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Teil 1: Stil haben, grün sein – mit Kleidung aus Holzfasern

Interview mit Timo Beelow, Gründer und Geschäftsführer der wijld GmbH

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Wirtschaftsforum: Stil haben, grün sein – das ist Ihr Motto. Inwiefern ist es der Ökobilanz zuträglich, wenn wir unsere Kleidung aus Holz statt aus Baumwolle oder Polyester fertigen?

Timo Beelow: Weltweit wird ungefähr 60% unserer Kleidung aus Polyester hergestellt. Dabei ist Polyester erdölbasiert und letzten Endes nichts anderes als Plastik. Die dadurch verursachten Umweltprobleme dürften aus der umfangreichen Medienberichterstattung hinlänglich bekannt sein. Klar ist, dass wir unseren Plastikverbrauch unbedingt reduzieren müssen und erst recht nicht fördern dürfen.

Auch halten viele Kleidung aus Baumwolle irrtümlich für nachhaltig, weil es sich dabei um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Aber zur Herstellung konventioneller Baumwolle werden enorme Mengen an Wasser und giftigen Chemikalien in Form von Pestiziden und Düngemitteln benötigt. Holz ist also eindeutig die bessere Alternative: Verglichen mit konventioneller Baumwolle sparen wir bei einem einzigen T-Shirt 1.000 l Wasser, circa 150 ml chemische Substanzen und circa 600 bis 700 g CO2 ein. 

Wirtschaftsforum: Wie unterscheidet sich Kleidung aus Holzfasern im Tragekomfort von Kleidung aus Baumwolle oder Polyester?

Timo Beelow: Holzfasern nehmen sehr viel Feuchtigkeit auf und können sie auch sehr schnell wieder abgeben. Dadurch ist unser Wood-Shirt deutlich atmungsaktiver als herkömmliche Produkte. Dieser Umstand entfaltet auch eine antibakterielle Wirkung: Bakterien brauchen immer ein feuchtes Milieu, um sich zu vermehren, und je mehr sich die Bakterien vermehren, desto mehr Gerüche entstehen. Bei den Kleidungsstücken von Wijld wird diese Feuchtigkeit von den Holzfasern aufgenommen, nach außen transportiert und dort abgegeben, und der Träger fühlt sich viel länger frisch.

Wirtschaftsforum: Wie unterscheidet sich der Herstellungsprozess verglichen mit der Kleidungsproduktion aus „traditionelleren“ Stoffen?

Timo Beelow: Die Herstellung unterscheidet sich nur im Prozess der Fasergewinnung. Am Anfang steht bei uns natürlich der Baum, der immer aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Dessen Holz wird gehäckselt und die Zellulose aus den dabei entstandenen kleinen Spänen herausgelöst. Anschließend wird sie mit einem organischen und ungiftigen Lösemittel vermengt. Dabei entsteht eine honigartige Masse, die durch Spinndrüsen gepresst wird. So entstehen kleine Endlosfasern, aus denen wir Garn herstellen. Der weitere Produktionsverlauf ist analog zur Herstellung von anderen Fasern.

Wirtschaftsforum: Hinter Ihrem Unternehmen steht ein großes ökologisches Engagement. Woher kommt Ihre besonders starke Motivation, sich auch unternehmerisch für den Schutz der Umwelt einzusetzen?

Timo Beelow: In den ersten 15 Jahren des neuen Jahrtausends hat sich der Konsum im Textilsegment fast verdoppelt. Diese Verdoppelung führt mitunter dazu, dass enorm viel weggeworfen wird. Mit dieser Fast Fashion wollen wir uns nicht identifizieren und wir glauben, dass es viele Menschen gibt, die dazu gerne eine Alternative hätten. Dementsprechend haben wir uns Gedanken gemacht, was wir diesbezüglich leisten können. Wir sind der Meinung, dass wir als Gesellschaft mit dem bisweilen stark beworbenen Konsum nicht in die Zukunft gehen können. Unser Ansatz bei Wijld war von Anfang an: Wir fertigen fair, wir fertigen umweltfreundlich und wir fertigen lokal, zu 100% in der Europäischen Union.

„Unser Ansatz bei Wijld war von Anfang an: Wir fertigen fair, wir fertigen umweltfreundlich und wir fertigen lokal, zu 100% in der Europäischen Union.“ Timo Beelow
Timo Beelow

Wirtschaftsforum: Wieso ist es Ihnen so wichtig, Ihre Produkte ausschließlich in der Europäischen Union zu fertigen?

Timo Beelow: Durch unsere Fertigung in der EU haben wir die Möglichkeit, die Transportwege kurz zu halten. Wichtiger ist aber noch, dass wir so guten Gewissens unter sozialverträglichen Bedingungen fertigen und sie auch nachvollziehen und kontrollieren können. Würden wir in Asien fertigen, ob „fair“ oder in den erschreckenden konventionellen Sweat-Shops, wäre es uns nicht nur wegen der großen räumlichen Entfernung unmöglich, zu gewährleisten, dass unsere hohen Standards auch vor Ort gelebt werden. Deshalb wollten wir unsere Produkte lokal herstellen – dort, wo die Kleidung auch konsumiert wird. Wenn wir FÜR Europa produzieren, wollen wir auch IN Europa produzieren.

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