Gründergeist trifft Arzneipflanze
Interview mit Dr. Adrian Fischer, Geschäftsführer DEMECAN Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Fischer, wie entstand die Idee, DEMECAN zu gründen?
Dr. Adrian Fischer: Ich bin Arzt, habe in Köln und Boston Medizin studiert und anschließend im Bereich Neurowissenschaften geforscht. Mit meinen Mitgründern, dem Juristen Dr. Constantin von der Groeben und dem Ökonomen Dr. Cornelius Maurer, verband mich bereits die gemeinsame Zeit in der Studienstiftung. Als sich 2017 die Möglichkeit eröffnete, an der Ausschreibung für den deutschen Anbau von medizinischem Cannabis teilzunehmen, sahen wir eine sinnvolle unternehmerische Aufgabe. Allerdings dauerte das ursprünglich auf sechs Monate angelegte Verfahren schließlich zweieinhalb Jahre. Überzeugt hat letztlich unser konsequent auf pharmazeutische Qualität ausgerichtetes Konzept.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet DEMECAN von anderen Marktteilnehmern?
Dr. Adrian Fischer: Wir bilden die gesamte Wertschöpfungskette ab: vom Anbau über die Ernte und Verarbeitung bis zur Extraktherstellung und Lieferung an Apotheken. Dadurch können wir die Qualität über alle Schritte hinweg steuern. Schon beim Aufbau haben wir den internationalen Austausch gesucht und von den Erfahrungen anderer Hersteller gelernt. Diese Erkenntnisse haben wir in ein eigenes Produktionskonzept übersetzt. Für uns gelten dieselben pharmazeutischen Anforderungen wie für große Unternehmen der Branche. Diesen Anspruch haben wir von Beginn an zur Grundlage unseres Handelns gemacht.
Wirtschaftsforum: Wie sichern Sie eine gleichbleibende Qualität bei einem pflanzlichen Produkt?
Dr. Adrian Fischer: Die Herausforderung besteht darin, möglichst einheitliche Bedingungen zu schaffen. Wir produzieren im Innenanbau und kontrollieren das Raumklima sehr genau. Schon Unterschiede in der Luftzirkulation können problematisch sein. Darüber hinaus verfügen wir über ein Zellkulturlabor, in dem wir Pflanzen unter sterilen Bedingungen vermehren. So können wir Sorten über viele Generationen erhalten und das Risiko eingeschleppter Krankheitserreger reduzieren. Für den medizinischen Einsatz ist diese Beständigkeit entscheidend: Patientinnen und Patienten brauchen Produkte mit möglichst gleichbleibenden Eigenschaften. Entsprechend aufwendig gestalten wir den Anbau und die Qualitätskontrolle.
Wirtschaftsforum: Welche Meilensteine haben die wirtschaftliche Entwicklung geprägt?
Dr. Adrian Fischer: Eine große Aufgabe war der Umbau eines bestehenden Gebäudes zur pharmazeutischen Produktionsstätte, ausgerechnet während der Pandemie. Allein in die Bauphase haben wir etwa 25 Millionen EUR investiert. Gleichzeitig entwickelte sich der Markt zunächst langsamer als erwartet. Inzwischen sind wir deutlich gewachsen und seit 2026 profitabel. Das ist für ein junges Unternehmen mit eigener Produktion ein wichtiger Schritt. Auch die Auszeichnung als Sachsens Scale-up des Jahres bestätigt unseren Weg. Wir verbinden ein tragfähiges Geschäftsmodell mit Innovationen, die wir unter anspruchsvollen Produktionsbedingungen tatsächlich umsetzen müssen.
Wirtschaftsforum: Bei welchen Beschwerden kommt medizinisches Cannabis zum Einsatz?
Dr. Adrian Fischer: Ein wichtiges Einsatzgebiet sind chronische Schmerzen. Hinzu kommen beispielsweise spastische Beschwerden bei Multipler Sklerose. Bestimmte cannabisbasierte Arzneimittel werden außerdem bei schweren Formen der Epilepsie eingesetzt. Dabei muss man die jeweiligen Wirkstoffe und Präparate unterscheiden. Häufig wird eine Behandlung erwogen, wenn andere Therapien nicht ausreichend geholfen haben. Entscheidend sind die individuelle ärztliche Beurteilung und Begleitung.
Wirtschaftsforum: Welche Produktentwicklung steht beispielhaft für diesen Innovationsanspruch?
Dr. Adrian Fischer: Unser Frischextrakt nach dem Live Rosin Verfahren, den wir 2025 vorgestellt haben. Dafür verwenden wir frisch eingefrorene statt getrockneter Blüten. Sie werden unmittelbar nach der Ernte tiefgefroren und anschließend mechanisch verarbeitet. Genau hier zeigt sich der Vorteil, Anbau und Verarbeitung selbst in der Hand zu haben. Den Extrakt haben wir für die Inhalation entwickelt, mit dem Ziel, die Handhabung gegenüber der Blüte zu erleichtern, etwa weil das Zerkleinern entfällt. Diesen Weg möchten wir weitergehen und unsere Extraktherstellung ausbauen.
Wirtschaftsforum: Was brauchen Sie für weiteres Wachstum, und was treibt Sie persönlich an?
Dr. Adrian Fischer: Vor allem Planbarkeit. Wir sind bereit, weiter zu investieren, benötigen dafür aber verlässliche Rahmenbedingungen. Bei politischen Entscheidungen sollten zudem die Menschen berücksichtigt werden, die auf ihre Versorgung angewiesen sind. Veränderungen brauchen Augenmaß und angemessene Übergänge. Mich persönlich motiviert, immer wieder Lösungen für neue Herausforderungen zu finden. Wir haben inzwischen Strukturen eines mittelständischen Unternehmens aufgebaut und zugleich die Beweglichkeit eines Start-ups bewahrt. DEMECAN soll für Qualität aus Deutschland stehen und zeigen, dass sich auch komplexe Produktionsprojekte hier erfolgreich verwirklichen lassen.








