Misch- und Trocknungsanlagen, die Jahrzehnte halten

Interview mit Alexander Pfleghaar, Managing Director der Bolz Process Technology GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Pfleghaar, zu Ihren Kunden zählt das Who-is-Who der internationalen Lebensmittel- und Pharmaindustrie, von Roche und Sanofi über GlaxoSmithKline und Nestlé bis hin zu Michelin. Mit welchen Produkten beliefern Sie diese Unternehmen – und viele weitere?

Alexander Pfleghaar: Grundsätzlich stellen wir Vakuum-Konus-Schneckentrockner und -mischer nach dem Nauta-Prinzip sowie Zentralwellentrockner und -mischer her. Mit dieser Technologie heben wir uns in vielerlei Hinsicht von anderen Lösungen im Markt ab: Durch das Vakuumprinzip können wir beispielsweise schon mit recht geringen Temperaturen eine für das Material extrem schonende Trocknung herbeiführen. Im Pharma-Umfeld wird dadurch etwa sichergestellt, dass die kristalline Form der jeweiligen Applikation erhalten bleibt – denn wenn die Kristalle bei diesem Prozess gebrochen würden, kann möglicherweise die Wirksamkeit des Präparats beeinträchtigt werden. Dank unserer sensiblen Trocknungs- und Mischanlagen gehören wir sicherlich zu den Spitzenunternehmen in unserem Segment. Gleichzeitig liefern wir unseren Kunden nicht nur eine Maschine, sondern treten auch als kompetenter Ansprechpartner auf, um alle damit verbundenen Prozesse zu optimieren – hinter dieser Prozesslösung verbirgt sich natürlich eine sehr umfangreiche fachliche Expertise.

Wirtschaftsforum: Viele der Anlagen von Bolz sind bei Ihren Kunden schon seit über 30 Jahren im Betrieb – wie erreichen Sie diese besondere Langlebigkeit?

Alexander Pfleghaar: Im Grunde ist das genauso wie bei einem Fahrzeug – je besser der Service, desto langlebiger das Produkt. Deshalb bieten wir auch all unseren Kunden an, die turnusmäßig anfallenden Wartungsarbeiten für sie zu übernehmen, üblicherweise einmal jährlich, weil unsere Anlagen in der Regel 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche ununterbrochen in Betrieb sind. Der eigentliche Behälter muss dabei nicht überholt werden – der ist zumeist aus Edelstahl oder Titan gefertigt, sodass auch abrasives Material dort keine Probleme verursacht. Die kritische Wartungseinheit ist vielmehr der Antriebsstrang. Als Nachweis unserer ausgewiesenen Kompetenz sind wir inzwischen ISO9001-zertifiziert; weitere Zertifizierungen werden folgen, um auch den gestiegenen Erwartungen im Markt Rechnung tragen zu können.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen derzeit im Fokus Ihrer Aufmerksamkeit?

Alexander Pfleghaar: Ein großes und zugleich schwieriges Thema liegt sicherlich im Bereich Predictive Maintenance – nicht nur weil dies im Hinblick auf die KI-Unterstützung für uns als klassischen Sondermaschinenbauer eine nachhaltige Verbreiterung unseres Know-hows voraussetzt, sondern auch weil die dafür erforderlichen Remote-Prozesse bei unseren Kunden verständlicherweise mit hohen Hürden verbunden sind. Oftmals dürfen unsere Monteure in diese sensiblen Produktionsumgebungen aus nachvollziehbaren Sicherheitsgründen ja nicht einmal ein mobiles Endgerät mitnehmen. Um hier weitere Lösungsansätze zu finden, haben wir 2021 im Rahmen einer größeren Investition eine Zentralwelle als Testmaschine entwickelt. Nicht nur unsere interne Weiterentwicklung wird damit unterstützt, vielmehr können unsere Kunden entweder bei sich vor Ort entsprechende Versuche durchführen oder sie können uns ihre Produkte zuschicken, damit wir in unserem Technikum die entsprechenden Testläufe absolvieren. Darüber hinaus arbeiten wir permanent an vielfältigen weiteren Innovationen – denn auch kleinschrittige Verbesserungen beim Wiegen, bei der Befüllung oder durch eine weitergehende Datenerhebung bei den Mischprozessen können mit wirksamen Nutzengewinnen verbunden sein.“

Wirtschaftsforum: Seit 2024 gehört Ihr Unternehmen zu De Dietrich Process Systems – wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf die nächsten Jahre?

