Gesund, lecker, angesagt

Interview mit Christophe Thys, Geschäftsführer und Nieco de Wit, Manager für Forschung und Entwicklung der Ravensbergen B.V.

Wirtschaftsforum: Herr Thys, Sie sind Geschäftsführer der Ravensbergen Food B.V. und begleiten das Unternehmen seit vielen Jahren. Können Sie einen kurzen Überblick über die Entwicklung geben, der verdeutlicht, wie Ravensbergen zu dem wurde, was es heute ist – ein Spezialist für Müsliriegel und Partner vieler bekannter Marken, der 100 Mitarbeiter beschäftigt und rund 26 Millionen EUR umsetzt. 

Christophe Thys: Das Unternehmen wurde 1928 klassisch als Bäckerei gegründet. Ein Schritt, der die Entwicklung nachhaltig beeinflusste, war die 2012 erfolgte Übernahme durch die Schweizer Haco-Gruppe, die zu der Zeit ihre Internationalisierung vorantrieb. Auch wenn die Integration in die Gruppe aufgrund unterschiedlicher Kulturen nicht einfach war, war sie von Erfolg gekrönt. In den vergangenen 2,5 Jahren sind wir signifikant gewachsen – verglichen mit 2012 konnten wir den Umsatz vervierfachen.

Wirtschaftsforum: Was war der Treiber dieses außergewöhnlichen Wachstums? 

Christophe Thys: Gründe sind das Co-Manufacturing und die Zusammenarbeit mit allen wichtigen Retailern. Nicht zuletzt hat eine neue Führungskultur das Wachstum angeschoben. Letztlich geht es im Kern um Wertschöpfung – für unsere Kunden, aber auch für die Stakeholder, das heißt für die Shareholder, die Mitarbeiter, die Haco-Gruppe und die Eigentümer. 

Wirtschaftsforum: Wertschöpfung ist ein großes Wort. Was verbirgt sich dahinter? 

Christophe Thys: Wertschöpfung heißt für uns nachhaltiges Wachstum, Profitabilität, Innovation und operative Exzellenz. Das Thema Innovation betrifft viele verschiedene Bereiche: die Entwicklung neuer Produkte gemeinsam mit unseren Kunden, aber auch technologische Entwicklungen bei den Maschinen oder beim Thema Digitalisierung. In gemeinsamen Workshops mit den Kunden entstehen oft besonders innovative Ideen. Was die Produkte angeht, spielt das Thema Gesundheit eine zentrale Rolle. Die Essenskultur hat sich in den vergangenen Jahren durch ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein gravierend verändert. Konsumenten wünschen verstärkt zuckerreduzierte oder zuckerfreie Produkte mit einem Nutri-Score A; zudem wird Protein immer wichtiger. Ein weiterer Trend ist, dass Müsliriegel immer häufiger eine Mahlzeit ersetzen; deshalb sind sie im Laufe der Zeit größer geworden. Aktuell beschäftigen wir uns zudem mit herzhaften Riegeln – ein neues Projekt mit großem Potenzial. 

Wirtschaftsforum: Mit den Müsliriegeln bedient Ravensbergen aktuelle Markttrends. Gleichzeitig gab und gibt es viele Unsicherheiten politischer und wirtschaftlicher Art auf dem Markt. Beeinflussen diese das Geschäft? 

Nico de Wit: Ja, vor allem der Krieg in der Ukraine hat Konsequenzen für uns. Ein Großteil unserer Rohstoffe kommt aus der Ukraine.

Christophe Thys: Die Pandemie und der Krieg führten vor allem zu enormen Preissteigerungen. Hinzu kommt, dass wir Kakao aus Afrika beziehen, wo es infolge des Klimawandels zu Überschwemmungen, Dürren und anderen Extremen kommt, die sich auf die Ernte auswirken. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach gesunden Müsliriegeln oder Granola Bars. Für Produzenten, wie wir es sind, ist das ein Dilemma.

Wirtschaftsforum: Ravensbergen agiert auf einem wettbewerbsintensiven, dynamischen Markt. Wo sehen Sie das Unternehmen hier positioniert?

Christophe Thys: Unser Ziel ist, ein verlässlicher, solider und innovativer Partner zu sein, der offen für Neues ist. Auch wenn Kundenwünsche schwierig sind, finden wir Lösungen. 

Nieco de Wit: In den Niederlanden gibt es viele Wettbewerber, die genau dasselbe wie wir machen. Unser Vorteil ist, dass wir dank unserer Größe entsprechende Produktionskapazitäten haben, die uns für Kunden interessant machen. 

Wirtschaftsforum: Kunden entscheiden sich nicht allein aufgrund der Produkte für Ravensbergen. Wo liegen weitere Benefits?

Nieco de Wit: Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten Prozess von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt und reagieren schnell und flexibel auf ihre Bedürfnisse.

Christophe Thys: Wir schauen über den Tellerrand hinaus und nehmen unsere soziale und umweltpolitische Verantwortung ernst. Wir arbeiten an dem Thema Zero Waste und engagieren uns in Projekten mit Unicef und anderen Organisationen, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. 

Wirtschaftsforum: Was schätzen Sie persönlich an Ravensbergen? 

Christophe Thys: Die Menschen und die von Transparenz und Respekt geprägte Kultur. Als Teil einer großen Gruppe konnten wir unseren familiären Geist bewahren. Dieses Gemeinschaftsgefühl prägt das Klima und trägt maßgeblich zum Erfolg bei.

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