„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“
Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

Eigentlich wollte Dennis Meyer-Philippi nicht ins Familienunternehmen einsteigen. Sein Vater hatte es vor 40 Jahren gemeinsam mit einem Freund gegründet und Lösungen für die automatisierte Medikamentendosierung entwickelt. Doch als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, änderte sich sein Blickwinkel. Plötzlich musste die Familie Arztbesuche, Rezepte, Abholung von Medikamenten bei Apotheken und die korrekte Einnahme koordinieren. Aus dieser Erfahrung entstand eine Geschäftsidee: 2021 wurde die tantum sana® GmbH als Tochter der CompWare Medical GmbH gegründet.
Wenn die Pillenbox nicht mehr reicht
Der digitale Tablettenspender maja sana® erleichtert die Medikamentenversorgung erheblich: Eine Apotheke hält Rücksprache mit allen behandelnden Ärzen, überprüft den Medikationsplan und lässt die Tabletten nach Einnahmezeitpunkten in Schlauchblistern vorsortieren. Der vernetzte Spender synchronisiert sich automatisch mit dem überprüften Medikationsplan und gibt das richtige Medikament aus. „Die Maja klingelt einfach nur, du drückst einen Knopf und die Medikamente werden ausgegeben“, erklärte Dennis Meyer-Philippi seiner Großmutter. Reagiert die Person nicht, können Angehörige informiert werden. Rund fünf Jahre dauerte die Entwicklung. Ende 2023 erhielt das System die Zulassung als Pflegehilfsmittel, 2024 ging tantum sana® damit in den Markt. Eine über acht Monate durchgeführte anonymisierte Auswertung unter mehr als 500 Versicherten ergab laut Dennis Meyer-Philippi, dass 90% der ausgegebenen Medikamente innerhalb der ersten Stunde und mehr als 60% sogar innerhalb der ersten fünf Minuten entnommen wurden.
Innovation trifft auf Strukturen
Die Nachfrage sei vorhanden – der Engpass liege bei den Kostenträgern. Im August sollten rund 1.100 Systeme zur Genehmigung eingereicht werden. Andere Kassen hätten das Modell bereits integriert und erreichten deutlich höhere Genehmigungsquoten. „Es steht und fällt alles mit den Kostenträgern, und es muss zuerst Vertrauen aufgebaut werden.“ Deshalb setzt tantum sana® auf Modellprojekte und den direkten Austausch mit den Kassen. Gemeinsam soll untersucht werden, für welche Versicherten das System geeignet ist und wo sich Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit verbessern lassen. Ein aktueller Anwendungsbereich ist beispielsweise Parkinson.
Mit langem Atem
Auf externes Venture Capital verzichtete die Familie bewusst. „Wir wollen dieser DNA eines Familienunternehmens auch treu bleiben.“ Dennis Meyer-Philippis Ziel ist eine Versorgung, bei der Apotheke, Angehörige und Kostenträger besser zusammenarbeiten und der einzelne Mensch stärker in den Mittelpunkt rückt.








