„Agilität in der Verwaltung kommt“

Interview mit Marcus Weiss und Jochen Rieg, Geschäftsführer der virtual7 GmbH

Die Wege der beiden Geschäftsführer und alleinigen Inhaber von virtual7 Jochen Rieg und Marcus Weiss kreuzten sich bereits auf dem Gymnasium. Beide studierten danach Wirtschaftsingenieurwesen und wollten anschließend praktische Erfahrungen sammeln. „Wir waren beide in der Altenpflege tätig. So entstand die Idee, Altenheime ins Internet zu bringen. Das hat uns in Richtung Backend-Entwicklung gebracht“, erzählt Jochen Rieg. Mit dieser Idee gründeten sie 1996 die web solution GbR, die 2000 in virtual7 GmbH umfirmierte.

„In der Dotcom-Zeit haben wir Internetprogrammierung gemacht und dann den Crash miterlebt“, berichtet Jochen Rieg weiter. Danach wurde das Unternehmen Oracle-Technologiepartner und wuchs zusammen mit dem amerikanischen Softwarehersteller. 2018 richtete sich virtual7 neu aus und wurde Digitalisierungspartner der öffentlichen Hand. „Als solcher gestalten wir wichtige Themen, die einen Impact oder Purpose haben“, erklärt Jochen Rieg. Dazu zählen beispielsweise Anwendungen für die Zahlung von Kurzarbeitergeld durch die Bundesagentur für Arbeit, Steuerfahndung, die E-Akte für die Justiz, Unterstützung des Zolls und Abrechnungen für Zahn- und andere Ärzte mit den Krankenkassen.

Effiziente Prozesse

Marcus Weiss fasst zusammen, worauf die Leistungen von virtual7 abzielen: „Es geht immer darum, Prozesse in der Interaktion zwischen den Behörden sowie Behörden und Bürgern abzubilden. Die öffentliche Verwaltung hat ein Personalproblem. Um dem Bürger weiterhin einen guten Service bieten zu können, müssen die Prozesse effizienter, also schneller und fehlerfreier, gemacht werden.“ Er ist überzeugt: „Das Mindset der Agilität wird in der öffentlichen Verwaltung ankommen. Wir sind hier Vorreiter und können kompetent beraten.“ Jochen Rieg sieht auch das Thema Künstliche Intelligenz im Kommen. „Es ist wichtig für den Erfolg der Digitalisierung in der öffentlichen Hand in den nächsten Jahren. In der Realität ist man aber noch nicht so weit“, führt er aus.

Agile Strukturen

Auch intern beschäftigt sich das Unternehmen verstärkt mit der Agilisierung. Vor vier Jahren wurde eine agile Strategie eingeführt. „Sie wird jedes Jahr hinterfragt. Dadurch sind wir sehr schnell in der Adaption“, erzählt Marcus Weiss. Vor 2,5 Jahren hat virtual7 die responsive Unternehmensorganisation eingeführt. „Wir haben Verantwortungen verlagert, die Führungskräfteebene abgeschafft und selbst viele Entscheidungskompetenzen abgegeben“, so Marcus Weiss. Die Teams organisieren sich jetzt selbst innerhalb der festgelegten strategischen Leitplanken. Marcus Weiss erklärt: „In dieser Form der Organisation gehört dazu der Mut, auch Fehler zu machen.“ Er verweist zudem auf ein hohes Maß an Transparenz im Unternehmen.

Kontinuierliches Wachstum

virtual7 ist für Institutionen in allen 16 Bundesländern sowie für Bundesministerien tätig und arbeitet zudem für einen Kunden in Österreich. Neben dem Hauptsitz in Karlsruhe hat das Unternehmen Niederlassungen in München und Nürnberg sowie in der Schweiz und in Rumänien. 136 Mitarbeiter sind bei virtual7 fest angestellt. Sie werden unterstützt von rund 80 externen Kräften und Unternehmen. virtual7 ist konstant gewachsen und hat 2020 die 20-Millionen-Umsatz-Grenze geknackt. 2021 betrug der Jahresumsatz 24 Millionen EUR. „Wir streben ein jährliches Wachstum von 15% an“, sagt Marcus Weiss. Um die personellen Kapazitäten auszubauen, werden weitere Mitarbeiter gesucht. „Retention Management und Recruiting sind große Themen, die uns aktuell sehr beschäftigen“, so Jochen Rieg.

Vorhersehbare Entwicklungen

Anders als in vielen anderen Branchen erwarten die beiden Geschäftsführer für die Zukunft keine allzu großen Überraschungen. „Auf unserem Gebiet können wir aufgrund der Gesetzesgrundlagen sehr gut voraussehen, was in den nächsten Jahren passieren wird“, sagt Jochen Rieg. virtual7 begleitet seine Auftraggeber nicht nur bei notwendigen Veränderungen, sondern gibt selbst Impulse. So ist das Unternehmen bei der Bundesagentur für Arbeit bereits seit zehn Jahren im Bereich agile Softwareentwicklung tätig.

Zur aktuellen Situation sagt Jochen Rieg: „Im Bereich der Verwaltung findet gerade ein Generationenwechsel statt.“ Was die IT in der deutschen Bundesregierung angeht, stellen Marcus Weiss und Jochen Rieg den Verantwortlichen insgesamt ein gutes Zeugnis aus: „Die Kompetenzen sind hier schon gut ausgeprägt“, so Marcus Weiss.

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