Kontaktlos und sauber sägen

Interview mit Jörg Becker, Geschäftsführer der Becker Sonder-Maschinenbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Becker, Sie sind gelernter Maschinenbauer und haben sich 1991 selbstständig gemacht.

Jörg Becker: Damals haben wir in der sprichwörtlichen Garage angefangen und mit einem Schweißgerät an Garagentoren und Vorrichtungen für Türen gearbeitet. Durch einen Zufallskontakt sind wir zum Maschinenbau gekommen, zunächst mit dem Fokus Sägetechnik. Schließlich begannen die Kunden, auch nach Verpackungsanlagen zu fragen. Gemeinsam mit einem Partner habe ich 2003 eine weitere Firma gegründet, die zunächst im Bereich der Beratung und Entwicklung für optimale Verpackungslösungen tätig war. Der Punkt war hier, so wenig Verpackung wie möglich, aber so gut wie nötig zu entwickeln, um Verpackungsmaterial und Platz zu sparen. Platz sparen heißt in einem zweiten Schritt Transporte einsparen und damit CO2.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Ihr Unternehmen besteht aus zwei Firmen?

Jörg Becker: Ja, es gibt die Becker Sonder-Maschinenbau GmbH und die Becker Verpackungstechnologie GmbH & Co. KG. Beide arbeiten als Gruppe Hand in Hand, sodass wir unseren Kunden Komplettlösungen bieten können, von der Sägetechnik bis hin zur Verpackungsmaschine. Als Sondermaschinenbau-Unternehmen sind wir auf Speziallösungen ausgerichtet. Wir arbeiten im Bereich Losgröße 1, das heißt, wir liefern überwiegend einzelne Maschinen.

Wirtschaftsforum: Um welche Art von Maschinen handelt es sich dabei? Gibt es Schwerpunktbranchen?

Jörg Becker: Ein Schwerpunkt im Bereich der Holzindustrie sind Sägelösungen. Hier haben wir zwar Standardbauteile, können aber kundenspezifische Sägen entwickeln. Hier heben wir uns durch kontaktlose Sägen von Mitbewerbern ab. Diese Sägen ermöglichen einen sehr sauberen Schnitt. Das Holz wird praktisch angesaugt und muss nicht in Kontakt mit dem Sägetisch kommen, sondern wird schwebend durch die Säge gefahren. So können auch Produkte mit Schutzfolie ausrissfrei verarbeitet werden; diese Lösung ist recht außergewöhnlich. Weitere Schwerpunkte sind individuelle Lösungen im Bereich der Besäumtechnik. Wenn Bauteile mit Folien überzogen werden, sind die Ränder nicht immer exakt. Unsere Maschinen führen zu einem perfekten Finish.

Wirtschaftsforum: In den letzten Jahren haben Sie recht erfolgreich den Bereich Robotik ausgebaut.

Jörg Becker: Das stimmt. Wir bauen hier auf Kundenanforderungen zugeschnittene Roboteranlagen, vor allem für diverse Industriezweige.

Wirtschaftsforum: Welche Lösungen bieten Sie für die Verpackungsindustrie?

Jörg Becker: Wir können fast alles verpacken: Heizkörper, Duschkabinen oder Markisen. Egal, was der Kunde für Produkte hat, wir können eine Anlage bauen, die eine optimale Verpackung ermöglicht. Die Beratung machen unsere Verpackungsexperten, die Maschine der Maschinenbau. Wir achten dabei auf die Umwelt und nutzen Karton, wo es möglich ist. Darüber hinaus sind wir in den Bereichen Reinigungstechnik, Türenbearbeitung sowie Beschick- und Fördertechnik aktiv.

Wirtschaftsforum: Sind Sie international tätig?

Jörg Becker: Unser Auslandsanteil liegt bei 25%, mit Schwerpunkt auf der DACH-Region. Punktuell sind wir auch in Benelux oder Spanien und Portugal aktiv.

Wirtschaftsforum: Spüren Sie die aktuelle Zurückhaltung vieler Kunden, neue Maschinen anzuschaffen?

Jörg Becker: Die aktuelle Marktlage, zum Beispiel der Rückgang in der Automobilindustrie, betrifft uns nur wenig. Wir sind breit aufgestellt. Glücklicherweise bedienen wir viele Branchen und können somit Schwankungen einzelner Sparten besser ausgleichen. Zudem sind wir durch die ständige Kundenanpassung sehr flexibel und so in der Lage, uns an verschiedene Märkte anzupassen.

Jörg Becker
„Als Sondermaschinenbau-Unternehmen sind wir auf Speziallösungen ausgerichtet. Wir arbeiten im Bereich Losgröße 1.“ Jörg BeckerGeschäftsführer

Wirtschaftsforum: Was gehört noch zu Ihren Erfolgsfaktoren?

Jörg Becker: Vor allem unsere Mitarbeiter. Die Ideen und Kompetenzen unserer Mitarbeiter sind unser Kapital. Wir haben ständig ein Ohr am Markt und können so technische Innovationen entwickeln und umsetzen. Innovation ist in unserem Markt wichtig. Unsere Kunden spornen uns hier regelmäßig an. Schließlich sind wir sehr flexibel, was individuelle Kundenwünsche angeht.

Wirtschaftsforum: Sie sind also für die Zukunft gut aufgestellt?

Jörg Becker: Ja, wir sehen die Zukunft sehr positiv. Meine Tochter ist ins Unternehmen mit eingestiegen und es wird sich zeigen, ob sie das Unternehmen weiter in die Zukunft führt. Wir haben sehr gute Produkte, doch der Markt wird immer schwieriger, die Auflagen durch neue Gesetze sind eine Bremse. Deutschland ist ein Land, das es sich selbst schwermacht. Wir sind so innovativ, haben so tolle Lösungen, aber so komplexe Auflagen, dass wir uns manchmal selbst ausbremsen.

Wirtschaftsforum: Ist der zunehmende Fachkräftemangel bei Ihnen ein Thema?

Jörg Becker: Ja, permanent. Wir tun viel in diesem Bereich, haben ein eigenes Bewerbertraining und motivieren junge Leute, zu uns in den Betrieb zu kommen. Aber trotzdem reicht es nicht. Wir sehen, dass wir eventuell in Zukunft mit Robotern einige Aufgaben übernehmen können.

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