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„Vom Öl-Zwerg zur erfolgreichsten Motorölmarke Deutschlands“

Interview mit Ernst Prost, Geschäftsführer der LIQUI MOLY GmbH

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Wirtschaftsforum: Herr Prost, Sie haben das Unternehmen LIQUI MOLY in Ulm-Lehr zu internationaler Größe geführt. Wie kam es dazu und können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?

Ernst Prost: Ja, sehr gut sogar. Am 1. Oktober 1990 wechselte ich zusammen mit Günter Hiermaier, der inzwischen zweiter Geschäftsführer ist, von Neuburg an der Donau Fluss aufwärts nach Ulm. Als Leiter Marketing und Vertrieb fing ich bei LIQUI MOLY an und Günter Hiermaier fungierte als Verkaufsleiter Fachhandel Deutschland. Uns gab es nur im Zweierpack und das ist bis heute so geblieben. Vor 30 Jahren war Günter Hiermaier mein Lehrling, so hießen die Auszubildenden seinerzeit. Seither sind wir unseren beruflichen Weg konsequent gemeinsam gegangen.

Stück für Stück habe ich das Unternehmen von der Eigentümerfamilie abgekauft und wurde 1998 Geschäftsführender Gesellschafter. Ab da haben wir den Turbo eingelegt und in den vergangenen 30 Jahren krempelten wir zwei Bayern das schwäbische Unternehmen gehörig um: Wir stellten den Vertrieb komplett neu auf, erhöhten die Markenbekanntheit mit der ersten TV-Werbekampagne in der mehr als 60-jährigen Firmengeschichte um ein Vielfaches und machten aus dem Öl-Zwerg LIQUI MOLY die beliebteste und nach Umsatz erfolgreichste Motorölmarke in Deutschland.

Wirtschaftsforum: Sie haben Ihre eigenen Anteile an dem Weltkonzern 2017 vollends an die Firma Würth veräußert, führen das Unternehmen aber weiterhin als Geschäftsführer an. Welche Impulse geben Sie LIQUI MOLY in Ihrer Führungsrolle und was treibt Sie nach wie vor an?

Ernst Prost: Würth denkt und tickt wie wir. LIQUI MOLY ist dort bestens aufgehoben und damit auch alle Mitunternehmer, sollte ich plötzlich tot umfallen. Die Zukunft der Firma liegt in den richtigen Händen. Die Besitzverhältnisse sind nun andere, aber Antrieb und Leidenschaft sind wie bisher. Natürlich könnte ich nun eine ruhige Kugel schieben, aber das wäre nicht mein Ding. Vielmehr habe ich gefragt, wann ich am glücklichsten bin. Meine Erkenntnis: Das ist bei der Arbeit, denn LIQUI MOLY ist mein Baby und die Arbeit ist mein Leben. Ich bin Kapitän und Steuermann, bestimme den Kurs und halte unser Firmenschiff auf selbigem. Die See ist rau genug: internationale Handelskonflikte, schwächelnde Volkswirtschaften und nationale Importhürden – Art und Zahl der Herausforderungen sind mannigfaltig. Da muss man bei jedem Wetter seinen Mann stehen und Zuversicht ausstrahlen, auch wenn ein Jahr mit einer verkorksten Softwareeinführung alles andere als nach Maß verläuft. Dann gilt es, wie im vergangenen Jahr zur Aufholjagd zu blasen.

Nicht jeder Tag ist Vergnügen, aber die Arbeit gibt mir sehr viel und LIQUI MOLY und die Menschen, die für die Marke arbeiten, bedeuten mir alles. Wie reich an Eindrücken und Freude unsere weltweite Firmenwelt ist, wird mir jeden Monat bewusst, wenn wir unser Unternehmensmagazin ‚Bilder und Geschichten‘ in der Redaktionskonferenz besprechen.

Wirtschaftsforum: Ihre Firma produziert jährlich mehr als 80 Millionen Liter Motoröle, dazu circa 17 Millionen Dosen Additive und übertrifft dabei regelmäßig die Umsatz-Marke von 500-Millionen, mit einem Exportanteil von zwei Drittel. Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg von LIQUI MOLY aus? Und was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste USP Ihrer Produkte und Ihres Unternehmens?

Ernst Prost: Die Antwort ist für viele verblüffend und dabei ganz simpel: Es sind die Menschen, die tagtäglich ihr Bestes für die Marke und für unsere Kunden geben. Und es sind althergebrachte Tugenden, die immer noch Gültigkeit besitzen, obwohl andere scheinbare hippere Moden kursieren. Aber Fleiß, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit kommen nicht aus der Mode, zumindest nicht bei uns. Und das macht uns zu einem begehrten Geschäftspartner. Als beispielsweise Griechenland von der Eurokrise heimgesucht wurde, haben wir unserem Partner vor Ort die Stange gehalten. Für uns ist das selbstverständlich. Genauso gegen den Trend agieren wir in Krisenzeiten. Die meisten Unternehmen neigen in schweren Zeiten zu reflexartigem Handeln: Kosten runter, Personal reduzieren – und alles wird gut. Ich bin der Überzeugung, dass Entlassungen kein probates Mittel bei Krisen sind. Wir gehen den umgekehrten Weg: Wenn Probleme da sind, benötigt man noch mehr Menschen, um die Probleme zu lösen. Also stellen wir ein.

