Alle thermischen Verfahren

Interview mit Ezio Gianotti, Geschäftsführer der Trattamenti Termici Ferioli & Gianotti S.p.A.

Ferioli & Gianotti ist seit nahezu 60 Jahren auf Wärmebehandlung spezialisiert. „Mein Vater und ein Gesellschafter haben die Firma 1959 gegründet“, sagt Geschäftsführer Ezio Gianotti, der seit 1986 in dem erfolgreichen Familienbetrieb arbeitet und dessen Entwicklung immer wieder an neue Marktanforderungen anpasst. „Beide haben davor bei einer Stahlfirma gearbeitet und viel Erfahrung in der Stahlbearbeitung gesammelt. Mit diesem Wissen haben sie sich selbstständig gemacht, in der sprichwörtlichen Garage.“

In den 1980er-Jahren hat Ferioli & Gianotti verschiedene Firmen in den Regionen Piemont, Emilia Romagna und Friaul übernommen, um das Leistungsspektrum auszubauen und abzurunden. „Das Ziel war, alle Arten von thermischer Behandlung anbieten zu können“, erklärt Ezio Gianotti.

Heute beherrscht Ferioli & Gianotti alle Techniken, von der Vorbehandlung von Rohlingen bis hin zu fortschrittlichen Plasmaverfahren, und das für kleine Teile, die nur wenige Gramm wiegen, bis hin zu tonnenschweren Komponenten. Das Leistungsspektrum reicht von Oberflächenhärten, Nitrokarburieren, Gasnitrieren, Vakuumabschrecken und Induktionshärten bis zum Normalisieren, Glühen, Abschrecken, Tempern und Entzundern sowie Leichtmetallbehandlung.

In den letzten Jahren hat der italienische Wärmebehandlungsspezialist umfangreiche Investitionen in den Maschinenpark vorgenommen. „Seit 2010 haben wir 90% unserer Anlagen erneuert“, so Ezio Gianotti. „Wir arbeiten für Kunden, die in kürzester Zeit individuelle Lösungen brauchen. Dies erfordert modernste Technik und ein hohes Maß an Flexibilität. Außerdem haben wir viel in energieeffiziente Technik investiert.“

Für die hohe Leistungsfähigkeit von Ferioli & Gianotti spricht auch die Tatsache, dass man seit mehr als 20 Jahren für Luftfahrtunternehmen tätig und Nadcap-zertifiziert ist. „Nadcap ist ein weltweites Kooperationsprogramm wichtiger Unternehmen in der Luft- und Raumfahrtbranche sowie in der Rüstungsindustrie“, erklärt Ezio Gianotti. „Die Nadcap-Zertifizierung ist sehr wichtig für uns. Wir arbeiten unter anderem für Aerogroup, Leonardo, Agusta und Zulieferer von Rolls Royce.“

Aluminium immer stärker nachgefragt Ferioli & Gianotti beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 12 bis 13 Millionen EUR. Direkt exportiert wird nur 1% der Produktion.

„Wir arbeiten jedoch für viele Firmen mit ausländischen Kunden“, sagt Ezio Gianotti. Zu den Hauptkunden gehören die mechanische Industrie sowie die Automobil- und Luftfahrtindustrie. Neben Stahl und Spezialstählen wie Schnellarbeitsstahl bearbeitet das Unternehmen vor allem Gusseisen und Aluminiumlegierungen.

„Der Anteil an Aluminium nimmt immer weiter zu, wegen der Gewichtsvorteile“, erklärt Ezio Gianotti. Prinzipiell behandelt Ferioli & Gianotti alle Metalle ganz wie vom Kunden gewünscht. „Unsere Stärke ist die hohe Flexibilität, die wir dank unserer hoch anpassungsfähigen, modernen Anlagen bieten können“, so Ezio Gianotti. „Außerdem haben wir viele qualifizierte Mitarbeiter, die wir bei ihrer Entwicklung im Unternehmen umfangreich unterstützen.“

Ferioli & Gianotti arbeitet mit verschiedenen technischen Universitäten zusammen und nimmt regelmäßig an internationalen Kongressen teil, vor allem in Italien und Frankreich. Weiter ausbauen will man insbesondere den Anteil an Aluminiumwerkstoffen sowie die Marktposition im Luftfahrtsektor. „Beides sind Zukunftssegmente mit wachsender Nachfrage“, schließt Ezio Gianotti.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Interview mit Luca Niero, Sales SOP/Export Sulphuric Acid SOP der Marchi Industriale S.p.A.

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Die Chemieindustrie steht unter permanentem Kosten- und Innovationsdruck. Rohstoffmärkte sind global vernetzt, Lieferketten sensibel, Energieeffizienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Marchi Industriale S.p.A. mit Sitz in Marano Veneziano, Italien, begegnet diesem…

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Interview mit Beatrice Buzzella, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Green Oleo S.p.A.

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Was passiert, wenn ein Industrieunternehmen radikal umdenkt? Green Oleo aus dem norditalienischen Cremona hat genau das getan. Das Unternehmen, das früher klassische oleochemische Produkte herstellte, verarbeitet heute pflanzliche und tierische…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

Spannendes aus der Region Cascine Vica Rivoli (TO)

Präzision beim Weltmarktführer für Farbmischsysteme

Interview mit Bart Wentges, Geschäftsführer der Swesa Dosiersysteme GmbH

Präzision beim Weltmarktführer für Farbmischsysteme

2020 stand im Zeichen gezielter strategischer Akquisitionen. Und auch 2021 konnte das Wachstum bislang erfolgreich fortgesetzt werden. Während Corona viele Unternehmen vor extreme Herausforderungen stellt, zeigt sich die Inkmaker Italy…

„Wir haben auch schon Türen in die Antarktis geliefert“

Interview mit Federico Canova, Managing Director Marketing and Sales der M.T.H. srl

„Wir haben auch schon Türen in die Antarktis geliefert“

Als MTH 1942 seinen Betrieb in der italienischen Industriestadt Turin aufnahm, war das Geschäftsmodell des Unternehmens noch ein anderes als heute: Doch der einstige Fenster- und Türhersteller mit auf Privatkunden…

Der Duft von Metall

Interview mit Elena Pescetto, Leiterin Adminstration und Human Ressources der Zurvit Srl

Der Duft von Metall

Junge, qualifizierte Menschen, die ihrer Arbeit mit Leidenschaft nachgehen, sind das Fundament eines jeden Unternehmens. Bei der Zurvit Srl im italienischen Baldissero Canavese treffen diese Eigenschaften nicht nur auf die…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

Küchenkompetenz auf die Schiene gebracht

Interview mit Gerd Betz, Geschäftsführer und CEO der KUGEL Edelstahlverarbeitung GmbH

Küchenkompetenz auf die Schiene gebracht

Der Schiene gehört die Zukunft. Der 2020 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgelegte Masterplan unterstreicht dies deutlich. Bis 2030 sollen demnach doppelt so viele Bahnkunden im Schienenpersonenverkehr gewonnen…

Der Antrieb zur Veränderung

Interview mit Michael Fahrenbach, Geschäftsführer der Wöhrle GmbH & Co. KG

Der Antrieb zur Veränderung

Nichts verändert die Automobilindustrie derzeit mehr als die Transformation zur E-Mobilität. Als etablierter Zulieferer in dieser Branche unterstützt die Wöhrle GmbH & Co. KG weltweit ihre Kunden bei der Entwicklung…

TOP