Performance, Perfektion und Prestige

Interview mit Roman Müller, Geschäftsführer BBS Motorsport GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Müller, Ihr Unternehmen ist dem Motorsport nicht nur dem Namen nach eng verbunden.

Roman Müller: Das ist richtig. BBS Motorsport geht auf das Jahr 1970 und die Gründung der BBS in Schiltach zurück, kurz für Baumgartner, Brand und Schiltach. Bereits 1972 wurde dort ein neuartiges, dreiteiliges Motorsport-Rad nach einer Idee konstruiert, die unter anderem die Kombination verschiedener Werkstoffe ermöglichte. In den Folgejahren gab es neben der stetigen Weiterentwicklung diverse Besitzerwechsel und Umstrukturierungen. Heute existieren drei Firmen, der japanische Mutterkonzern BBS Japan, der uns die Schmiederohlinge liefert, der Betrieb in Schiltach, der im Bereich Gussräder und Vertrieb tätig ist, und unser Werk in Haslach für die Schmiederäder. Hier beschäftigen wir 58 Mitarbeiter. Unser Jahresumsatz liegt aktuell zwischen 18 und 19 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Stellt BBS Motorsport nicht eigentlich Felgen her?

Roman Müller: Im allgemeinen Sprachgebrauch sagt man Felgen, der Profi spricht aber von Rädern. Wir bieten High-End-Lösungen für anspruchsvollste Anwendungen – für den Motorsport, immer mehr aber auch für den Aftersales und OEM-Markt. Unser Portfolio umfasst mehrteilige Leichtmetallräder, Magnesium- und Aluminium-Schmiederäder sowie Räder für Classic-Fahrzeuge. Besonders bekannt geworden sind wir durch unsere Magnesium-Schmiederäder, deren Vorteil nicht nur in der Gewichtsreduktion durch das Material liegt, sondern auch in ihren besonderen Eigenschaften. Die Beziehung zwischen translatorischer und rotatorischer Beschleunigung oder Verzögerung bewirkt, dass die tatsächlich dynamische wirksame Gewichtsersparnis bei Rädern um circa Faktor 1,5 höher liegt als die statisch gewogene Gewichtsersparnis und sich Verbrauch und CO2-Emissionen deswegen noch effizienter reduzieren lassen.

Wirtschaftsforum: BBS Motorsport hat sich also durch innovative Entwicklungen einen Namen gemacht?

Roman Müller: Absolut. BBS Motorsport ist der erste Hersteller, der 2003 Magnesium-Schmiederäder auf die Straße gebracht hat, das heißt korrosionsbeständige Räder auf OEM-Standard. Wir sind Innovations- und Technologieführer, aber auch vom Umsatz her führend. Dass alle Formel-1-Fahrzeuge aktuell BBS Räder fahren, spricht ebenfalls für sich.

Wirtschaftsforum: Liegt der Fokus noch immer auf dem Motorsport?

Roman Müller: Der Motorsport macht bis heute mehr als 50% unseres Umsatzes aus. Wir sind ja vor allem über die Formel 1 weltweit bekannt geworden. Michael Schumacher zum Beispiel hat all seine Weltmeistertitel auf BBS-Rädern gewonnen, übrigens auf Rädern, die ich selbst damals als Fahrzeugingenieur konstruiert habe. Wir sind aber auch in allen anderen Motorsportarten engagiert. Der Handel für die nachträgliche Ausrüstung der Fahrzeuge ist unser zweites Standbein. Der dritte Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist der OEM-Markt.

Wirtschaftsforum: Man spricht ja oft davon, dass Dinge, die sich im Motorsport unter den härtesten Bedingungen bewährt haben, gern von der Industrie aufgenommen werden.

Roman Müller: Das ist richtig. Man hat nicht nur oft – und vergeblich – versucht uns zu kopieren, die Autoindustrie ist auch sehr aufmerksam auf uns geworden. Wir bieten nun individuelle Lösungen für namhafte Hersteller von High-End-Marken wie Bugatti oder Aston Martin, sind aber auch sehr stark mit Porsche verbunden. Dank einer patentierten Technologie ist es uns gelungen, auch die leichtesten Aluminium-Schmiederäder zu entwickeln, die alle gegebenen Anforderungen erfüllen. Unsere Räder haben sich bewährt und werden nach dem Porsche Spyder 918 nun konsequent in der 911 GT3RS Baureihe eingesetzt.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie aktuelle Herausforderungen an?

Roman Müller: Die Lage hatte sich nach Corona stabilisiert. Nun haben sich die Transportkosten enorm erhöht, auch gibt es Abrisse in den Lieferketten. Wir sind dennoch zuversichtlich. Die Kooperation mit OEMs ermöglicht starkes Wachstum für die Zukunft. Wir investieren gerade 25 Millionen in unser Werk 2 mit einer neuen Lackieranlage und werden uns entsprechend vergrößern. Die Aufträge sind da. Wir rechnen damit, unseren Umsatz in den nächsten Jahren zu verdoppeln. BBS Motorsport überzeugt mit Zuverlässigkeit, Liefertreue und einem Technologievorsprung, der unter anderem auch der E-Mobilität zugute kommt.

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