Messestände von Menschen für Menschen

Interview mit Günter Weichselbaum, Geschäftsführer der SYMA-System GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Weichselbaum, Sie sind seit 1998 für die SYMA-SYSTEM GmbH tätig. Im Laufe dieser vielen Jahre haben Sie verschiedenste Stationen von der Produktion über Montage hin zu Projekt-, Vertriebs- und Geschäftsleitung durchlaufen und die Unternehmensentwicklung damit begleitet und mitgesteuert. Wie sah diese Entwicklung genau aus?

Günter Weichselbaum: Die SYMA wurde 1961 von Marcel Strässle, einem Schweizer Visionär, gegründet; unser Sitz in Österreich ist eine 100%ige Tochtergesellschaft. Mit der Unternehmensgründung war die Idee verbunden, Aluminium-Systemkomponenten zu entwickeln und zu produzieren und damit Messebauern ein wiederverwertbares System an die Hand zu geben – ähnlich einem Legobaukasten. Das System überzeugte auch in Museumseinrichtungen und anderen Bereichen, der Fokus lag jedoch von Beginn an auf dem Messebau. Zusätzlich nahm SYMA ein weiteres Geschäfsfeld hinzu und bot ab den 1970er-Jahren selbst schlüsselfertige Messestände an. Das heißt, man lieferte Veranstaltern die gesamte Infrastruktur – von einzelnen Modulständen bis zu großflächigen Individualständen oder gesamten Events. Damit hatte SYMA sich vom technischen Systemanbieter hin zum Experten für das Thema Live Communication in allen Facetten entwickelt.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet dieser Wandel für das heutige Portfolio? 

Günter Weichselbaum: Wir sind mit den Aluminium-Systemkomponenten einerseits Zulieferer für Mitbewerber im Bereich Messebau, andererseits selbst im Bereich internationaler Messebau-Events tätig. Unser Kernmarkt liegt in Europa, speziell in Deutschland; durch unser Konzernnetzwerk können wir jedoch mit Partnern vor Ort weltweit Projekte abwickeln und dabei einen einheitlichen Qualitätsstandard garantieren.

Wirtschaftsforum: SYMA ist international präsent; die österreichische Tochtergesellschaft gibt es seit rund 50 Jahren. Wie sieht die Aufstellung genau aus? 

Günter Weichselbaum: In Österreich gibt es Standorte in Wolkersdorf und Klagenfurt. Hier in Wolkersdorf bei Wien befindet sich die Zentrale, von hier aus steuern und produzieren wir vor allem Messestände für österreichische Aussteller, die auf internationale Messen gehen. In Klagenfurt sind wir direkt am Messegelände ansässig und statten sämtliche Messen in Klagenfurt aus. In Österreich beschäftigen wir 60 feste Mitarbeiter; allerdings arbeiten wir mit ausgewählten Subunternehmen zusammen, sodass in der Summe rund 150 Mitarbeiter für uns tätig sind. 

Wirtschaftsforum: SYMA ist kontinuierlich gewachsen. Wie sehen Ihre Erwartungen für die Zukunft aus? 

Günter Weichselbaum: Wir konnten insbesondere nach Corona große Wachstumssprünge verzeichnen – man sehnte sich wieder nach Veranstaltungen und persönlichem Austausch. Die Nachfrage nach Messebauern war deshalb zum Teil höher als das Angebot; zudem ist es zu einer Marktbereinigung gekommen. Wir haben von dieser Entwicklung profitiert, wachsen aktuell zwischen 10 und 20% jährlich und planen auch in Zukunft ein gesundes, homogenes Wachstum mit Freude und Elan.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit 2017 Geschäftsführer der SYMA. Wie sehen Sie Ihre Rolle? 

Günter Weichselbaum: Es ist eine spannende Mischung aus allem. Ich habe nach wie vor großen Spaß am operativen Geschäft, führe selbst Projekte durch und begleite sie bis zur Übergabe. Einen größeren Teil der Zeit verbringe ich jedoch mit strategischen Themen. Das Schöne an unserer Arbeit ist, dass unsere Leistungen auch heute noch von Menschen realisiert werden. Teil des Teams zu sein, ist für mich sehr motivierend. Wenn Mitarbeiter ihre Arbeit mit Freude und Leidenschaft machen, kann man mit ihnen über den Tellerrand hinausdenken und gemeinsam Ziele erreichen. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören und, wenn nötig, Entscheidungen zu treffen; meistens wird jedoch gemeinsam entschieden. Wir leben hier eine sehr teamorientierte Kultur; sowohl im Job als auch außerhalb finden viele gemeinsame Aktivitäten wie zuletzt der Business Run statt. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist Gesundheit. Wir arbeiten in einer Branche, die von festen Terminen bestimmt ist und viel Energie und Engagement erfordert, damit Projekte termingerecht und in einer entsprechenden Qualität realisiert werden können. Deshalb wünschen wir uns ein gesundes, fittes Team, das seine Arbeit liebt. 

Wirtschaftsforum: Sie sprachen von einer Marktbereinigung; SYMA ist nach wie vor eine feste Marktgröße. Was schätzen Kunden am Unternehmen?

Günter Weichselbaum: Wir nehmen uns viel Zeit, um herauszufinden, wie die richtige Lösung aussieht, damit Kunden ihre Ziele erreichen. Eine Messe ist eine sehr teure Form des Marketings mit hohen Anforderungen; deshalb sind verlässliche Teams und Prozesse entscheidend. 

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die Relevanz von Messen in der Zukunft? 

Günter Weichselbaum: Es wird Veränderungen im Messebereich geben, zum Beispiel durch KI, denen wir uns anpassen müssen. Messen werden jedoch nicht aussterben; dafür ist die emotionale Komponente zu wichtig. 

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