Für hohe Sauberkeitsanforderungen: Effiziente Trockenreinigung mit reproduzierbaren Ergebnissen

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz, Gründer, Mehrheitseigner und Aufsichtsratsvorsitzender der acp systems AG

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Dr.-Ing. Schmutz, acp bietet CO2-Schneestrahlreinigung für Bauteiloberflächen. Wie funktioniert dieses patentierte Verfahren?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz: Die quattroClean-Schneestrahltechnologie nutzt als Reinigungsmedium flüssiges Kohlendioxid – ein Nebenprodukt aus chemischen Prozessen und der Energiegewinnung aus Biomasse. Wesentliches Element ist eine patentierte, verschleißfreie Zweistoff-Ringdüse, durch die das Kohlendioxid geleitet wird. Es entspannt beim Austritt zu feinem, minus 78,5 °C kaltem CO2-Schnee, der durch einen Druckluft-Mantelstrahl gebündelt und auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt wird.

Beim Auftreffen des gut fokussierbaren Schnee-Druckluftstrahls auf die zu reinigende Oberfläche kommt es zu vier Effekten: thermischer (Versprödung der Verunreinigung), mechanischer (Impulsübertragung), Sublimations- (600 bis 700-fache Volumenvergrößerung) und Lösemitteleffekt (superkritisches CO2). Diese Wirkmechanismen entfernen partikuläre und filmische Verunreinigungen prozesssicher und reproduzierbar. Die homogene Reinigungsleistung stellt auch beim Einsatz mehrerer Düsen für größere Flächen ein gleichmäßig gutes Reinigungsergebnis sicher.

Das kristalline Kohlendioxid geht während der Reinigung vollständig in den gasförmigen Zustand über, das Reinigungsgut ist daher sofort trocken. Abgelöste Verunreinigungen werden durch die aerodynamische Kraft der Druckluft von der Bauteiloberfläche abgeführt und zusammen mit dem sublimierten Kohlendioxid aus dem Reinigungsmodul abgesaugt.

Wirtschaftsforum: Welche Vorteile bietet die quattroClean Technologie gegenüber herkömmlichen Reinigungsverfahren?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz: Im Gegensatz zu klassischen nasschemischen Verfahren erfolgt die Reinigung mit der quattroClean Technologie trocken sowie ressourcenschonend bei deutlich geringeren Investitions- und Betriebskosten. Aufgrund der materialschonenden Reinigung kann die quattroClean- Reinigung für Bauteile aus allen technischen Werkstoffen eingesetzt werden – auch wenn sie feine Strukturen, komplexe Geometrien, enge Sacklochbohrungen und filigrane Kavitäten aufweisen oder elektronische Komponenten integriert sind. Darüber hinaus ermöglicht das Verfahren neben der ganzflächigen Reinigung von Bauteiloberflächen die selektive und präzise Behandlung definierter Werkstückbereiche, zum Beispiel Klebestellen.

Wirtschaftsforum: Für welche Branchen ist das acp quattroClean-Trockenreinigungsverfahren besonders interessant?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz: Die Branchen, in denen das Verfahren eingesetzt wird, reichen von der Automobilindustrie über die Medizintechnik und Sensorindustrie bis zur Zulieferindustrie für die Halbleiterfertigung. Das Anwendungsspektrum umfasst die Zwischen- und Endreinigung von Einzelteilen und kompletten Baugruppen. Mit dem quattroClean-System gereinigt werden unter anderem Kunststoffteile vor dem Beschichten und Lackieren, umformend, spanend und additiv hergestellte Werkstücke, Moulded Interconnect Devices (MID) sowie optische Bauteile. Ein weiterer Einsatzbereich ist das gleichzeitige Kühlen und Reinigung beim Zerspanen, beispielsweise Aluminium oder spröden Kunststoffen wie PEEK.

Wirtschaftsforum: Was für unterschiedliche Reinigungslösungen bietet acp je nach Kundenbedarf?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz: Durch seine Skalierbarkeit lässt sich das quattroClean-System einfach und platzsparend an kundenspezifische Anwendungen für eine ganzflächige oder partielle Reinigung anpassen. Alle Prozessparameter werden im Technikum von acp für die jeweilige Aufgabe ermittelt und können als Reinigungsprogramm gespeichert werden. Die Anlagenkonzeption erfolgt entsprechend den individuellen Anforderungen mit auf Standard-Modulen basierenden Komponenten als manuelle, teil- und vollautomatisierte quattroClean-Systeme.