Unser USP? Ganz klar die Menschen, die weltweite LIQUI MOLY Familie, die zum Wohle des Kunden an einem Strang zieht. Als Qualitätsmarke sind sämtliche Produkte von Spitzenqualität und stehen für das gute Made in Germany – ohne Schummeln, ohne Tricksen. Das Besondere ist dabei, dass die Kundenbeziehung mit dem Verkauf der Produkte nicht endet, sondern erst anfängt. Ob apparative Ausrüstung zur Verarbeitung, Verkaufskonzepte, um den Absatz anzukurbeln, Außenwerbung und andere Maßnahmen am Point of Sale, unser Servicetelefon und der Ölwegweiser. Das Angebot ist groß und es wird dankend angenommen und genutzt.

Wirtschaftsforum: Außerhalb des eigentlichen Kerngeschäfts ist LIQUI MOLY im Sportsponsoring sehr aktiv. Neben Motorsport zählen hierbei auch Wintersport oder Ballsportarten zu Ihrem Marketingportfolio. Als echten ‚Sponsoring-Coup‘ kann man jedoch die Kooperation mit dem weltweit bekannten, nordamerikanischen NBA-Team Chicago Bulls sowie die Namensrechte-Partnerschaft mit der Handball-Bundesliga bezeichnen. Was versprechen Sie sich von solchen Kooperationen? Und wie kam es zum Beispiel zu einem internationalen Sponsoring-Engagement wie mit dem NBA-Team aus Chicago?

Ernst Prost: Sponsoring verfolgt immer zwei Ziele: Es soll einerseits eine Marke bekannt machen respektive deren Bekanntheit vergrößern und andererseits den Absatz der Produkte dieser Marke ankurbeln. Genau das erhoffen wir uns von unseren Engagements in der Sportwelt. Es ist also kein Nebenkriegsschauplatz oder ein anderes Geschäftsfeld, sondern dient originär dazu, unser Kerngeschäft weiter anzukurbeln.

Die Chicago Bulls sind eine der bekanntesten Sportmarken weltweit und damit ein prädestinierter Partner mit dem schönen Nebeneffekt, dass dieses Engagement nicht nur unserem Geschäft in den USA beziehungsweise in Nordamerika zu Gute kommt, sondern weltweite Strahlkraft besitzt. Vorangegangen ist die bestehende Partnerschaft in einer anderen der vier großen amerikanischen Sportligen, der National Hockey League. Dort werben wir bei den Los Angeles Kings im Staples Center. Und dort haben wir sozusagen unseren Fuß auf den nordamerikanischen Werbemarkt gesetzt. Von da an sind die Anfragen wie von selbst gekommen, darunter die der Chicago Bulls. Geografisch stellt es eine sinnvolle Ergänzung dar, weil wir so an der West- und nun auch an der Ostküste der USA vertreten sind. Die Zusammenarbeit mit dem Team aus Los Angeles hat unser Partner Eisbären Berlin in der Deutschen Eishockeyliga ins Rollen gebracht. Die Mannschaft aus Berlin gehört wie die Kings zur Anschutz Entertainment Group.

Das Sponsoring einer kompletten Liga wie der im Handball hat den Vorteil, dass wir an jedem Spieltag in allen Stadien vertreten sind und wir nicht ausschließlich die Fans einer Mannschaft ansprechen, sondern die einer ganzen Sportart, also teamübergreifend. Die Handball Bundesliga ist in dieser Hinsicht unser Versuchsfeld. Im Handball sind wir als Sponsor internationaler Wettkämpfe schon seit längerer Zeit bekannt, so auch in der diesjährigen Europameisterschaft.

Wirtschaftsforum: Neben Ihrer unternehmerischen Leidenschaft sind Sie unter anderem mit Ihrer Ernst-Prost-Stiftung aktiv. Für was setzt sich Ihre Stiftung ein? Und sollten Unternehmer und die Wirtschaft im Allgemeinen aus Ihrer Sicht mehr für soziale Projekte tun?

Ernst Prost: In der Welt liegt so viel im Argen, dass es natürlich gut ist, wenn sich mehr Unternehmer und Unternehmen (noch mehr) engagieren. Mir persönlich habe ich zum Ziel gesetzt, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen. Das geschieht über die Ernst-Prost-Stiftung. Eine zweite Stiftung, die Ernst Prost Foundation for Africa unterstützt Menschen, vor allem Kinder in Afrika. Dort kann man mit vergleichsweise wenig Geld viel bewirken und mit viel Geld entsprechend mehr, wenn man es richtig einsetzt.

Meine Stiftungen, dazu zählt als drittes die Stiftung Frieden für Menschen – Menschen für Frieden, sind sehr schlank aufgestellt und das ganz bewusst, damit wirklich jeder gespendete Cent direkt in den jeweiligen Projekten ankommt. Gemeinsam mit meiner Partnerin Kerstin und meinem Sohn Benjamin kümmere ich mich ehrenamtlich um die Stiftungsarbeit.

Frieden in der Welt klingt nach einem weiten Feld – und das ist es auch. Wir möchten zwischen den Nationen und den Religionen vermitteln und uns für eine andere Aufgabe stark machen, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: Integration. Das halte ich für wichtig, schließlich bin ich selbst ein Flüchtlingskind und weiß welche Bürde damit verbunden ist.

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