Weltweit erfolgreich. Nah an den Menschen.

Interview mit Daniela Rehm, Geschäftsführerin der Vorwerk Austria GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Rehm, Vorwerk blickt auf eine lange Geschichte zurück. Was macht das Unternehmen heute so erfolgreich?

Daniela Rehm: Vorwerk hat sich seit der Gründung 1883 in Wuppertal von einer Teppichfabrik zu einer international tätigen Unternehmensgruppe entwickelt, ist das Direktvertriebsunternehmen Nummer 1 in Europa und weltweit führend im Direktvertrieb hochwertiger Haushaltsgeräte. Eine Konstante zieht sich dabei durch die Unternehmensgeschichte: der Direktvertrieb, das Produkterlebnis im privaten Umfeld. Der wesentliche Erfolgsfaktor sind für uns die Menschen, die andere Menschen begeistern. Die Nähe zum Menschen ist unser wichtigstes Asset. Sie ist nicht nur eine Vertriebsstrategie, sondern Teil unserer Kultur. Bei jeder Vorführung geht es um Individualität. Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse und erwartet einen anderen Nutzen. Die Kunst unserer Beratenden liegt darin, genau das herauszufinden und zu zeigen, welchen Mehrwert unser Produkt diesem Kunden bietet. Nicht das Produkt steht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zwischen Mensch und Produkt.

 

Wirtschaftsforum: Sind die Beratenden dabei der entscheidende Erfolgsfaktor?

Daniela Rehm: Ja, ganz klar. Unsere Beratenden sind ein entscheidender Erfolgsfaktor von Vorwerk. Seit 2019 hat sich die Zahl unserer selbstständigen Beratenden mehr als verdoppelt, und Ende 2025 waren weltweit mehr als 129.400 für uns tätig. Sie alle bringen ihre eigene Leidenschaft ein, begeistern andere und schaffen dadurch neue Kundenbeziehungen. Nicht selten entsteht aus dieser Erfahrung auch der Wunsch, selbst Teil unserer Community zu werden. Für mich ist dabei ein Gedanke zentral: Erfolg lädt zum Bleiben ein. Wachstum entsteht nicht allein durch Recruiting, sondern vor allem durch persönliche Erfolgserlebnisse. Wenn Menschen spüren, dass sie mit ihrer Begeisterung andere erreichen, erfolgreich sein und sich weiterentwickeln können, dann bleiben sie, wachsen in ihrer Rolle und entwickeln Perspektiven. Voraussetzung dafür sind selbstverständlich hervorragende Produkte und Services – aber erst durch die Menschen wird daraus nachhaltiger Erfolg.

 

Wirtschaftsforum: Kommen wir auf Produkte und Struktur zu sprechen. Wie sieht das Vorwerk-Portfolio genau aus und welche Struktur steht dahinter?

Daniela Rehm: Unser Portfolio gliedert sich in die Geschäftsbereiche Culinary und Cleaning. Zum Bereich Culinary zählt unser smartes Thermomix® Ökosystem, das in Italien und Portugal unter der Marke Bimby geführt wird. Cookidoo® ist dabei das digitale Herzstück und eng mit dem Thermomix® verknüpft. Zum Bereich Cleaning gehören Kobold und Folletto, wobei Folletto der Markenname in Italien ist. 

Darüber hinaus zählen unter anderem die akf-bank, Vorwerk Engineering, Nexaro und Vorwerk Ventures zur Vorwerk Gruppe. Seit den 2000er-Jahren haben wir unser Angebot konsequent um digitale Lösungen erweitert und zugleich agilere Strukturen geschaffen. Ziel war und ist es, den Direktvertrieb, digitale Kanäle und die Community noch stärker miteinander zu verknüpfen – wobei unsere Beraterinnen und Berater stets im Zentrum stehen. Wie erfolgreich diese Strategie ist, zeigt der Rekordumsatz des vergangenen Jahres: Die Vorwerk Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 3,6 Milliarden EUR. Davon entfielen 2,1 Milliarden EUR auf Thermomix®, 789,9 Millionen EUR auf Kobold und 672,8 Millionen EUR auf die akf-bank. In Österreich ist Vorwerk seit 1971 mit der Marke Kobold präsent; Thermomix® wurde hier 2014 eingeführt.

Wirtschaftsforum: Gehen Sie von weiteren Rekorden aus? 

Daniela Rehm: Unser Anspruch ist es, Vorwerk profitabel, nachhaltig und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Ob daraus weitere Rekorde entstehen, wird sich zeigen. Entscheidend ist für mich, dass wir heute die richtigen Voraussetzungen für morgen schaffen: Wir stärken unseren Direktvertrieb als Herzstück des Unternehmens, investieren in innovative Produkte und Services und nutzen die Chancen der Digitalisierung gezielt. Bei allem Wandel bleibt für uns der Mensch im Mittelpunkt. Persönliche Beratung, Vertrauen und Nähe sind die Grundlage unseres Geschäfts. Technologie soll das stärken, nicht ersetzen. Genau diese Verbindung aus Innovation und menschlicher Nähe macht Vorwerk stark und zukunftsfähig.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen Digitalisierung und künstliche Intelligenz an. Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für Ihre Arbeit und Ihre Ziele?

Daniela Rehm: Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck. Sie muss den Menschen einen konkreten Mehrwert bieten – unseren Kundinnen und Kunden ebenso wie unseren Beratenden. Wir haben früh erkannt, dass digitale Technologien und Direktvertrieb kein Widerspruch sind, sondern sich sinnvoll ergänzen. Deshalb investieren wir im Rahmen unserer Strategie 2030 konsequent in digitale Lösungen und Services, die Prozesse vereinfachen, Communities stärken und persönliche Beratung sinnvoll unterstützen. Neue technologische Entwicklungen eröffnen uns zusätzliche Möglichkeiten, Informationen noch passgenauer bereitzustellen und das Kundenerlebnis weiter zu verbessern. Ein gutes Beispiel dafür ist Cookidoo® als digitales Herz des Thermomix® Ökosystems. Hier zeigt sich, wie Technologie, Community und persönlicher Nutzen erfolgreich zusammenwirken können. Für uns ist klar: Erfolgreich ist Technologie nur dann, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt und unsere besondere Stärke weiter ausbaut – die persönliche Nähe.

Wirtschaftsforum: Was macht für Sie am Ende den Erfolg von Vorwerk aus?

Daniela Rehm: Für mich liegt der Erfolg von Vorwerk in der Verbindung aus Tradition, Innovationskraft und echter menschlicher Nähe. Wir investieren in hochwertige Produkte und Services, in Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Entscheidend ist aber, dass all das von persönlichen Beziehungen getragen wird. Genau darin liegt die Stärke und zugleich die Zukunft unseres Direktvertriebs: modern, zeitgemäß und digital unterstützt, im Kern aber immer menschlich. Am Ende sind es nicht Technologien, die über Erfolg entscheiden, sondern Menschen, die andere Menschen begeistern, beraten, begleiten und in ihrer Entwicklung stärken. Potenziale zu erkennen, Wertschätzung zu zeigen und Wachstum zu ermöglichen, ist für mich dabei von zentraler Bedeutung. Und persönlich gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als Menschen in ihren unterschiedlichen Rollen wachsen zu sehen. 

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