Wir brauchen Investitionen in Individuen, Innovationen und Infrastruktur

Interview mit Dr. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Schweitzer, wie würden Sie die gegenwärtige Rolle des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) definieren?

Dr. Eric Schweitzer: Der DIHK vertritt die Interessen der Wirtschaft gegenüber Bundesregierung und Europäischer Kommission. Er ist die Dachorganisation der 79 stark in der regionalen Wirtschaft verankerten Industrie- und Handelskammern, die vor Ort die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen in die Politik einbringen. Mit dem DIHK bieten die IHKs ihren Mitgliedern eine schnelle Leitung von der unternehmerischen Praxis zu den politischen Entscheidern in Berlin und Brüssel. Wir stehen insgesamt als Kammerorganisation für die Verbindung von regionaler Verankerung und globalem Anspruch der deutschen Wirtschaft.

Dr. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)
„Wir brauchen Investitionen in Individuen, Innovationen und Infrastruktur.“ Dr. Eric SchweitzerPräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Wirtschaftsforum: Sie sind auf der letzten Vollversammlung als Präsident wiedergewählt worden. Welche Vorsätze haben Sie für die nächste vierjährige Amtszeit?

Dr. Eric Schweitzer: Ich mag es gerne konkret: Wir brauchen Investitionen in Individuen, Innovationen und Infrastruktur. Das bringt unsere Wirtschaft und damit unser ganzes Land voran. Mit diesem Plädoyer will ich mir nicht nur in der Politik Gehör verschaffen. Dafür tun wir auch in unserer IHK-Organisation selbst viel: In der Aus- und Fortbildung sowie bei der Sicherung von Fachkräften wollen wir noch besser werden. Mir ist es außerdem ein großes Anliegen, dass die EU wieder enger zusammenrückt.

Wirtschaftsforum: Gibt es Unternehmertugenden, von denen Sie in Ihrem Amt als Präsident des DIHK profitieren?

Dr. Eric Schweitzer: Ich hoffe, es ist vor allem Kundenorientierung. Die Kunden der IHKs sind die Mitglieder, die allesamt Unternehmer sind. Hinzu kommen auch eine hohe Belastbarkeit und die Bereitschaft, die eigene Organisation zur kontinuierlichen Verbesserung immer wieder konstruktiv in Frage zu stellen.

Dr. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)
„Da DIHK-Präsident ein Ehrenamt ist, bin ich auch weiterhin mit Leib und Seele Unternehmer.“ Dr. Eric SchweitzerPräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, den Kontakt zum wirtschaftlichen Tagesgeschäft der Mitgliedsunternehmen mit seinen Sorgen und Nöten zu halten?

Dr. Eric Schweitzer: Da DIHK-Präsident ein Ehrenamt ist, bin ich auch weiterhin mit Leib und Seele Unternehmer. Ich bleibe also selbst mit der Praxis verbunden. Unsere Organisation ist zudem selbst ganz dicht dran an den Sorgen und Nöten der Unternehmen: Ich habe seit meinem Amtsantritt dreißig AHKs und bald 50 IHKs besucht. Dort treffe ich sehr viele ehrenamtlich engagierte Unternehmer. Wir sind ein riesiges Netzwerk mit engem Kontakt zum Tagesgeschäft.

Dr. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)
„Dass deutsche Produkte so stark gefragt sind, ist eine Folge ihrer hohen Qualität. Deshalb entscheiden sich Kunden aus aller Welt dafür.“ Dr. Eric SchweitzerPräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Wirtschaftsforum: Stimmen aus dem Ausland stellen Deutschlands Exportstärke immer wieder als ein Negativum dar. Was würden Sie dem entgegenhalten?

Dr. Eric Schweitzer: Dass deutsche Produkte so stark gefragt sind, ist eine Folge ihrer hohen Qualität. Deshalb entscheiden sich Kunden aus aller Welt dafür. Im Übrigen investiert Deutschland einen Teil seines Exportüberschusses im Ausland. Damit schaffen wir auch in aller Welt allein in diesem Jahr mindestens 200.000 neue Arbeitsplätze. Das wiederum sichert Beschäftigung auch bei uns zuhause – und in den Ländern, deren Regierungen uns für ihr Leistungsbilanzdefizit verantwortlich machen.

Interview: Markus Büssecker
Fotos: DIHK / Nils Hasenau, Thomas Kierok

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