„Meine Devise? Nicht meckern, sondern Lösungen finden!“
Interview mit Holger Vogel, Geschäftsführer der SUC Sächsische Umweltschutz-Consulting GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Vogel, heute betreibt SUC 16 eigene Abfallbehandlungsanlagen an neun Standorten im mitteldeutschen Raum und kann dabei auf einen 60 Lkw starken Fuhrpark und 250 Mitarbeiter zurückgreifen – angefangen haben Sie 1990 jedoch einst als reines Consulting-Unternehmen.
Holger Vogel: Dieses Geschäftsmodell hatte sich schnell als nicht besonders tragfähig erwiesen: Nach der Wende gab es jedoch keinen Mangel an Altlasten, die zu beseitigen waren, unter anderem viele PCB-haltige Transformatoren und Öle, die wir zunächst als Makler den entsprechenden Verwertungsanlagen zuführten. Damit hatten wir schon deutlich mehr Erfolg. Ich selbst stieß 1992 als insgesamt 10. Mitarbeiter zum Unternehmen und wurde direkt mit der Entsorgung von Pflanzenschutzmitteln betraut. Nahezu zeitgleich folgte ein weiterer wichtiger Wachstumsschub, als wir uns in die Abwasseranlage eines alten Dresdner Mikroelektronikbetriebes einmieteten: Dort behandelten wir dessen Abwässer in der eigenen Anlage und nahmen dazu von außen weitere flüssige Abfälle hinzu, mit deren Entsorgung wir die Behandlung der Abwässer des Mikroelektronikbetriebes subventionierten.
Wirtschaftsforum: So konnten Sie sich sukzessive eine umfangreiche Kompetenz in der chemischen Behandlung von Säuren, Laugen und schwermetallhaltigen Lösungen aufbauen.
Holger Vogel: Als sich dann in Dresden ein neuer Mikroelektronikbetrieb ansiedelte und in diesem Zuge auf der Suche nach einem Entsorger war, konnten wir ihm direkt unser Know-how in unserer bestehenden Anlage anbieten. Mit diesem Unternehmen sind wir dann schrittweise mitgewachsen, haben unseren Fuhrpark erweitert und ein erstes Zwischenlager errichtet. Gleichzeitig haben wir unser Portfolio beständig erweitert und uns dabei stets Gedanken gemacht, welche Lösungen unsere Kunden als Nächstes brauchen würden.
Wirtschaftsforum: Worüber machen Sie sich heute Gedanken?
Holger Vogel: Ein international renommierter Chipproduzent möchte in unserer Region bekanntermaßen eine große Mikrochipfabrik errichten. In diesem Zuge werden auch unsere Kompetenzen gefragt sein. Wir befinden uns bereits in der Ausschreibungsphase und wollen bei einem eventuellen Vertragsabschluss weiter in Dresden investieren, weshalb wir das dazu erforderliche Genehmigungsverfahren bereits angestoßen haben. Natürlich machen wir auch auf der technischen Seite gerade unsere Hausaufgaben, um den künftig höheren Abfallvolumina gerecht werden zu können.
Wirtschaftsforum: In jüngerer Vergangenheit haben Sie zudem eine eigene Abteilung für das Chemikalienrecycling aufgebaut.
Holger Vogel: Dafür konnten wir vor vier Jahren eine neue Mitarbeiterin gewinnen, die im Chemikalienmarkt bestens vernetzt ist und uns dadurch viele Türen geöffnet hat, die uns als reiner Entsorgungsbetrieb sonst immer verschlossen geblieben wären. So können wir nun auch einen noch wirkmächtigeren Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Reduzierung des CO2-Footprints unserer Kunden leisten, indem wir die entsprechenden Abfallströme wieder in den Stoffkreislauf zurückführen – samt der dabei anfallenden Qualitätsprüfung, Konfektionierung und Auslieferung.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie angesichts der aktuellen krisenbehafteten gesamtwirtschaftlichen Lage in die Zukunft?
Holger Vogel: Optimistisch. Ich bin im Osten geboren. Dort waren wir immer gezwungen, uns etwas einfallen zu lassen. Es gab kein Gejammer und kein Geheule. Heute sind die Dinge nicht unbedingt besser oder schlechter, nur eben anders. Meine Haltung bleibt jedoch dieselbe: Nicht meckern, sondern Lösungen finden! Als SUC wachsen und investieren wir weiter und können uns auch über einen regen Zulauf an Initiativbewerbungen freuen, weil die Menschen wissen, dass sie bei uns ein sicherer Arbeitsplatz und attraktive Arbeitsbedingungen erwarten. Natürlich ist die Grundstimmung in der Wirtschaft insgesamt gerade ziemlich negativ und auch die überbordende Bürokratie sowie die schwierigen regulatorischen Rahmenbedingungen tragen einen wichtigen Teil dazu bei. Doch viele Probleme, mit denen etliche Unternehmen derzeit zu kämpfen haben, sind hausgemacht und vorwiegend die Folge tiefgreifender Managementfehler.
Wirtschaftsforum: Wie kann man es besser machen?
Holger Vogel: Ich glaube, es hat mehrere Gründe, warum SUC bisher alle Krisen überstehen und auch in schwierigen Zeiten weiter wachsen konnte. Allen voran unsere klare Spezialisierung: Man darf nicht einfach nur tun, was alle anderen auch tun, denn dann endet man irgendwann in einem Preiskampf, der ein profitables Wirtschaften langfristig unmöglich macht. Auch ein breiter Kundenstamm ist für einen beständigen Erfolg unerlässlich. Darauf nicht zu achten, ist ein Fehler, den einige Unternehmen gemacht haben, deren Wohl und Wehe nicht selten von einem einzigen Hauptkunden abhängig ist. Gerade mit den kleineren Kunden muss man respektvoll und wertschätzend umgehen, denn sie sind es, die einen letztlich auch durch Krisen tragen: Sie mögen für SUC nicht ganz so viele Abfälle bereithalten, aber sie kommen regelmäßig und verlässlich auf uns zu! Nicht minder wichtig ist natürlich ein wertschätzender Umgang mit den eigenen Mitarbeitern sowie flexible Strukturen mit einer flachen Organisationshierarchie, die schnelle Entscheidungen ermöglicht. Genau darin unterscheiden wir uns von einem Konzern!








