Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Interview mit Axel Rebien, CEO der Serrala Group GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rebien, welche Entwicklungsschritte waren für Serrala besonders wichtig?

Axel Rebien: Wir beschäftigen uns seit über 40 Jahren ausschließlich mit dem Thema Office des CFO. 1984 wurde das Unternehmen in Hamburg als Hanse Orga gegründet. Unser Kernprodukt war die Autobank für den Kontoauszugsabgleich im Debitorenbereich. Ab Mitte der 1990er-Jahre kam die SAP-Ausrichtung hinzu, seit 2000 die internationale Expansion. 2018 erfolgte die Umbenennung zu Serrala. Der entscheidende Einschnitt war 2020: Seitdem konzentrieren wir uns auf Cloud-Technologien und einen ganzheitlichen Ansatz im Finanzbereich mit vollständig integrierten Lösungen.

Wirtschaftsforum: Was genau bedeutet dieser ganzheitliche Ansatz?

Axel Rebien: Wir decken mit der Serrala Finance Plattform, die wir 2025 vorgestellt haben, die Debitorenseite, die Kreditorenseite und das Cash Management Payment vollständig integriert ab. Diese Plattform ist eine modulare, KI-gestützte Lösung nach neuestem Stand der Technik.

Das Besondere ist, dass wir eine gemeinsame Finanzdatenbasis über alle drei Bereiche hinweg entwickelt haben. Es kommt zu einer klaren Trennung zwischen dem ERP-System als System of Record, wo die Daten zugrunde liegen, und uns als System of Action. Mit der Serrala Finance Plattform können wir eine autonome und kontinuierliche Ausführung der Finanzprozesse entlang des gesamten Working Capital Prozesses durchführen. Autonom bedeutet, dass eine Eingangsrechnung komplett ohne manuelle Eingriffe überprüft, gebucht und gezahlt wird. Die Daten werden in Echtzeit gespeichert und mittels KI genutzt, um Liquiditätsprognosen zu erstellen. Mit jedem Tag wird die Analysefähigkeit aussagekräftiger. Und wir sind der einzige Anbieter, der Debitoren, Kreditoren und Cash Management vollständig inte­griert auf einer Plattform abdeckt. Das ist unser klares Alleinstellungsmerkmal.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?

Axel Rebien: KI ist unser wichtigstes Thema. Wir sehen es in drei Bereichen: Erstens nutzen wir selbst KI-Tools, um effizienter zu arbeiten. Zweitens beschleunigen wir damit unsere Produktentwicklung enorm. Was früher sechs Monate dauerte, schafft ein Agent heute in Minuten. Und drittens haben wir auf der Serrala Finance Plattform Agentic-KI-Agenten, die der Kunde für seine spezifischen Optimierungen selbst programmieren kann. 
 

Wirtschaftsforum: Wie ist Serrala heute aufgestellt?

Axel Rebien: Wir beschäftigen 750 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von circa 130 Millionen EUR. Unsere Kernmärkte sind DACH und der Rest Europas sowie zunehmend die USA, wo wir in Chicago einen Standort haben. Der US-Markt ist derzeit unser am stärksten wachsender Markt. Unser Hauptsitz ist hier in Hamburg am Flughafen, das zweitgrößte Büro haben wir in Pune in Indien mit 160 Mitarbeitern. Weitere Standorte gibt es in Berlin, Barcelona, Amsterdam und Bukarest.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Zielkunden?

Axel Rebien: Im DACH-Raum gehen wir ab Mittelstand aufwärts, also ab etwa 50 bis 100 Millionen EUR Umsatz. Global fokussieren wir uns auf Enterprise-Kunden mit SAP-Fokus. Je größer und komplexer die Unternehmensstrukturen sind, umso wohler fühlen wir uns, weil wir diese Komplexität beherrschen. Und da komme ich wieder auf unsere 40-jährige Expertise zurück. Sie brauchen diese Expertise, um Komplexität beherrschen zu können.
 

Wirtschaftsforum: Was macht Serrala erfolgreich?

Axel Rebien: Unsere konsequente Ausrichtung auf das Office des CFO. Seit 40 Jahren machen wir nichts anderes, als den Finanzbereich weiterzuentwickeln. Wir haben eine enorme Expertise in Workflows und Prozessen aufgebaut. Und der Inhalt unserer Arbeit, das Working Capital, ist existenziell für Unternehmen. Wenn die Liquidität fehlt, ist es vorbei. In makroökonomisch unsicheren Zeiten werden solche Tools noch wichtiger.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur?

Axel Rebien: Menschen machen den Unterschied. Unsere Werte sind mutig, engagiert und verantwortungsvoll. Der Finanzbereich ist sensitiv, wir genießen großes Vertrauen. Auf Kundenseite verstehen wir uns als Partner. Wir entwickeln Lösungen gemeinsam. Entscheidend ist: Wir wollen Lösungen, die wirklich funktionieren und die wir auch implementiert bekommen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Serrala in drei bis fünf Jahren?

Axel Rebien: Wir positionieren Serrala als führende Plattform und integralen Bestandteil im Office of the CFO. Mit der Serrala Finance Platform bauen wir ein stark vernetztes, KI-unterstütztes Ökosystem für Finanzabteilungen auf. Im Zentrum stehen dabei unverändert unsere Kernbereiche: Debitoren, Kreditoren sowie Cash, Payment und Treasury. In diesen Feldern wollen wir die maßgebliche und integrierende Plattform innerhalb der Finanzorganisation sein.

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