Zerspanung auf einem neuen Level

Interview mit Ludger Ignaszak, CEO der Utilis AG

Wirtschaftsforum: Herr Ignaszak, was ist die Kernkompetenz von UTILIS?

Ludger Ignaszak: Unsere Kernkompetenz ist die Entwicklung und Fertigung von präzisen Zerspanungswerkzeugen, vor allem für die Mikromechanik, aber auch für die Medizintechnik und den Uhrenbereich. Darüber hinaus vertreten wir exklusiv einige international etablierte Handelsmarken.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns doch Beispiele aus Ihrem eigenen Produktportfolio.

Ludger Ignaszak: Unser Flaggschiff ist unsere Eigenmarke multidec® für die Mikrozerspanung. Hier geht es vor allem um Langdreher, also zylindrische Werkzeuge, die im Dreh-, Fräs- und Bohrprozess genutzt werden. Wir bieten sowohl Standardwerkzeuge als auch kundenindividuelle Sonderwerkzeuge, immer mit dem Fokus auf Kleinteilfertigung. Highlights sind hier sicherlich unsere 3000er- und unsere 1600er-Serie. Die Werkzeuge dieser Serien haben spezielle Geometrien und sind vor allem für Anwendungen im Kleinteile-Bereich geeignet, um kleine Teile in der Fertigung wirtschaftlich bearbeiten zu können. Teilweise sind sie auch mit gelaserten Spanleitstufen ausgestattet, die wir speziell entwickelt haben. Durch die Optimierung der Schnittwerte können unsere Kunden ihre Produktivität deutlich erhöhen. Nicht zuletzt sind wir auch führend im Verfahren des Wirbeln, die zum Beispiel für Implantate oder Knochenschrauben verwendet werden.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Firmen arbeiten Sie im Handelsbereich zusammen?

Ludger Ignaszak: Für renommierte Hersteller handeln wir teilweise exklusiv in der Schweiz mit hochwertigen Produkten. Hier geht es nicht nur um Kleinteile, sondern um General Machining. Wir decken hier mit unseren Produkten das gesamte Portfolio der Metallbearbeitung ab, von der Zerspanung über die Spindel bis hin zur Spantechnologie. Zerspanungsprofis können bei uns alles aus der berühmten ‘einen Hand’ bekommen.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet UTILIS von anderen Anbietern von Zerspanungswerkzeugen?

Ludger Ignaszak: Wir sind technisch stark und arbeiten gleichermaßen eng mit Anwendungstechnikern und Vertrieblern zusammen. Dieses Tandem ist ein echter Erfolgsfaktor für uns. So kennen wir die Bedürfnisse des Marktes, der Kunden, aber auch die Anforderungen des Vertriebs, um das Produkt gut vermarkten zu können. Unser Fokus liegt immer auf der Verbesserung der Produktivität unserer Kunden. Zudem sind wir in der Lage, Sonderlösungen zu realisieren. Das können viele Wettbewerber nicht.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für die Entwicklung von UTILIS?

Ludger Ignaszak: Das Thema wird vor allem bei unseren größeren Kunden immer wichtiger. Gemeinsam mit Ceratizit, einer Hightech-Engineering-Gruppe, die auf Zerspanungswerkzeuge und Hartstofflösungen spezialisiert ist, arbeiten wir zum Beispiel am Recycling von Hartmetall. Wir selbst nutzen Photovoltaik zur Stromerzeugung und sind aktuell dabei, neue Druckluftanlagen zu installieren. Wir modernisieren und investieren regelmäßig in unseren Standort, um Ressourcen zu schonen. Dem Thema der Energieknappheit tragen wir also mit Modernisierungen Rechnung.

Wirtschaftsforum: Wie verändert die Digitalisierung Ihr Geschäft?

Ludger Ignaszak: Wir haben einen eigenen Webshop für Standardprodukte. Zudem werden die Werkzeuge digital kategorisiert. Mit PIM – Product Information Management – haben wir eine eigene digitale Lösung zur Generierung von Katalogen geschaffen. Über unser ERP-System können wir uns zudem mit unseren Kunden verbinden, sodass diese komplett papierlos bestellen können. Nicht zuletzt arbeiten wir daran, eine papierlose Fertigung zu etablieren.

