Nachhaltiger Holzbau mit Leidenschaft und Expertise

Interview mit Hansjörg Steiner, Geschäftsführer der Schäfer Holzbautechnik AG

Wirtschaftsforum: Herr Steiner, die Geschichte Ihres Unternehmens ist eng mit Ihrer persönlichen Laufbahn verbunden. Können Sie uns mehr über die Entstehung von Schäfer Holzbautechnik und Ihre Beweggründe erzählen?

Hansjörg Steiner: Ich habe mir das Handwerk von der Pike auf angeeignet, bin gelernter Zimmermann und habe mich über Vorarbeiter und Polier bis zum Meister weitergebildet. Nach vielen Jahren im Baukonzern Zschokke entschied ich mich 2003 zur Selbstständigkeit. Die Namenswahl ‘Schäfer’ war eine bewusste Entscheidung: Der Name hatte mit der Ad. Schäfer & Cie in Aarau Tradition, während ‘Steiner’ damals kaum bekannt war. Mit einer cleveren Lösung – einer Kooperation mit Theo Schäfer – konnten wir diesen etablierten Namen übernehmen und auf einem bereits vertrauten Markt Fuß fassen. Schon im ersten Jahr konnten wir einen Umsatz von 6 bis 7 Millionen CHF erzielen, da wir Aufträge und Infrastruktur aus der Vorgängerfirma übernehmen durften.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Unternehmen seither strukturell entwickelt, und welche Schwerpunkte setzen Sie heute?

Hansjörg Steiner: Wir sind organisch gewachsen und haben die Schäfer Holzbautechnik AG zur Holdingstruktur weiterentwickelt. Heute gehören dazu eine Zimmerei, eine Generalunternehmung und eine eigene Immobilienfirma. Gestartet sind wir mit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – heute beschäftigen wir rund 70. Die Holdingstruktur erlaubt uns eine flexiblere Steuerung der Geschäftsbereiche. Unser Fokus liegt dabei auf nachhaltigem Holzbau, Umbau- und Sanierungsprojekten sowie eigenentwickelten Wohnprojekten als Investor. Zusätzlich haben wir unser Dienstleistungsportfolio erweitert, etwa durch die Gründung einer eigenen Kita für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ein echter Meilenstein im Rahmen unserer Mitarbeiterphilosophie.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in Ihrer Branche, und wie begegnet Schäfer Holzbautechnik diesen Entwicklungen?

Hansjörg Steiner: Der Holzbau boomt, aber das bringt auch Herausforderungen mit sich. Einerseits ist die Verfügbarkeit von Holz langfristig eine große Sorge, besonders durch den Klimawandel und die sich verändernde Forstwirtschaft. Andererseits wird es immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Deshalb legen wir großen Wert auf Ausbildung und Mitarbeiterbindung – unter anderem durch unsere Kita. Außerdem müssen wir unsere Prozesse kontinuierlich modernisieren. Digitalisierung ist hier ein zentrales Thema: Holzbau setzt längst auf CNC-Technologie, Vorfertigung und 3D-Planung. Dadurch können wir Bauzeiten verkürzen und Ressourcen effizienter nutzen.

Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie in Ihrem Unternehmen Innovationen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Hansjörg Steiner: Wir arbeiten bereits seit über 20 Jahren mit CNC-Technik und digitalen Planungsprozessen, lange bevor BIM oder digitale Baustellenmodelle in der Branche Standard wurden. Heute optimieren wir mit moderner 3D-Planung unsere Abläufe und minimieren Abfall. Zudem setzen wir zunehmend auf intelligente Vorfertigungskonzepte. Künstliche Intelligenz wird sicher künftig eine größere Rolle spielen – insbesondere bei der Bauplanung und Prozessoptimierung. Auch wenn wir noch am Anfang stehen, beobachten wir diese Entwicklungen genau und sind offen für neue Technologien, die unsere Effizienz weiter verbessern können.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit, Regionalität und internationale Aktivitäten für Schäfer Holzbautechnik?

Hansjörg Steiner: Nachhaltigkeit ist tief in unserer DNA verankert. Holz ist ein ökologischer Baustoff, der CO2 speichert, lokal verfügbar ist und mit vergleichsweise wenig Energie verarbeitet werden kann. Wo immer möglich, nutzen wir Schweizer Holz aus der Region. Allerdings kommen rund 70% der Halbfertigprodukte wie Brettschichtholz aufgrund fehlender heimischer Produktionskapazitäten aus dem europäischen Ausland. Export spielt für uns derzeit keine große Rolle; unser Fokus liegt auf dem Schweizer Markt. Wir arbeiten jedoch an innovativen Lösungen wie mobilen Turnhallen, die mehrfach ab- und aufgebaut werden können – ein Ansatz, der auch international interessant sein könnte. Die wiederverwendbaren Sporthallen sind flexibel konstruiert und machen mindestens fünf Standortwechsel mit. Sie sind innerhalb von vier Arbeitstagen vor Ort aufgerichtet und dicht, die Nebenräume werden fertig ausgebaut und als komplette Module angeliefert. 2024 haben wir, zusammen mit den pool Architekten und dem Ingenieurbüro Makiol & Wiederkehr, den Prix Lignum Gold National für diese Hallen erhalten.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre Zukunftsvisionen und Pläne hinsichtlich Expansion, Marketing und Events aus?

Hansjörg Steiner: Wir setzen auf gesundes, nachhaltiges Wachstum. Unsere Expansion erfolgt hauptsächlich im Dienstleistungsbereich, insbesondere bei Projekt- und Bauleitungen. Die Produktion halten wir bewusst schlank, arbeiten dort eng mit spezialisierten Partnern zusammen. Marketing betreiben wir primär über Qualität und Empfehlungen – Projekte wie unsere Kita oder nachhaltige Bauprojekte stärken unsere Marke langfristig. Messen und Events nutzen wir punktuell, insbesondere zur Netzwerkpflege und Präsentation unserer mobilen Gebäudeinnovationen. Mittelfristig streben wir eine geordnete Nachfolge an – erste Schritte dazu sind bereits umgesetzt, indem langjährige Mitarbeitende als Aktionäre eingebunden wurden. Ziel ist ein fließender Übergang und die Weiterentwicklung der Schäfer Holzbautechnik AG mit derselben Leidenschaft für den Baustoff Holz. Mit unserer Leidenschaft, dem Fokus auf intelligente Lösungen und einer klaren Vision, wollen wir weiterhin einen aktiven Beitrag leisten.

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