Die Hydraulikexperten für Land- und Baumaschinen

Interview mit Nils Fleck, CEO der ARGO-HYTOS Group AG

Wirtschaftsforum: Herr Fleck, wie sind die beiden Unternehmen ARGO und HYTOS zusammen­gewachsen?

Nils Fleck: ARGO wurde be­reits 1947 gegründet und hat ursprünglich Taxameter und Parkuhren hergestellt und sich anschließend im Laufe der Jahre eine umfassende Kompetenz bei der Entwicklung von sogenannten Splitterfängern angeeignet, die Splitter aus dem Öl separieren. Die daraus weiterentwickelten Ölfilter wurden bald zum Kerngeschäft von ARGO. HYTOS war derweil vornehmlich in der Herstellung von Hy­drauliksteuerungen aktiv. Nach der Zusammenführung dieser beiden Kompetenzen in einem Unternehmen sind wir unseren Wurzeln bis in die Gegenwart treu geblieben, denn heute liegt unser Schwerpunkt immer noch auf der Entwicklung und Fertigung von Hydraulikfiltern samt den entsprechenden Baugruppen sowie von Hydrauliksteuerungssystemen und ihren Neben­aggregaten. Diese Lösungen finden Anwendung in Bau-, Land-, Material- und Kommunalmaschinen.

 

Wirtschaftsforum: Die Elektrifizierung macht auch vor den Sonderfahrzeugen nicht halt. Wie stark ist ARGO-HYTOS von dieser Entwicklung betroffen?

Nils Fleck: Prinzipiell bleiben die Hydrauliksysteme in den Off-Highway-Anwendungen für den Moment weitgehend mit ihrer bisherigen Technologie bestehen. Denn die Art und Weise der Hubbewegung bei Gabelstaplern oder wie Baggerschaufeln geschwenkt werden, wird weiterhin hydraulisch bleiben. Verändern wird sich vor allem der Hauptantrieb: Anstelle eines Verbrennungsmotors treibt künftig zunehmend ein Elektromotor die Hydraulikpumpe an. Dafür sind bereits erste Lösungen auf dem Markt erhältlich, und auch wir arbeiten bereits aktiv an entsprechenden innovativen Lösungen. Die Geschwindigkeit dieses Wandels erfolgt in unseren Branchen jedoch insgesamt deutlich langsamer als in der Automobilindustrie, wo der Veränderungsdruck ungleich größer ist.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen bei ARGO-HYTOS derzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit? 

Nils Fleck: Wir konzentrieren uns stark auf die Weiterentwicklung einer intelligenten dezentralen Hydrauliksteuerung, die sich nahtlos in Fahrzeuge mit Elek­troantrieb integrieren lässt. Dabei werden wir in Zukunft nicht mehr allein die Filter und Hydrauliksteuer­elemente anbieten, sondern auch Versorgungseinheiten, die den Ölvolumenstrom bedarfsgerecht an die Verbraucher anpassen. Wir entwickeln uns dadurch von einem klassischen Komponentenhersteller zu einem ganzheitlichen Systemanbieter. So wollen wir zum einen unseren Systemgedanken forcieren und zum anderen unsere Kunden mit unserem bestehenden Know-how noch umfassender unterstützen.

 

Wirtschaftsforum: Wie intensiv gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden im gelebten Tagesgeschäft?

Nils Fleck: Zumeist treten unsere Kunden an uns heran, wenn sie an einer neuen Produktserie ­arbeiten, für die sie eine spezifische Hydrauliklösung benötigen, damit die einzelnen Komponenten am Schluss reibungslos miteinander funktionieren und agieren können. Die OEMs entscheiden sich dabei gern für einen Entwicklungspartner wie ARGO-HYTOS, der das entsprechende Projekt gemeinsam mit ihnen bis zur Serienreife und darüber hinaus begleiten kann – dabei vergehen schon gut und gerne ein bis drei Jahre. 

Wirtschaftsforum: Wie sorgen Sie dafür, dass die Wahl der OEMs dabei auf ARGO-HYTOS fällt?

Nils Fleck: Obwohl unser Jahres­umsatz inzwischen bei über 200 Millionen EUR liegt, gibt es Marktteilnehmer, die deutlich größer sind als wir. Neben einer tiefgreifenden technischen Kompetenz und einer klaren Innovationsfreude überzeugen wir jedoch nicht zuletzt durch flexible, agile Strukturen sowie eine unbedingte Zugänglichkeit und Erreichbarkeit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist unser globales Netzwerk an eigenen Produktionsstandorten in Deutschland, Tschechien, China, Indien, USA und Polen, welches den OEMs die Produktions- und Engineeringkompetenz vor Ort zusichern kann. 

 

Wirtschaftsforum: Daneben ist ARGO-HYTOS grundsätzlich weltweit aktiv.

Nils Fleck: Wie bereits erwähnt verfügen wir über mehrere Werke weltweit. Gerade auch in Indien und in China sehen wir Wachstums­potenzial, das wir mit Neu- wie Bestandskunden umsetzen möchten – genauso wie in den USA, wo wir mittelfristig auch eigene Fertigungskapazitäten verstärkt ausbauen wollen, um diesen spannenden Markt intensiv und mit der gebotenen Liefergeschwindigkeit bedienen zu können.

Wirtschaftsforum: Die gesamtwirtschaftliche Lage war in den letzten Jahren vor allem in Europa von vielen Krisen geprägt. Wie hat ARGO-HYTOS diese Zeit erlebt?

Nils Fleck: Wie nahezu alle Unternehmen konnten wir uns vor dem Hintergrund der weltweiten Krisen, der steigenden Inflationsraten und der Verwerfungen in den Lieferketten in den letzten Jahren weniger auf Wachstum konzentrieren, sondern haben uns vornehmlich mit der Frage beschäftigt, wie wir unsere Prozesse noch schlanker und unser Unternehmen noch robuster aufstellen können, um auch in diesen Zeiten erfolgreich im Markt zu ­bestehen. Deshalb haben wir unsere Produktionsabläufe konsequent optimiert und zudem ein neues ERP-System eingeführt, um unsere Hausaufgaben für die Zukunft zu machen. Nach Jahren der Stag­nation rechnen wir auch in Europa in den kommenden Jahren wieder mit einer Aufbruchstimmung. Daran wollen natürlich auch wir Anteil haben.

Wirtschaftsforum: Wie wird sich ARGO-HYTOS als Unternehmen in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Nils Fleck: Bedingt durch unsere Geschichte sind wir noch nicht ganz an dem Punkt angelangt, an dem wir wirklich unser volles Potenzial entfalten können. Gerade auf technologischer Ebene sowie auf Basis unserer starken Produktions- und Vertriebskapazitäten können wir den Off-Highway-Markt noch viel umfassender bespielen als bisher – ein Impuls, der auch ausdrücklich von vielen unserer Kunden angeregt wird, die bei uns gezielt nach weiteren Leistungen, Produkten und Systemen fragen. Diese Nachfrage wollen wir in den nächsten Jahren noch konsequenter bedienen.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Zielen blicken Sie in die Zukunft?

Nils Fleck: Wir wollen weiterhin als kompetenter Player im Off-Highway-Markt wahrgenommen werden und in diesem Zuge auch unsere Marke weiter schärfen – nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Nordamerika. Die wichtigste Erfolgsgrundlage wird dabei auch in Zukunft im Vertrauen unserer Kunden auf unsere Glaubwürdigkeit und Kompetenz beruhen: ein Anspruch, den wir mit unserer Flexibilität, Liefertreue, Agilität und Innovations­bereitschaft jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen wollen.

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