Wirtschaftsforum: In wenigen Wochen gehen wir ins neue Jahr. Was haben Sie sich für 2023 vorgenommen?

Ludger Ignaszak: Wir möchten unser Produktportfolio weiter ausbauen, insbesondere unsere multidec®-Reihe. Dabei werden wir uns darauf konzentrieren, mehr ganzheitliche Lösungen anzubieten.

Wirtschaftsforum: Wo sehen sie UTILIS mittel- bis langfristig?

Ludger Ignaszak: Wir möchten der absolute Marktführer im Bereich des Langdrehens sein und international wachsen. Dazu werden wir unser Team vergrößern. Auch für Kooperationen sind wir offen. Wichtig ist uns aber vor allen Dingen, als Arbeitgeber unsere offene Kultur beizubehalten. Wir setzen auf Vertrauen und sind offen für neue Themen und Ideen. Wir sind überzeugt, dass es uns mit dieser Philosophie gelingen wird, langfristig gute Mitarbeiter zu gewinnen und auch an uns zu binden. Nur so ist es langfristig möglich, gesundes Wachstum zu realisieren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

Eine exzellente Verbindung

Interview mit Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG

Eine exzellente Verbindung

„Wir möchten keine Masse, sondern Sicherheit, Qualität und Langlebigkeit.“ Mit diesen Worten beschreibt Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG, die Philosophie des Unternehmens, das in diesem Jahr sein 90-jähriges…

Schutz für Produkt und Mensch

Interview mit Dr. Michael Bungert, Leiter Produktmanagement und Jan Schultealbert, Geschäftsführer und Sebastian Heumüller, Vertriebsleiter der Jung Gummitechnik GmbH

Schutz für Produkt und Mensch

Von technischen Sonderbauteilen bis zu anspruchsvollen Handschuhsystemen für Pharma und Arbeitsschutz: Seit 1982 entwickelt und fertigt die Jung Gummitechnik GmbH in Einhausen hoch spezialisierte Lösungen aus Gummi und Elastomeren. Dabei…

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Die Kändler-Held GmbH, ein traditionsreiches Unternehmen aus Petershagen, wird heute in 3. und 4. Generation von Otto-Wilhelm Held und seiner Tochter Caroline Held geleitet. Das Unternehmen hat sich als führender…

Spannendes aus der Region Müllheim

Präzise, pünktlich und persönlich in der Metallverarbeitung

Interview mit Joachim With, CEO und Inhaber der Almega Metalltechnik AG

Präzise, pünktlich und persönlich in der Metallverarbeitung

Das Schweizer Metallverarbeitungsunternehmen Almega blickt bereits auf eine lange Tradition zurück und hat sich dabei gerade für seine Kundenzufriedenheit und unbedingte Termintreue einen Namen im Markt gemacht. 2023 folgte im…

Schneiden, schweißen und versiegeln Swiss made

Interview mit Serge Patamia, CEO der RINCO ULTRASONICS AG

Schneiden, schweißen und versiegeln Swiss made

Sie schneiden, schweißen und versiegeln. Die Maschinen und Werkzeuge der schweizerischen RINCO ULTRASONICS AG basieren auf der Ultraschalltechnologie und sind weltweit gefragt. Das Familienunternehmen aus Romanshorn im Kanton Thurgau hat…

Was Etiketten mit Emotionen zu tun haben

Interview mit Roy Bruderer, CEO der Blumer Maschinenbau AG

Was Etiketten mit Emotionen zu tun haben

Die Blumer Maschinenbau AG gehört zu den führenden Anbietern von Maschinen für die Weiterverarbeitung von in Stapel geschnittenen oder gestanzten Etiketten und Karten. Die ATLAS-Serie des schweizerischen Unternehmens für die…

Das könnte Sie auch interessieren

Dem Stillstand in der Baubranche trotzen

Interview mit Frank Hägermann, Geschäftsführer der Mindener Stahlhandel GmbH

Dem Stillstand in der Baubranche trotzen

Die Bauwirtschaft steht unter Druck – kaum Neubauten, steigende Kosten, Fachkräftemangel. Doch Frank Hägermann, geschäftsführender Gesellschafter der Mindener Stahlhandel GmbH, bleibt unbeirrt. Mit Innovationsgeist, Bodenständigkeit und einem klaren Fokus auf…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

TOP