Junker…

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

Interview mit Alexander Smeets, Geschäftsführer der LENTZEN Gebäudetechnik GmbH

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

In Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt moderne Gebäudetechnik stark an Bedeutung. Unternehmen benötigen Lösungen, die Effizienz, Verlässlichkeit und intelligente Steuerung verbinden. Genau hier positioniert sich die LENTZEN Gebäudetechnik…

Wenn Standard nicht hoch genug reicht

Interview mit Florian Kunze-Scheffler, CFO/CIO/CDO der Kunze GmbH

Wenn Standard nicht hoch genug reicht

Wer heute auf Baustellen entlang von Bahnstrecken arbeitet oder schwer zugängliche Industrieanlagen wartet, braucht mehr als Standardtechnik. Die Kunze GmbH aus Bruckmühl hat sich genau auf diese anspruchsvollen Einsatzbe­reiche spezialisiert.…

Spannendes aus der Region Rheingau-Taunus-Kreis

Fertigung wieder regional gedacht

Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Fertigung wieder regional gedacht

Als viele Industrieunternehmen ihre Fertigung in den vergangenen Jahren international verzweigten, blieb die C.F.K. CNC-Fertigungstechnik Kriftel GmbH dem Standort Deutschland treu – und baute zugleich Kompetenzen aus, die heute wieder…

Führungslücke im Mittelstand: Was jetzt zählt

Interview mit Sebastian Reckers, Geschäftsführer der Reckers & Griesbach GmbH

Führungslücke im Mittelstand: Was jetzt zählt

Nachfolgeprozesse sind selten rein organisatorische Routinen. Sie berühren Identität, Kontrolle und die Zukunft eines Unternehmens. Für Sebastian Reckers, Geschäftsführer der Reckers & Griesbach GmbH aus Eschborn, steht fest: „Eine Nachfolge…

Das Stadion als Herzschlag der Stadt

Interview mit Stefan Blöcher, ehemaliger Geschäftsführer der Stadion Berliner Straße GmbH & Co. KG und heutiger Markenbotschafter des SV Wehen Wiesbaden

Das Stadion als Herzschlag der Stadt

Ein Stadion ist selten nur ein Ort für 90 Minuten. Die BRITA Arena ist Treffpunkt, Bühne und wirtschaftlicher Motor zugleich. Stefan Blöcher erklärt, wie sich dieses Zusammenspiel entwickelt hat –…

Das könnte Sie auch interessieren

„Der letzte Rendite-Euro interessiert uns nicht“

Interview mit John Frederik Dresselmann, Geschäftsführer der Reinhold Pohl GmbH

„Der letzte Rendite-Euro interessiert uns nicht“

Die Geschichte der Reinhold Pohl GmbH beginnt mit einem ostpreußischen Flüchtlingsjungen, der sich im Ruhrgebiet eine Existenz aufbaute. Heute steht das Unternehmen für hochspezialisierte Instandhaltung von Industrieschornsteinen. Geschäftsführer John Frederik…

„Reisen ist eine der größten ­Er­rungenschaften der Menschheit!“

Interview mit Yonca Yalaz, Geschäftsführerin der Plaza Hotelgroup GmbH

„Reisen ist eine der größten ­Er­rungenschaften der Menschheit!“

„Wir werden es entweder alle durch diese Zeit schaffen oder gemeinsam untergehen!“ Mit diesen Worten schwor Yonca Yalaz als Geschäftsführerin der Plaza Hotelgroup ihre über 2.000 Mitarbeiter an mehr als…

Vision trifft Automation

Interview mit Roland Jenning, Geschäftsführer der inos Automationssoftware GmbH

Vision trifft Automation

In der industriellen Automatisierung steigen die Anforderungen an Effizienz, Präzision und Qualität kontinuierlich. Produkte müssen nicht nur schnell, sondern auch fehlerfrei und reproduzierbar gefertigt werden. Vor diesem Hintergrund gewinnen innovative…

TOP