Messe Stuttgart: Spitzenreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Interview mit Stefan Lohnert, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart GmbH

Wirtschaftsforum: Was bedeutet der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2023 für Sie?

Stefan Lohnert: Die Nominierung und Platzierung im Finale des Deutschen Nachhaltigkeitspreises waren bereits eine große Anerkennung. Sie bestätigte unsere Überzeugung, Veranstaltungen zu schaffen, die nicht nur erfolgreich, sondern auch verantwortungsbewusst sind. Die Auszeichnung selbst würdigt das jahrelange Engagement unseres Unternehmens, unserer Mitarbeitenden und unserer Partner und es motiviert uns, dranzubleiben. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie CO₂-neutralen Strom auf dem Messegelände ein?

Stefan Lohnert: Die Messe Stuttgart deckt ihren gesamten Strombedarf durch den Kauf von Grünstromzertifikaten aus Wasserkraft, wodurch der gesamte Stromverbrauch CO₂-neutral erfolgt. Auf den Dächern der Messehallen und des ICS Internationales Congresscenter Stuttgart befinden sich Photovoltaikanlagen mit einer Fläche von 36.400 m². Diese Anlagen sind derzeit noch verpachtet, jedoch wird die Nutzung ab dem Jahr 2030 für den Eigenbedarf übernommen. Zusätzlich plant die Messe Stuttgart die Installation weiterer Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion, beispielsweise auf dem Verwaltungsgebäude und weiteren Dachflächen des Messegeländes.

Wirtschaftsforum: Welche internationalen Klimaschutzprojekte unterstützt die Messe Stuttgart?

Stefan Lohnert: Um ihre Emissionen auszugleichen, unterstützt die Messe Stuttgart jährlich zwei bis drei international anerkannte Klimaschutzprojekte, die nicht nur Treibhausgase einsparen, sondern auch nachhaltige Entwicklung fördern. Die Projekte sind nach international anerkannten Standards zertifiziert. Der Corporate Carbon Footprint für das Jahr 2023 wird derzeit noch berechnet und im Anschluss erfolgt die Auswahl passender Klimaschutzprojekte. Zum Ausgleich der unvermeidbaren Emissionen aus dem Jahr 2022 wurde zum einen ein Projekt zur Verteilung von effizienten Kochöfen in den Dörfern Maharashtras in Indien gefördert. Dieses Projekt zielt darauf ab, saubere Kochpraktiken zu fördern, den Brennholzverbrauch zu reduzieren und die Gesundheit der Gemeinden zu verbessern. Zum anderen unterstützten wir ein Windparkprojekt in Thailand, das nicht nur saubere Energie erzeugt, sondern auch Bildungsinitiativen zur Förderung von Umweltschutz und erneuerbaren Energien in der lokalen Bevölkerung umsetzt. Zudem wurde ein Aufforstungsprojekt in der Provinz Guizhou in China gefördert und für jede dort eingesparte Tonne CO2 fließt zusätzlich ein Förderbetrag in Maßnahmen zum Schutz der Waldökosysteme im Thüringer Schiefergebirge.

Wirtschaftsforum: Warum haben Sie den „fairpflichtet“-Nachhaltigkeitskodex und die KLIMAWIN-Charta unterzeichnet?

Stefan Lohnert: Wir haben den „fairpflichtet“-Nachhaltigkeitskodex und die KLIMAWIN-Charta unterzeichnet, weil wir fest an ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln glauben. Durch die Unterzeichnung des „fairpflichtet“-Kodex verpflichten wir uns, ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Praktiken in unserem Geschäftsbetrieb zu integrieren. Mit der KLIMAWIN-Charta setzen wir uns aktiv für den Klimaschutz ein, fördern erneuerbare Energien und energieeffiziente Prozesse zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Ziel ist es, ein Vorbild zu sein und andere zu inspirieren, ebenfalls Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen. Dies war auch ein Anlass, Anfang dieses Jahres dem Klimabündnis Baden-Württemberg beizutreten.

Wirtschaftsforum: Welche wesentlichen Ziele werden im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht verfolgt?

Stefan Lohnert: Die Messe Stuttgart hat sich viele Ziele gesetzt, wobei ein bedeutendes im Bereich Klimaschutz liegt und die weitere Reduktion der Treibhausgasemissionen umfasst. Wir planen bis 2030 unsere gesamten Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 2019 um mindestens 40,4 Prozent zu reduzieren. Dies entspricht einer Reduktion von umgerechnet 1.537 Tonnen CO2e. Entsprechende Maßnahmen sind beispielsweise die Umstellung der Gebäudeheizung von Erdgas auf Wärmepumpen sowie die Installation weiterer Photovoltaikanlagen auf dem Messegelände. Außerdem soll die Nutzung von E-Mobilität bei Mitarbeitenden, Ausstellerinnen und Ausstellern und Besucherinnen und Besucher durch den Ausbau der E-Ladesäulen sowie einer Elektrifizierungsquote von 80 Prozent über alle firmeneigenen Fahrzeuge gefördert werden.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Rolle der Messe Stuttgart in den kommenden fünf Jahren?

Stefan Lohnert: In den kommenden fünf Jahren wird die Messe Stuttgart weiter daran arbeiten, eine nachhaltige Infrastruktur zu schaffen, sodass sowohl Eigen- als auch Gastveranstaltungen auf möglichst nachhaltige Gegebenheiten zurückgreifen können. Die Messe Stuttgart bietet sich auch als Berater für externe Veranstalter in diesen Fragen an. Ich konnte in den vergangenen Jahren die Beobachtung machen, dass das Bewusstsein für nachhaltige Veranstaltungen deutlich gestiegen ist. Beispielsweise bei Themen wie An- und Abreise, Übernachtung, Messestandbau, Abfalltrennung, CO2-Fußabdruck-Rechner oder beim Catering am Stand oder auf dem Gelände. Es ist schön zu sehen, dass sich das Bewusstsein stärkt und wir unterstützen können.

Wirtschaftsforum: Welche persönlichen Überzeugungen oder Erfahrungen motivieren Sie, die Nachhaltigkeitsziele der Messe Stuttgart voranzutreiben?

Stefan Lohnert: Meine Motivation, die Nachhaltigkeitsziele der Messe Stuttgart voranzutreiben, gründet sich auf meiner festen Überzeugung, dass wir alle eine Verantwortung für den Schutz unserer Umwelt tragen. Meine bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass nachhaltige Praktiken nicht nur positive Auswirkungen auf Unternehmen und die Gesellschaft haben, sondern auch langfristig ein wirtschaftliches Echo mit sich bringen. Darüber hinaus glaube ich an die Bedeutung von Bildung und Bewusstseinsbildung im Bereich Nachhaltigkeit und bin davon überzeugt, dass die Messe Stuttgart als Plattform und Motivator hierbei dienen kann. Letztlich treibt mich die Vision einer lebenswerten Zukunft für kommende Generationen an. Dazu wollen wir beitragen, vorbildlich.

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