„Wir haben den Photovoltaik-Investmentmarkt digitalisiert“
Interview mit Andreas Köhler, General Director bei der MTS Solar Portal L.L.C

Wirtschaftsforum: Herr Köhler, die Geschichte von Milk the Sun begann schon lange vor der Übernahme der Plattform. Welche Stationen waren entscheidend?
Andreas Köhler: Rückblickend ergibt alles ein stimmiges Bild. Ich war zunächst im Immobilienbereich tätig und später im Photovoltaik-Investmentgeschäft. Damals wusste ich natürlich nicht, wohin die Reise einmal führt. Heute erkenne ich, dass jedes Puzzleteil wichtig war. Ohne die Erfahrungen aus Immobilien- und Solarprojekten hätten wir Milk the Sun niemals erfolgreich weiterentwickeln können.
Wirtschaftsforum: Der Kauf von Milk the Sun vor drei Jahren war dann der entscheidende Schritt?
Andreas Köhler: Definitiv. Die Plattform war in der Branche seit 2012 etabliert und jeder kannte den Namen. Wirtschaftlich lief das Unternehmen jedoch nicht erfolgreich. Wir haben das Potenzial erkannt und beschlossen, alles auf diese Karte zu setzen.
Das war ein enormes Risiko, aber rückblickend die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Seit der Übernahme konnten wir das Transaktionsvolumen über die Plattform etwa verzehnfachen.
Wirtschaftsforum: Was haben Sie verändert?
Andreas Köhler: Eigentlich alles. Die Plattform wurde technisch komplett neu aufgebaut und sämtliche Prozesse digitalisiert. Früher war Milk the Sun eher ein Anzeigenportal. Heute begleiten wir Käufer und Verkäufer durch den gesamten Prozess. Damit schaffen wir Transparenz, Geschwindigkeit und Sicherheit für alle Beteiligten. Genau dieser zusätzliche Service unterscheidet uns heute von einem klassischen Anzeigenportal.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für Ihr Geschäftsmodell?
Andreas Köhler: Eine zentrale. Als ich vor rund zehn Jahren in die Branche kam, wurden Kaufverträge noch per Post verschickt und viele Investments persönlich am Küchentisch verkauft. Heute kann ein Investor über unsere Plattform Projekte finden, vergleichen und Verträge digital abschließen. Wir haben den Photovoltaik-Investmentmarkt konsequent digitalisiert und damit deutlich effizienter gemacht.
Wirtschaftsforum: Dabei vermitteln Sie längst nicht nur fertige Solarparks.
Andreas Köhler: Genau. Über die Plattform werden weltweit Solarparks, Projektrechte und verschiedene Photovoltaik-Investments vermittelt. International stellen wir vor allem die digitale Infrastruktur bereit. In Deutschland gehen wir deutlich weiter und begleiten Verkäufer und Investoren während des gesamten Prozesses. Das reicht von der Projektbewertung über die Finanzierung bis zur Vertragsabwicklung.
Wirtschaftsforum: Welche Zielgruppen sprechen Sie an?
Andreas Köhler: Auf der einen Seite Projektentwickler und Bauträger, die Solarprojekte vermarkten möchten. Auf der anderen Seite Investoren. In Deutschland gehören zunehmend Unternehmer, gut verdienende Angestellte und Selbstständige dazu, die in Solarparks investieren und gleichzeitig steuerliche Vorteile nutzen möchten.
Wirtschaftsforum: Die Solarbranche hat zuletzt einige Turbulenzen erlebt. Wie haben Sie diese Entwicklung wahrgenommen?
Andreas Köhler: Besonders das Dachanlagensegment wurde Anfang 2025 durch das sogenannte Solarspitzengesetz stark getroffen. Viele Projekte verloren schlagartig ihre Wirtschaftlichkeit, zahlreiche Unternehmen gerieten unter Druck. Für uns war es ein Glücksfall – oder auch einfach Intuition –, dass wir bereits 2023 unseren Schwerpunkt auf die Plattform und größere Solarparkprojekte verlagert hatten. Sonst hätte uns dieser Umbruch ebenfalls hart getroffen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie aktuell die spannendsten Investitionsmöglichkeiten?
Andreas Köhler: Ganz klar bei der Kombination von Solarparks und Batteriespeichern. Speicher sind der Schlüssel für stabile Netze und machen viele Projekte wirtschaftlich attraktiver als jemals zuvor. Deshalb sehen wir dort aktuell die größte Dynamik und das mit erheblichem Wachstumspotenzial.
Wirtschaftsforum: Heute wird ein großer Teil des Unternehmens von Dubai aus gesteuert. Wie kam es dazu?
Andreas Köhler: Ursprünglich wollten wir dort lediglich ein Ferienappartment mieten. Vor Ort haben wir dann festgestellt, wie viele Chancen der Standort bietet. Besonders beeindruckt hat uns die Verfügbarkeit qualifizierter deutschsprachiger Fachkräfte. Daraus entstand zunächst ein kleines Team und schließlich ein zweiter Unternehmensstandort. Heute leben wir mit unserer Familie in Dubai und bauen unser internationales Geschäft von dort weiter aus.
Wirtschaftsforum: Trotz aller Digitalisierung betonen Sie immer wieder den persönlichen Faktor.
Andreas Köhler: Weil Menschen investieren und nicht Maschinen. Unsere Plattform ist digital, aber dahinter steht ein Team aus Experten, das Investoren begleitet und Fragen beantwortet. Viele Kunden kommen mit wenig Erfahrung zu uns und treffen anschließend gut informierte Investitionsentscheidungen. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil unseres Mehrwerts.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Andreas Köhler: Mich motiviert die Überzeugung, mit unserer Arbeit etwas Sinnvolles zu schaffen. Ohne uns hätten tausende Transaktionen in Milliardenhöhe nie stattgefunden und jede davon hat dabei geholfen, die Welt ein Stück sauberer und die Energieerzeugung nachhaltiger zu gestalten, um so eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu schaffen.











