Die Welt draußen für die Kunden begeistern

Interview mit Sebastian Scheibe, Geschäftsführer der Vision11 GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Scheibe, beschreiben Sie uns doch bitte kurz, worum es bei der Arbeit von Vision11 geht.

Sebastian Scheibe: Am Ende des Tages geht es um Prozessautomatisierung. Es geht nicht darum, Menschen abzuschaffen, sondern stupide Tätigkeiten. Wir beschäftigen uns mit guten Kampagnen und guten CRM-Programmen, die dafür sorgen, dass alles gut läuft.

Wirtschaftsforum: Mit welchem Ansatz nähern Sie sich Ihren Kunden?

Sebastian Scheibe: Der Kunde ist immer ein Individuum. Er ist omnichannelfähig und entscheidet, auf welchem Weg er Kontakt aufnimmt. Diese individuellen Bedürfnisse des Kunden zu befriedigen ist echt hart. Wir müssen ihn schnell verstehen, sonst sucht er sich jemand anderen. Dafür muss ich die richtigen Fragen stellen.

Wirtschaftsforum: Vision11 existiert seit nunmehr zehn Jahren. Erzählen Sie uns doch bitte zunächst etwas über Ihren persönlichen Werdegang.

Sebastian Scheibe: Ich habe irgendwann einmal BWL studiert und wollte eigentlich Industriedesign studieren. Dinge zu gestalten und anders anzugehen liegt ein bisschen in meiner Natur. Ich habe die Dotcom-Blase und den ganzen Hype darum miterlebt. Ich habe in einem CRM-Beratungshaus im Vertrieb angefangen und dort auch meine beiden Mitgründer kennengelernt. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich vor allem auf das Thema One-to-One konzentriert. Deshalb bot mir das Beratungshaus gute Möglichkeiten. Ich konnte das Thema CRM von der Pike auf kennenlernen. In den siebeneinhalb Jahren meiner Tätigkeit dort habe ich viele Erfahrungen gesammelt, war ganz oft bei SAP, in Walldorf, und habe den CRM-Markt kennengelernt.

Wirtschaftsforum: Und wie kam es dann zur Gründung von Vision11?

Sebastian Scheibe: 2009/2010 war eine wilde Zeit mit Automobil- und Finanzkrise. Viele Unternehmen haben sehr viel Energie dafür aufgewendet, dem Vertrieb moderne Tools an die Hand zu geben, den Vertrieb zu überwachen und zu kontrollieren. Die Anforderungen des Marketings wurden dabei eher weniger berücksichtigt. Oft erhielten sie nur eine ‘etwas bessere Excel-Liste’. Gleichzeitig kamen Social Media, Amazon und das zweite iPhone auf den Markt und wir haben überlegt, wie Verkauf in Zukunft stattfinden wird. Wir wollten etwas im digitalen Marketing bewegen, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Unsere Idee war es, dem Kunden eine Lösung aus einer Hand anzubieten: Technologie, Kreation und klassische Beratung unter einem Dach zu vereinen. Dieser Ansatz war damals neu und stellte schon eine Herausforderung dar.

Wirtschaftsforum: Wie ging es dann weiter?

Sebastian Scheibe: Damals hatten wir das große Glück, dass wir mit Audi als erstem Kunden starten durften. Wir waren vier Leute und hatten ein Portfolio wie ein großes Beratungshaus. Zunächst haben wir uns auf das Bauen von Customer Journeys konzentriert, also auf die technische Seite. Seit dem 5. Januar gibt es uns nun zehn Jahre und bisher haben wir alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wichtige Meilensteine in diesen zehn Jahren war 2015 unser erstes eigenes Produkt hubtiq, mit dem sich Touchpoints leicht bauen lassen, sowie unsere Partnerschaften, zum Beispiel mit SAP und Salesforce. Nach kurzer Zeit konnten wir unseren Kunden auch immer mehr kreative Angebote machen, die technisch sauber integriert waren. Die Kreation ist am Ende das, was den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Standardsysteme wie SAP weisen meist Lücken auf, die technisch gefüllt werden müssen. Darauf konzentrieren wir uns. Unsere Idee ist es, tolle Kundenmanagementplattformen zu schaffen, auf denen spannende Themen laufen, welche die Welt draußen für unsere Kunden begeistern.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Vision11 von der Konkurrenz?

Sebastian Scheibe: Vom Portfolio her ist es schwierig, sich abzugrenzen. Trotzdem macht uns das breite und zugleich vertikale Wissen in den einzelnen Bereichen aus. Außerdem ist uns die technologische Unabhängigkeit, von Softwareherstellern schon immer extrem wichtig. Darüber hinaus haben wir ein Team aus zufriedenen Mitarbeitern. Das spüren auch unsere Kunden. Auch für Unternehmen ist der War of Talent ein großes Thema. Hierfür haben wir mit bizznut unser eigenes Tool eingeführt, das Empfehlungen für Kandidaten aus dem eigenen Netzwerk honoriert. Diese intelligente Lösung – gewissermaßen Machine Learning der Endstufe – hilft auch anderen Unternehmen, über ihr Mitarbeiternetzwerk an mögliche neue Mitarbeiter heranzutreten. Sie sehen, wir suchen immer nach kreativen Lösungen, um uns und unsere Kunden weiterzuentwickeln.

Wirtschaftsforum: In welchen Branchen arbeiten Sie?

Sebastian Scheibe: Das, was wir machen, ist grundsätzlich für alle Branchen interessant und alles lässt sich adaptieren. Schwerpunkte bilden Mobility, Energy, Maschinenbau, Konsumgüter, Life Science und Bauzulieferer.

Wirtschaftsforum: Und wie geht es weiter?

Sebastian Scheibe: Obwohl wir viel mit großen Konzernen arbeiten, möchten wir auch den deutschen Mittelstand mit besseren, greifbaren und günstigen Lösungen versorgen. Unseren Kunden wollen wir noch stärkeres Gehör im Markt und insbesondere in den Kanälen der sozialen Medien verschaffen. Da gibt es noch viel Potenzial für bessere Kundenbeziehungen.

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