Roboter auf dem Vormarsch: Industrielle Automatisierung im globalen Vergleich

Industrielle Automatisierung

Anzahl der Roboter nimmt weltweit zu

Will man den Automatisierungsgrad verschiedener Länder vergleichen, so kommt man um eine Kennzahl nicht herum: die Roboterdichte. Diese wird jedes Jahr von der International Federation of Robotics mit Sitz in Frankfurt ermittelt. Die Non-Profit-Organisation ist das Sprachrohr dieses Industriebereichs, sie forscht und erhebt Daten, macht Vorteile sichtbar und vernetzt Mitglieder. Laut Präsident Milton Guerry ergebe sich die Roboterdichte aus der Anzahl an Industrie-Robotern im operativen Bestand eines Landes in Relation zu den Mitarbeitern. Ende Jänner wurde der aktuelle Bericht veröffentlicht. Das Ergebnis: Mit durchschnittlich 113 Industrie-Robotern pro 10.000 Mitarbeitern hat die Roboterdichte im produzierenden Gewerbe einen neuen Höchstwert erreicht. Zum Vergleich: 2018 lag dieser Wert noch bei 74.

Westeuropa und Skandinavien im Spitzenfeld

Wirft man einen genaueren Blick auf die Statistik, so zeigt sich, dass speziell Westeuropa mit 225 Einheiten und die skandinavischen Länder mit 204 Einheiten über die am stärksten automatisierte Fertigung verfügen. Dahinter rangieren Nordamerika mit 153 Einheiten und Südostasien mit 119 Einheiten. Aufgeschlüsselt nach Ländern ergibt sich folgendes: Die Nation mit der bislang umfassendsten automatisierten Produktion ist Singapur. Auf den Plätzen zwei und drei befinden sich Südkorea und Japan. Knapp nicht mehr aufs Treppchen schafft es Deutschland, gehört aber damit ebenfalls zu den Top-5. Die Reihung setzt sich fort mit Schweden, Dänemark, Hong Kong, Taiwan, USA und Belgien/Luxemburg. Das Nachbarland Österreich hat es in dieser Statistik unter die Top-15 geschafft. Dort zählt beispielsweise das Unternehmen Lenze zu den führenden Automatisierungsspezialisten.

Elektronikbranche boomt

Singapur und Südkorea liefern sich seit Jahren ein Wettrennen um den ersten Platz. Durfte Südkorea diesen 2018 noch für sich beanspruchen, so tauschten die Nationen 2021 die Plätze. Was ist es nun, dass Singapur auf den ersten Platz vorrücken ließ? Die Antwort lautet ganz klar: die Elektronikindustrie. Mit einem Anteil von 75 Prozent des operativen Bestands spielt sie die wichtigste Rolle. Industrie-Roboter kommen in diesem Bereich vor allem bei der Fertigung von Halbleitern und Computerperipheriegeräten zum Einsatz. Insgesamt verfügt Singapur über eine Roboterdichte von 918 pro 10.000 Beschäftige. Aber auch Südkorea bleibt mit 868 Robotereinheiten stark. Die Nation ist Marktführer im Bereich von LCDs und Speicherchips und bedeutender Player im Bereich der Automobilindustrie sowie der Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge. Mit 364 Robotern ist beim Drittplatzierten Japan im Vergleich dazu noch etwas Luft nach oben. Doch auch hier steigt die Roboterdichte stetig an. Japan ist sogar der weltweit größte Hersteller von Industrie-Robotern selbst – 47 Prozent aller Industrie-Roboter der Erde erblickten in Japan das Licht der Welt. Mit anderen Worten: Hier werden Roboter von Robotern produziert. Und auch hier ist es die Elektronik- und Elektro-Branche, die den Ton angibt: Sie beansprucht 34 Prozent aller Roboter für sich. Der Rest teilt sich auf die Automobilindustrie und die Metall- und Maschinenbauindustrie auf. Die Marktführer der Industrieroboter-Branche sind Fanuc, ABB, Yaskawa und Kuka.

Deutsche Automobilindustrie spielt wichtige Rolle

Deutschland ist wiederum eines der größten Abnehmerländer von Robotern. Ganze 38 Prozent des europäischen Roboterbestands befinden sich in den Produktionshallen der Nation. Wichtigster Bereich dabei: die Automobilindustrie. Hier nimmt nicht nur die Roboteranzahl stetig zu, sondern auch die der Mitarbeiter.

Ausgelagerte Produktion zurückholen

Wurden vor ein paar Jahrzehnten Produktionen vielerorts in andere Länder ausgelagert, um Kosten zu sparen, so könnten Entwicklungen wie diese ein gegenteiliges Bestreben befeuern: Nämlich das erneute Rückholen der ausgelagerten Fertigungen ins Ursprungsland. So geschehen bei einer Metallbaufirma in Ostösterreich. Besonders aufwendige Produktionsschritte, wie das Schleifen und Polieren von Metallteilen, hatte diese Firma bislang in Ungarn umsetzen lassen. Dann leistete man sich einen Roboter. Und die Produktivität stieg. Damit konnten die ausgelagerten Bereiche schließlich nach Österreich zurückgeholt werden. Eine in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführte Studie, die sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Industrierobotern, Produktionsplanungssystemen und anderen automatisierten Systemen und Rückverlagerungen beschäftigte, bestätigt dies: Demnach könne die Industrie 4.0 die Produktivität von Unternehmen wesentlich erhöhen. Zeitgleich gehe damit ein hoher Grad an Flexibilität einher. Moderne Technologien erlauben künftig idealerweise die Herstellung individueller Produkte mit den Kostenvorteilen einer Serienproduktion. Momentan ist das Rückverlagern noch ein eher seltenes Phänomen – nur fünf bis sechs Prozent aller österreichischen Industrieunternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern haben 2013 und 2014 beispielsweise ihre Produktion zurückgeholt. Doch die Branche entwickelt sich rasant und was heute noch undenkbar erscheint, könnte morgen bereits Realität sein.

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