„Es muss für Reisende bequem werden“

Interview mit Jean-Frédéric Python, Direktor der Compagnie des chemins de fer du Jura (C.J.) SA

Wirtschaftsforum: Herr Python, wie hat die Geschichte der Compagnie des chemins de fer du Jura begonnen?

Jean-Frédéric Python: Die Gesellschaft ist ein Verbund von vier Unternehmen, die Bahnstrecken aus der französischen Schweiz nach Deutschland betrieben haben, und wurde 1944 gegründet. Zum Teil stammen die Strecken noch aus dem 19. Jahrhundert. Dieser Verbund führte viele Transporte für die Uhrenindustrie durch. Dann bekam die Bahn Konkurrenz durch Lkw. Wir erhielten Unterstützung durch die Politik, mussten uns aber auf andere Zweige fokussieren. Es ist uns gelungen, den Güterverkehr anzukurbeln und attraktiv zu machen. Der gesamte Güterverkehr ist aber in den vergangenen Jahren unter Druck geraten und wird nicht subventioniert. Wir müssen deshalb optimieren und automatisieren, um die Aufgaben der Mitarbeiter auf ein Minimum zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie unter diesen Bedingungen die weitere Entwicklung?

Jean-Frédéric Python: In unserem Gebiet darf nicht mehr gebaut, nur noch nach innen verdichtet werden. Das heißt, das Potenzial durch neue Bürger geht für uns gegen null. Per Gesetz müssen wir 20% unserer Einnahmen selbst erarbeiten; der öffentliche Verkehr wird mit maximal 80% subventioniert.

Wirtschaftsforum: Was befördern Sie überwiegend?

Jean-Frédéric Python: Von unserem Hauptumsatz her sind wir ein Unternehmen des öffentlichen Verkehrs. Als solches befördern wir Schüler und Pendler, haben aber auch Angebote für die Naherholung. Außerdem bieten wir Fahrten mit Dampflokomotiven mit Überfall und Trottinett bis zu 28 km an. Im Winter kombinieren wir Langlaufski und Schneeschuhlaufen mit unseren Zügen. Im Güterverkehr befördern wir unter anderem Holz, Milch und Müll. Mit Letzterem kommen wir auf 110.000 t im Jahr.

Wirtschaftsforum: Welchen Umfang hat Ihr Netz?

Jean-Frédéric Python: Unsere Strecken verlaufen durch die Kantone Jura, Bern und Neuenburg. Das Netz umfasst 74 km Schmalspur- und elf km Normalspurgleise inklusive Brücken, Viadukte und Tunnel sowie 34 Bahnhöfe. Wir haben auch noch historische Züge, darunter eine Dampflok. Neben den Zugstrecken gibt es auch Buslinien. Im Moment haben wir im Jahr 1,5 Millionen Reisende – vor Corona waren es mehr. Damit erreichen wir gerade so die 20%. Sie fahren im Jahr 20 Millionen km.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist heute ein wichtiges Verkaufsargument. Wie ist das bei Ihnen?

Jean-Frédéric Python: Das ist ein ganz wichtiges Thema. Wir müssen das Image des öffentlichen Verkehrs, der immer noch als teuer und nicht sauber gilt, verbessern. Wir modernisieren und müssen der Öffentlichkeit besser vermitteln, wie ökologisch und nachhaltig der öffentliche Verkehr schon heute ist. Ein Teil unseres Stroms ist Ökostrom. Jedes Jahr bauen wir mindestens 600 m² Photovoltaik.

Wirtschaftsforum: Was hält C.J. schon seit so langer Zeit ‘in der Spur’?

Jean-Frédéric Python: Wir holen das Maximum aus unserem Rollmaterial und unserer Infrastruktur heraus. Aktuell befinden wir uns in einem Wandel. Die Infrastruktur muss überholt und modernisiert werden. Dazu haben wir ein Entwicklungskonzept für die nächsten 20 Jahre aufgestellt. Wir übernehmen alle EU-Normen, obwohl wir nicht zur EU gehören.

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Pläne haben Sie für das Unternehmen?

Jean-Frédéric Python: Das Marketing wird intensiviert. Ich spreche Firmen an, um Pendler auf den Zug zu bringen. Bei dem Projekt ARC-Express möchten wir den Perimeter vergrößern und Transporte von La Chaux-de-Fonds Richtung Basel durchführen. Im Bereich der Normalspur wollen wir noch enger mit den Schweizerischen Bundesbahnen zusammenarbeiten und gemeinsame Angebote machen. Die ÖV-Branche muss sich bewusst werden, dass sie ihr Produkt den Kunden anbieten muss. Es muss für den Reisenden bequem werden.

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