Alexander Pfleghaar: Als ich 2017 in das Unternehmen eingetreten bin, war Bolz ein Sanierungsfall. Als Geschäftsführer stand ich damals vor der Entscheidung, schnell wieder das Weite zu suchen oder die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Ich habe mich zu letzterem entschlossen – und zusammen mit meinem tollen Team konnten wir die Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren verdoppeln; der Umsatz wuchs sogar noch stärker. Mit dem Rückenwind durch De Dietrich Process Systems möchten wir nun unseren vorausschauenden Wachstumskurs in den nächsten Jahren fortsetzen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

Von der Kerntechnologie bis zur Anwendung: Was Sauermanns Pumpen weltweit so erfolgreich macht

Interview mit Jeroen Keizer, General Manager von Sauermann Deutschland

Von der Kerntechnologie bis zur Anwendung: Was Sauermanns Pumpen weltweit so erfolgreich macht

Sauermann Deutschland ist Teil einer international aufgestellten Unternehmensgruppe mit französischen Wurzeln und jahrzehntelanger Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von Produkten und Dienstleistungen für die Industrie und den HVACR Markt.…

Spannendes aus der Region Landkreis Ravensburg

Räume gestalten mit natürlichem Charme

Interview mit Marina Röhr, Geschäftsführerin der Röhr GmbH

Räume gestalten mit natürlichem Charme

Holz ist längst nicht mehr nur ein Baustoff, sondern ein Sinnbild für Wärme, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. Ob in Wohnräumen, Hotels oder öffentlichen Einrichtungen – Holz verleiht jedem Raum eine besondere…

Mehr als nur Fassade

Interview mit Valentin App und Magnus App, geschäftsführende Gesellschafter der Rupert App GmbH & Co.

Mehr als nur Fassade

Von der Stange gibt es hier nichts. Denn jede Fassade ist einzigartig. Die Rupert App GmbH & Co. in Leutkirch macht fast alles möglich, wenn es um den Fassadenbau aus…

„Energie ist unser Antrieb“

Interview mit Dr.-Ing. Ulrich Wörz, Geschäftsführer der edel Energietechnik GmbH

„Energie ist unser Antrieb“

Kaum ein Thema beschäftigt die Wirtschaft derzeit mehr als die nachhaltige und kosteneffiziente Energieversorgung. Die Richtung ist klar: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu nachhaltigen Alternativen – doch der Weg…

Das könnte Sie auch interessieren

Wo Versorgung  zur Zukunftsaufgabe wird

Interview mit Marc Sprengard, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Ramstein-Miesenbach GmbH

Wo Versorgung zur Zukunftsaufgabe wird

Die Energie- und Versorgungsbranche befindet sich im größten Wandel ihrer Geschichte. Die Energiewende, steigende Regulierung, Digitalisierung und veränderte Kundenansprüche stellen Stadtwerke vor enorme Herausforderungen. Als kommunale Infrastruktur­unternehmen gelten sie als…

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Interview mit Philipp Schäfer, Geschäftsführer der fri GmbH & Co. KG und Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und fri GmbH & Co. KG

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Der Strombedarf wird perspektivisch noch deutlich zunehmen, während der Netzausbau nicht so schnell vonstattengeht, wie man es sich wünschen würde. Trotzdem blicken Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und der…

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Interview mit Manfred Schäuble, Geschäftsführer der Schäuble Regenerative Energiesysteme GmbH

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Manfred Schäuble spricht leise, aber bestimmt. Seit Jahrzehnten arbeitet der Handwerksmeister an regenerativen Energielösungen – lange bevor sie politisch eingefordert wurden. Sein Unternehmen steht heute für ganzheitliche Energiesysteme, für Verlässlichkeit…

TOP