Recycling, das sich auszahlt

Interview mit Andreas Gietzen, Geschäftsführer der HAHN Kunststoffe GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gietzen, die HAHN Kunststoffe GmbH gilt als Pionier im Bereich des Recyclings und zählt heute zu den führenden Unternehmen der Branche. Was ist die Kernkompetenz? 

Andreas Gietzen: HAHN Kunststoffe wurde 1993 am Flughafen Hahn gegründet und beschäftigt sich seitdem mit dem Recycling von Verpackungskunststoffen. Wir geben gebrauchten Kunststoffen ein neues Leben: Daraus entstehen langlebige Produkte für den Außenbereich, die über Jahrzehnte genutzt werden können.

Wirtschaftsforum: HAHN Kunststoffe ist seit über 30 Jahren in der Recyclingbranche aktiv. War das Unternehmen damit seiner Zeit stets voraus? 

Andreas Gietzen: Ja. Nachhaltigkeit ist heute ein großes Thema. Wir beschäftigen uns bereits seit drei Jahrzehnten damit, aus Abfall neue Produkte herzustellen. 1991 wurde die Verpackungsverordnung eingeführt. HAHN wurde nur zwei Jahre später gegründet – aus der Überzeugung heraus, dass Recycling großes Potenzial besitzt und für die Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Wie früh wir mit diesem Thema waren, zeigt auch, dass wir bereits 2005 mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ der Bundesregierung ausgezeichnet wurden.

Wirtschaftsforum: Ist das Unternehmen mit der Branche gewachsen? 

Andreas Gietzen: HAHN hat sich im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und ist national und international gewachsen. Heute sind 350 Mitarbeitende in der GmbH beschäftigt, in der Gruppe sind es 500. Wir haben Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien, Spanien, England und seit Kurzem in den USA. Mit unseren modernen Produktionsanlagen recyceln wir jährlich 90.000 t Kunststoff und gewinnen daraus 65.000 t Sekundärrohstoff. 

Wirtschaftsforum: Welche Produkte werden daraus hergestellt?

Andreas Gietzen: Das Spektrum reicht von Hochbeeten und Kompostern über Kanalabdeckplatten, Versorgungskanäle, Geländer, Absperrungen, Weidepfosten und Koppelzäune hin zu Bänken, Blumenkübeln, Sandkästen, Terrassendielen und Pflastersteinen. Wir unterscheiden zwischen den drei Kategorien Klassik, System und Innovation. In den Bereich Klassik fallen Produkte, die wir auf Messen präsentieren, die in Katalogen und im Internet zu finden sind. Das können Produkte für den Garten- und Landschaftsbau oder die Landwirtschaft sein, aber auch Außenmobiliar für Kommunen. Die Kategorie Systeme umfasst eigene, technisch komplexere Produkte, bei denen qualifizierte Beratungen notwendig sind. Beispielhaft sind Produkte, die in Umspannanlagen eingesetzt werden. Bei den Innovationsprodukten handelt es sich um individuelle Lösungen, die exklusiv für einzelne Kunden gefertigt werden. Diese Produkte werden von uns nicht aktiv beworben und auch nicht für andere Kunden hergestellt. In diesem Bereich agieren wir gewissermaßen als Lohnfertiger.

Wirtschaftsforum: HAHN bietet ein äußerst vielfältiges Produktspektrum. Worin unterscheiden sich Ihre Produkte vom Wettbewerb?

Andreas Gietzen: Unser Recy­cling-Kunststoff überzeugt durch eine Vielzahl positiver Eigenschaften: Er ist verrottungsfest, langlebig, mechanisch belastbar und zugleich wartungsfrei. Aufgrund dieser Vorteile geben wir auf unser Klassik-Programm eine 20-jährige Garantie. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Arbeitskräftemangels gewinnen diese Eigenschaften zusätzlich an Bedeutung. Unsere Produkte sind besonders langlebig und wartungsarm und können dadurch dazu beitragen, den Aufwand für Instandhaltung und Pflege deutlich zu reduzieren. Eine HAHN-Parkbank kann beispielsweise problemlos das ganze Jahr über draußen bleiben, ohne regelmäßig gestrichen oder repariert werden zu müssen. Ein Landwirt muss seine Pfosten seltener austauschen, Gartenbesitzer können ihre Hochbeete oder Palisaden über viele Jahre nutzen. Dadurch lassen sich langfristig Zeit und Kosten sparen. Genau darin liegt ein wesentlicher Vorteil unserer Produkte: Sie sind langlebig, wartungsarm und bieten dadurch ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Daneben zeichnet uns vor allem die gelebte Kundennähe aus. Unsere Kunden müssen sich nicht an ein anonymes Callcenter wenden, sondern haben feste persönliche Ansprechpartner. 

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren von Krisen geprägt. Wie geht HAHN mit der Situation um? 

Andreas Gietzen: Unser Vorteil ist die breite Aufstellung, durch die wir Schwankungen ausgleichen können. Dennoch spüren auch wir eine gewisse Unsicherheit in allen Branchen. Wir müssen deshalb intensiver in die Akquise gehen, Kontakte zu Bestandskunden pflegen und neue Kunden suchen. Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Produkten und Materialien, gehen auf Messen und beobachten neue Trends. Unser Ziel ist, weiter international zu wachsen – momentan liegt die Exportquote bei rund 40%. Deshalb müssen wir unter anderem unsere Reichweite ausdehnen und unsere Präsenz in den sozialen Medien stärken, mit dem Ziel, Recyclingprodukte weiter bekannt zu machen.

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