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Wir reißen ständig Grenzen ein und wollen über uns hinauswachsen

Interview mit Dr. Alexandra Kohlmann, Geschäftsführerin der ROWE MINERALÖLWERK GMBH

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Wirtschaftsforum: Frau Dr. Kohlmann, Ihr Vater hat ROWE gegründet. Haben Sie Öl im Blut?

Dr. Alexandra Kohlmann: Eines kann ich jedenfalls sagen: Dieser Duft nach Öl ist für mich wie mein Zuhause. Den kenne ich, seit ich ein kleines Kind war. Es war aber nicht von Anfang an klar, dass ich ins Unternehmen einsteigen würde. Ich habe an der TU München technologie- und managementorientierte Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend promoviert. Mein Promotionsthema war die Nachfolge in Familienunternehmen. Ich habe also gewissermaßen für den eigenen Ernstfall geprobt. Der trat zwei Jahre, nachdem wir unser Werk hier in Worms bezogen hatten, ein. Unser dynamisches Wachstum hatte inzwischen andere Fragestellungen aufgeworfen als 20 Jahre zuvor. Deshalb war es exakt der richtige Zeitpunkt; als Mitglied der Geschäftsleitung einzusteigen. Seit zwei Jahren bin ich Geschäftsführerin.

Wirtschaftsforum: Welche Entwicklungsschritte hatte ROWE bis zu Ihrem Eintritt durchgemacht?

Dr. Alexandra Kohlmann: Mein Vater war lange in der Schmierstoffbranche tätig und wollte sich selbstständig machen. Er hat als One-Man-Show begonnen, in den leerstehenden Räumen der alten Schlosserei seiner Eltern im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim. Seine Idee, die umliegenden Bauern mit Schmierstoffen zu versorgen, erwies sich aber als ein schwieriger Ansatz, vor allem, weil er die notwendigen Freigaben für Schmierstoffe und Motorenöle nicht hatte. Deshalb konzentrierte er sich erst einmal auf Frostschutzmittel. 2000 ist das Unternehmen in die Halle eines ehemaligen Möbelwerks im nahe gelegenen Bubenheim umgezogen. Dort haben wir verschiedene Zertifizierungen erworben und damit den Grundstein für unseren Qualitätsanspruch gelegt. Das Unternehmen ist gewachsen und hat sich immer wieder auch räumlich vergrößert. Als nach zehn, zwölf Jahren dennoch die Kapazitätsgrenzen erreicht waren, hat sich mein Vater entschieden, den großen Schritt noch einmal zu wagen: 2012 wurde der Grundstein für unseren Neubau in Worms gelegt. Mittlerweile verfügen wir hier über eine Fläche von 110.000 m2. Bubenheim blieb bis heute als Produktionsstandort für bestimmte Produkte bestehen. Heute ist aus ROWE MINERALÖLWERK eine ganze Unternehmensgruppe mit weltweit 15 Unternehmen geworden.

Wirtschaftsforum: Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Dr. Alexandra Kohlmann: Was mich fasziniert, ist vor allem die Vielseitigkeit unserer Gruppe, und dass wir sensibel und clever mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Ein Unternehmen der Gruppe beschäftigt sich zum Beispiel mit Abwasseraufbereitung. Die Anlagen können auch mit Solarstrom betrieben werden. So könnten sie Dörfer in abgelegenen Regionen mit Trinkwasser versorgen. Ich finde es auch schön zu sehen, wie sich eine Marke entwickeln kann, wie die Mitarbeiter dafür brennen und alle an einem Strang ziehen. Als Gruppe sind wir eine große Familie; für uns zählen auch die Werte einer Familie: der Zusammenhalt, zueinander zu stehen und die Loyalität zum Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Das Thema Nachhaltigkeit würde man nicht unbedingt mit einem Schmierstoffhersteller in Verbindung bringen. Wie setzen Sie es um?

Michael Zehe: Wir sind seit 2017 vollständig CO2-kompensiert, haben eine über 4.000 m2 große Photovoltaikanlage und ein Blockheizkraftwerk, mit dem wir unseren Strom zum größten Teil selbst produzieren. In der Branche sind wir einer der Vorreiter. Mit einer unserer Töchter stellen wir gleich nebenan unsere eigenen Gebinde her und haben dadurch sehr kurze Lieferwege. Seit Anfang des Jahres verwenden wir für die Gebinde 20% wiederverwertete Kunststoff-Abfälle. So erkennt man, dass sich unser nachhaltiges Handeln durch die gesamte Unternehmensphilosophie zieht. Was die Vielseitigkeit angeht: Wir unterhalten auch einen eigenen Rennstall. Das hat nicht nur Marketinggründe. Seit 2011 sind wir mit unserem Team ROWE Racing bei 24-Stunden-Rennen unterwegs. Unser ‘Wohnzimmer’ ist der Nürburgring, wo wir unsere Produkte umfassend testen. Wir nutzen unser Fahrzeug als fahrendes Labor. Man sagt, dass ein Kilometer auf der Nordschleife etwa 20 Kilometern der Belastung im normalen Straßenverkehr entspricht. In 24 Stunden fahren wir rund 4.000 km, das entspricht also 80.000 Straßenkilometern. Die Ergebnisse, die wir dort bekommen, könnten wir in dieser Zeit in keinem Labor der Welt erzielen.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Trend zur E-Mobilität um?

Dr. Alexandra Kohlmann: Das Thema geht auch an uns nicht vorbei. Wir haben uns eine gewisse Technologie-Offenheit verordnet. Denn Trends sind nun einmal da und daher entwickeln wir natürlich Lösungen auch für batteriebetriebene oder mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge. Seitens der Politik wird diese Offenheit leider weniger an den Tag gelegt. Für die E-Mobilität existieren Alternativen, die vielleicht für den Standort Deutschland vorteilhafter wären. Es gäbe zum Beispiel Ansätze, um den Verbrenner am Leben zu erhalten, wie E-Fuels. Würden sie als CO2-neutral anerkannt, würden mehr Raffinerien und namhafte Brands in die Produktion einsteigen. Eines darf nicht vergessen werden: Wenn schon Deutschland es nicht schafft, den Infrastrukturwandel zur E-Mobilität zu stemmen, wie sollen das dann ärmere Regionen bewältigen?

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