Wirtschaftsforum: Warum ist die CO2-Schneestrahlreinigung besonders gut für automatisierte Anwendungen geeignet?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schmutz: Einerseits ist es die sehr platzsparende Ausführung. Eine Strahleinheit inklusive Absaugung kann bereits auf einer Fläche von 20 x 20 cm in eine Fertigungslinie integriert werden. Andererseits sind quattroClean- Systeme Industrie 4.0-kompatibel und lassen sich über standardisierte Schnittstellen in übergeordnete Leitrechner einbinden sowie steuern. Ein Sensor ermöglicht die kontinuierliche Überwachung des Reinigungsstrahls. Die Ergebnisse werden ebenso wie alle Prozessparameter automatisch erfasst, gespeichert und an den Leitrechner übergeben.

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Stille Helfer made in Switzerland

Interview mit Sandro Meier, Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG

Stille Helfer made in Switzerland

Backhefe ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Lebensmittelherstellung und spielt insbesondere im Bäckerhandwerk eine zentrale Rolle. Der kleine Würfel ist ein lebender Zellorganismus, ein stiller Helfer, der Brot locker, aromatisch…

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Interview mit Roberto Taccucci, Sales Director der TSL-ESCHA GmbH

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Die TSL-ESCHA GmbH hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Tastern, Warnmeldern und Signalleuchten in der Bahntechnik spezialisiert und kann als Teil des französischen MAFELEC TEAM inzwischen noch auf…

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Spannendes aus der Region Landkreis Rottweil

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Interview mit Patrick Gutmann, Geschäftsführer der punkt.genau GmbH

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Die punkt.genau GmbH will für ihre Kunden konsequent die richtigen Fachkräfte finden und tritt dabei in verschiedensten Branchen als zuverlässiger Partner bei vielfältigen Personalthemen von Executive Search bis Headhunting auf.…

„Wir sind ein verlässlicher und lokaler Partner!“

Interview mit Patrick Müller-Benzing, Geschäftsführer der Stadtwerke Tuttlingen GmbH

„Wir sind ein verlässlicher und lokaler Partner!“

Seit 130 Jahren sind die Stadtwerke Tuttlingen für die Menschen der Region präsent. Mit modernen Heizkraftwerken, Smart Metern und Ladeinfrastruktur setzt Geschäftsführer Patrick Müller-Benzing auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kundennähe. „Wir…

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Das könnte Sie auch interessieren

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Interview mit Dr. Michael Kickuth, Geschäftsführer DACH der Recordati Rare Diseases Germany GmbH

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Seltene Erkrankungen gelten als Nischen – medizinisch komplex, wirtschaftlich herausfordernd, politisch unterbelichtet. Doch gerade hier entscheidet Tempo über Lebensqualität. Die Recordati Rare Diseases Germany GmbH positioniert sich bewusst jenseits klassischer…

Die Kunst der feinen Drähte

Interview mit Sebastian Ablas, Geschäftsführer der Heinrich Stamm GmbH

Die Kunst der feinen Drähte

Präzision im Mikrometerbereich, jahrhundertealte Erfahrung und ein klarer Fokus auf Innovation: Die Heinrich Stamm GmbH aus Iserlohn zählt zu den Spezialisten der internationalen Drahtindustrie. Das traditionsreiche Unternehmen entwickelt und produziert…

Vom Wasserkraftwerk zur smarten Energiezentrale

Interview mit Philipp Kain, Geschäftsführer der Elektrizitätswerk Perg GmbH

Vom Wasserkraftwerk zur smarten Energiezentrale

Die Energiewirtschaft steht vor großen Veränderungen: Digitalisierung, Dekarbonisierung und neue Anforderungen an die Netze prägen die Branche zunehmend. Die Elektrizitätswerk Perg GmbH begegnet diesem Wandel mit regionaler Nähe, technischer Modernisierung…

TOP