„Wir denken stets aus der Sicht der Anwender!“

Interview mit Stefan Wahle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wolters Kluwer Tax & Accounting GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wahle, neben Fachinformationen und Software-Lösungen für das Gesundheitswesen, den Law-and-Regulatory-Bereich, das Risikomanagement von Banken und das Themenspektrum ESG engagiert sich Wolters Kluwer insbesondere im Tax-and-Accounting-Segment – welche Zielgruppen haben Sie dabei genau im Blick?

Stefan Wahle: In allen Märkten in Nordamerika, Europa und Asien, in denen wir aktiv sind, bieten wir professionelle Lösungen für sämtliche Abläufe in der Buchführung von der Lohnabrechnung bis hin zum Jahresabschluss an. Damit richten wir uns sowohl an den Berufsstand der Steuerberater bzw. ihre Äquivalente wie die Accountants in den USA als auch – ganz besonders in Deutschland – an mittelständische Unternehmen, die unsere Lösungen direkt intern einsetzen. Darüber hinaus unterstützen wir die Steuerberater durch zielgerichtete Software-Elemente in der Organisation ihrer Kanzleien, etwa beim Führen der Fristenkalender, sowie bei der Zusammenarbeit mit ihren Mandantinnen und Mandanten.

Wirtschaftsforum: Wie lokalspezifisch müssen Ihre Lösungen angesichts der stark national geprägten regulatorischen Rahmenbedingungen dabei ausfallen?

Stefan Wahle: Natürlich können wir eine Lösung für die Lohnbuchhaltung, die wir für den deutschen Markt entwickelt haben und dort zertifizieren ließen, nicht einfach in dieser Form in Italien oder UK einsetzen. Doch sobald wir den Compliance-relevanten Bereich verlassen, ist es uns möglich, bestimmte Module in sehr ähnlicher Form Länder-übergreifend anzubieten – dies betrifft beispielsweise Vorsysteme in der Finanz- und Lohnbuchhaltung , mit denen Daten aus Belegen generiert werden, oder Anwendungen zur Optimierung kanzleiinterner Prozesse.

Wirtschaftsforum: Welche Weiterentwicklungen verfolgt Wolters Kluwer bei seinen Tax-and-Accounting-Lösungen derzeit?

Stefan Wahle: Wir wollen die Abläufe stets konsequent aus der Sicht der Anwender denken. Schon seit längerer Zeit haben die meisten Steuerkanzleien in Deutschland stark mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen – Ziel muss es also sein, die organisatorischen Prozesse weitgehend zu automatisieren. Gleichzeitig wollen wir mit unserer Software dazu beitragen, dass unsere Kunden flexibel auf wichtige Novellen reagieren können – etwa die E-Rechnung, die in Deutschland ab dem 1. Januar 2025 schrittweise eingeführt wird. Ferner ergeben sich aus dem Generationswechsel, den viele Kanzleien derzeit durchleben, zahlreiche Veränderungen: So wollen jüngere Anwender den Kunden-Support vornehmlich nicht mehr telefonisch oder per E-Mail kontaktieren, sondern idealerweise in der bestehenden Software-Umgebung ein Ticket erstellen, bei dem alle relevanten Daten automatisch an den besten Fachexperten aus unserem Team übertragen werden, der das jeweilige Problem dann unverzüglich lösen kann.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen ergeben sich aus den aktuellen Entwicklungen in den Steuerberaterkanzleien für Ihre Software-Umgebung?

Stefan Wahle: Im Alltag muss dasselbe Programm sowohl auf die Anforderungen eines ausgewiesenen Experten zugeschnitten sein, der sich allein mit den schwierigsten Abrechnungsfragen beschäftigt, als auch auf Anwender, die mit deutlich geringeren Vorkenntnissen wesentlich einfachere Sachverhalte abarbeiten. Die zunehmend komplexer werdenden Anforderungen unserer Kunden erhöhen zudem den Druck auf uns, unsere Lösungen mit schnelleren Go-to-Markets zu optimieren. Dazu haben wir bei Wolters Kluwer nun entsprechende Regionalcluster gebildet, in deren Rahmen wir uns transnational austauschen können – mit unmittelbar erkennbaren Synergien. Der Slogan – „Be the Difference“ soll dabei allen bereits bestehenden und zukünftigen Mitarbeitenden als wirkmächtiges Leitmotiv dienen: Wir wollen ihnen die Freiräume eröffnen, damit sie sich mit all ihrem Wissen und all ihrer Erfahrung bei uns einbringen können. Interne Incentives wie unseren „Innovation Award“, für den kürzlich über 500 Bewerbungen eingereicht wurden, unterstreichen unsere hohen fachlichen Ambitionen nachhaltig – wodurch wir insbesondere für besonders qualifizierte und engagierte Expertinnen und Experten attraktiv sind.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Spannendes aus der Region Landkreis Ludwigsburg

Effizienz mit klaren Strukturen

Interview mit Tilla Schröder, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der profiforms gmbh

Effizienz mit klaren Strukturen

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck und müssen ihre Prozesse schneller, effizienter und zugleich rechtssicher gestalten. Die profiforms gmbh aus Leonberg entwickelt Lösungen für das Customer Communication Management. Sie verbindet Input-…

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

Das Herz der digitalen,­­ ­vernetzten Zahnarztpraxis

Interview mit Wilhelm Baumeister, Produktmanager der solutio GmbH & Co. KG

Das Herz der digitalen,­­ ­vernetzten Zahnarztpraxis

Schon seit Jahrzehnten vertrauen viele Zahnarztpraxen auf charly, das schlagkräftige Praxisverwaltungssystem von solutio. Nicht nur durch die vielfältigen Möglichkeiten der KI konnte das Unternehmen seine Lösungen in letzter Zeit deutlich…

Das könnte Sie auch interessieren

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Der etwas andere Problemlöser

Interview mit Christian Heidler, Vorstand der hmd-software AG

Der etwas andere Problemlöser

Schreibmaschine, Taschenrechner, Locher und Papierstapel statt Dashboard. Vor 40 Jahren war das Rechnungswesen papierlastig, analog und zeitaufwändig. Heute sorgen Digitalisierung und künstliche Intelligenz dafür, dass viele Prozesse effizienter, schneller und…

Regulierung aus einer Hand

Interview mit Florian Clever, Gründer und CEO der cleversoft group

Regulierung aus einer Hand

Finanzinstitute müssen immer mehr regulatorische Vorgaben erfüllen und zugleich ihre digitalen Angebote weiterentwickeln. Die cleversoft group unterstützt weltweit mehr als 1.200 Banken, Versicherungen, Asset Manager und weitere Finanzinstitute mit cloudbasierten…

TOP