Intelligente Automatisierung für die Zukunft
Interview mit Olaf Kappler, Geschäftsführer der Solectric GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kappler, Drohnen und Roboter übernehmen heute Aufgaben, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren. Wie hat Solectric diese Entwicklung aufgegriffen und sich dabei selbst verändert?
Olaf Kappler: Unser Unternehmen wurde Mitte der 1980er-Jahre gegründet und beschäftigte sich zunächst mit Solartechnik. Vor rund 17 Jahren übernahm Denis Hausberger Solectric und stellte das Geschäft auf maßgeschneiderte LED-Beleuchtungslösungen um. Ich kam vor etwa 15 Jahren dazu und brachte Erfahrungen aus der Automobilindustrie sowie mit einem eigenen Onlineshop für ferngesteuerte Modelle und Drohnen mit. Als Denis Hausberger auf einer Geschäftsreise nach China mit dem Hersteller DJI in Kontakt kam, beschlossen wir, uns intensiver mit der Drohnentechnologie zu beschäftigen. Wir erkannten ihr Potenzial über den Modellbau hinaus und erschlossen zunächst den Foto- und Filmmarkt. Später kamen industrielle Anwendungen sowie Einsätze bei Polizei und Rettungsdiensten hinzu. Heute entwickeln wir intelligente Gesamtlösungen, beschäftigen rund 100 Mitarbeitende und erzielen einen Umsatz von etwa 115 Millionen EUR.
Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Lösungen aus, und wo kommen sie zum Einsatz?
Olaf Kappler: Wir verkaufen keine einzelne Hardware, sondern liefern Antworten auf komplexe operative Aufgaben. Unser Ansatz basiert auf der nahtlosen Integration: Wir kombinieren Drohnen, Bodenrobotik, Sensorik und Kamerasysteme mit unserer eigenen Software CyberXHub. Ergänzt durch individuelle Konfiguration, Schulung und verlässlichen Service bieten wir ganzheitliche Lösungen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die automatisierte Überwachung in Solarparks: Drohnen prüfen per Thermografie den technischen Zustand der Paneele und übernehmen die Perimeterüberwachung. Löst eine Sensorik Alarm aus, startet die Drohne automatisiert zur Verifikation und streamt das Live-Lagebild direkt in die Leitstelle. Am Boden unterstützen zeitgleich Bodenroboter, indem sie beispielsweise Kabeltrassen und schwer zugängliche Bereiche unter den Modulen inspizieren.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei Ihre eigene Softwareentwicklung?
Olaf Kappler: CyberXHub ist das Herzstück unseres Lösungsansatzes. Während Betreiber früher für Drohnen, Roboter und Kameras verschiedene Apps und Portale bedienen mussten, führt unsere in Deutschland entwickelte Plattform alle Systeme auf einer einzigen Oberfläche zusammen. Über integrierte KI-Module planen wir automatisierte Missionen und verknüpfen Alarme direkt mit Reaktionen. Ein entscheidender Faktor bei kritischen Infrastrukturen ist die Datensouveränität. Unsere Kunden entscheiden selbst, ob CyberXHub in der Cloud oder komplett on-premise im eigenen Rechenzentrum läuft. Sensible Bild- und Geodaten verbleiben so zu 100% im geschützten Netzwerk des Kunden. Während wir als Hardware- und Systemintegrator vor allem in der DACH-Region agieren, vermarkten wir CyberXHub als globale Softwareplattform. Zusammen mit unseren Standorten in Ubstadt-Weiher, Shenzhen und Bangkok sowie einem internationalen Partnernetzwerk begleiten wir Kunden weltweit bei der Automatisierung ihrer Inspektions- und Sicherheitsprozesse.
Wirtschaftsforum: Zu Ihren Kunden gehören auch Behörden und Rettungsorganisationen. Wie unterstützen Sie diese bei ihrer Arbeit?
Olaf Kappler: Unsere Lösungen kommen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten zum Einsatz. Drohnen helfen bei der Suche nach Vermissten oder liefern bei Bränden frühzeitig wichtige Informationen für die Einsatzkräfte. Weitere Anwendungen sind die Vermessung von Gelände und Gebäuden, die Erstellung von 3D-Modellen sowie Sicherheits- und Überwachungsaufgaben.
Wirtschaftsforum: Sie setzen zunehmend auch auf Robotik. Wo sehen Sie hier die größten Möglichkeiten?
Olaf Kappler: In der Robotik sehe ich enormes Zukunftspotenzial. Roboter können dort eingesetzt werden, wo Drohnen an ihre Grenzen stoßen, und beispielsweise Kontrollgänge oder Inspektionen übernehmen. Doch die Anwendungsmöglichkeiten gehen weit darüber hinaus. Wir erhalten Anfragen zur Reinigung von Flughäfen und Industriegebäuden oder zur Automatisierung körperlich belastender Arbeiten, etwa in Großbäckereien, wo Mitarbeitende hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Auch in der Altenpflege entstehen neue Einsatzmöglichkeiten.
Wirtschaftsforum: Flexibilität und schnelle Entscheidungen scheinen für Solectric wichtige Erfolgsfaktoren zu sein.
Olaf Kappler: Ich habe in der Automobilindustrie erlebt, wie langsam Entscheidungsprozesse in großen Unternehmen werden können. Wir halten unsere Strukturen bewusst schlank. Solectric verfügt über ein gutes Netzwerk, kurze Entscheidungswege und motivierte Mitarbeitende, die neue Ideen aufgreifen. Mir persönlich ist es wichtig, junge Talente früh zu fördern und ihnen Verantwortung zu übertragen. Wenn jemand eine gute Idee hat, soll er auch die Möglichkeit bekommen, sie umzusetzen. Davon profitiert das gesamte Unternehmen.
Wirtschaftsforum: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wohin soll sich Solectric entwickeln, und was treibt Sie dabei persönlich an?
Olaf Kappler: Ich möchte insbesondere die Robotik voranbringen und mehr technologische Entwicklung nach Deutschland und Europa holen. Wir haben hier hervorragend ausgebildete Ingenieure und motivierte Menschen mit guten Ideen. Entscheidend sind die richtigen Strukturen und die Bereitschaft, ihnen Freiraum zu geben. Mich begeistert neue Technologie schon mein ganzes Berufsleben. Wenn aus einer Idee eine praktische Anwendung wird und die eigene Entwicklung tatsächlich genutzt wird, ist das für mich die größte Motivation.








