Aus Abfall wird Klimaschutz

Interview mit Thorsten Cammann, geschäftsführender Gesellschafter der CH Oleochemicals GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Cammann, wie würden Sie das Geschäftsmodell von CH Oleochemicals in wenigen Sätzen beschreiben?

Thorsten Cammann: Wir verstehen uns als ‘CO2-Reduktionsverkäufer’. Unser Unternehmen verarbeitet rein pflanzliche Rest- und Abfallströme zu Biodiesel und liefert diesen an die Mineralölwirtschaft. Unser Ziel ist es, einen konkreten Beitrag zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele zu leisten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Dekarbonisierung für Ihr Unternehmen?

Thorsten Cammann: Sie ist die Grundlage unseres Geschäftsmodells. Die Diskussion um verbindliche Klimaziele begann bereits mit dem Kyoto-Protokoll. Heute stehen für Deutschland und Europa klare Zielmarken für die CO2-Reduktion bis 2030, 2040 und darüber hi­naus im Fokus. Wir sehen uns als Dienstleister für die Umsetzung dieser Dekarbonisierungsstrategie.

Wirtschaftsforum: Wie entstand CH Oleochemicals?

Thorsten Cammann: Das Unternehmen wurde 2017 gegründet. Das ‘C’ steht für Cammann, das ‘H’ für den Mitgründer Haevescher. Als ich 2018 dazukam, bestand das Unternehmen aus vier Mitarbeitern. Heute arbeiten elf Beschäftigte in Hamburg, unterstützt durch eine Beteiligungsgesellschaft, die die benötigten Rohstoffe recycelt und für die Biodieselproduktion aufbereitet.

Wirtschaftsforum: Biodiesel gibt es bereits seit vielen Jahren. Worin liegt Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Thorsten Cammann: Der entscheidende Unterschied liegt in den Rohstoffen. Während Biodiesel historisch häufig aus Frischölen hergestellt wurde und damit die Diskussion ‘Tank oder Teller’ auslöste, setzen wir ausschließlich auf Rest- und Abfallstoffe. Dadurch vermeiden wir die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gleichzeitig erreichen unsere Rohstoffe und Endprodukte ein CO2-Einsparungspotenzial von über 90% gegenüber fossilen Kraftstoffen.

Wirtschaftsforum: Wie kommt Biodiesel heute zum Verbraucher?

Thorsten Cammann: Viele Autofahrer nutzen Biodiesel bereits, ohne es zu wissen. Dem herkömmlichen Diesel wird heute standardmäßig Biodiesel beigemischt. In Deutschland gilt vor allem die Beimischung von 7% Biodiesel in den fossilen Diesel als B7-Schutzmarke. Technisch wären in vielen Fällen höhere Beimischungen möglich, etwa B10 oder sogar B20, die jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt werden.

Wirtschaftsforum: Warum halten Sie höhere Beimischungsquoten für sinnvoll?

Thorsten Cammann: Wenn Deutschland und Europa ihre Klimaziele im Verkehrssektor erreichen wollen, werden höhere Anteile biogener Kraftstoffe notwendig sein. B10 oder B20 könnten einen zusätzlichen Beitrag zur Emissionsreduktion leisten. Gleichzeitig sind nachhaltige Biokraftstoffe häufig kostengünstiger als andere alternative Kraftstoffe und sofort verfügbar.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen belasten die Branche derzeit besonders?

Thorsten Cammann: Ein zentrales Problem sind Importe, insbesondere aus Asien. Dabei geht es nicht nur um Preisunterschiede, sondern auch um die Gefahr falsch deklarierter Rohstoffe und Produkte. Wenn Frischöle als Abfall- oder Reststoffe ausgewiesen werden, entstehen erhebliche Wettbewerbsverzerrungen. Die gesamte europäische Biokraftstoffbranche leidet unter diesem Problem.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie diesem Thema?

Thorsten Cammann: Wir setzen ausschließlich auf Rohstoffe europäischer Herkunft und unterliegen strengen Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsanforderungen. Über dokumentierte Massenbilanzen muss jede Tonne Rohstoff und jedes Endprodukt nachvollziehbar nachgewiesen werden. Genau diese Transparenz wünschen wir uns für alle Marktteilnehmer.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihre Technologie besonders?

Thorsten Cammann: Unsere Beteiligungsgesellschaft kann unterschiedlichste überlagerte Lebensmittel und pflanzliche Reststoffe aufbereiten. Durch spezielle Trenn- und Aufbereitungsverfahren gewinnen wir daraus hochwertige Öle und Fettsäuren, die anschließend zu Biodiesel verarbeitet werden. So werden Stoffströme genutzt, die andernfalls entsorgt würden. Dieses konsequente Recycling bildet die Grundlage unseres Erfolgs.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist das Unternehmen heute?

Thorsten Cammann: CH Oleochemicals ist trotz seiner schlanken Struktur ein bedeutender Marktteilnehmer. Das Unternehmen bewegt rund 200.000 t Produkt jährlich und hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich entwickelt. Die Kombination aus Spezialisierung, Effizienz und technologischem Know-how ermöglicht es, auch als mittelständischer Akteur erfolgreich im Markt zu agieren.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft des Verkehrssektors?

Thorsten Cammann: Aus meiner Sicht wird kein einzelner Antrieb alle Aufgaben lösen. Die Zukunft liegt in einem intelligenten Produktmix. Elektromobilität, nachhaltige Biokraftstoffe, Wasserstoff und weitere Technologien werden jeweils dort eingesetzt, wo sie den größten Nutzen bieten. Entscheidend bleibt dabei, die CO2-Emissionen wirksam zu senken und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Lösungen anzubieten.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgt CH Oleochemicals für die kommenden Jahre?

Thorsten Cammann: Wir denken langfristig. Aktuell entsteht ein neues Verwaltungsgebäude für 25 bis 30 Mitarbeiter in einem nachhaltigkeitsorientierten Businesspark. Gleichzeitig investieren wir weiter in Wachstum und Expansion. Wir sind überzeugt, dass nachhaltige Biokraftstoffe auch in den kommenden Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen werden.

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