KI trifft Ingenieurskunst – Transparenz für komplexe Softwarewelten

Interview mit Dipl.-Ing. Stephan Mauk, Vorstand der Concentrio AG

Wirtschaftsforum: Herr Mauk, Sie sind Gründer und Vorstand der Concentrio AG. Wie ist Ihr Unternehmen entstanden?

Stephan Mauk: Der Ursprung liegt in unserer Schwesterfirma, der Jember GmbH, einem Engineering-Dienstleister für die Automobilindustrie. Dort entstand bei einem Kundenprojekt der Bedarf nach einem Tool, das die immer komplexeren Softwarestrukturen in Fahrzeugen beherrschbar macht. Wir haben erkannt: Das Problem lässt sich nicht mehr in Excel lösen. Also haben wir gesagt, wir übernehmen das Risiko und entwickeln ein Produkt auf eigene Kosten. So wurde die Concentrio AG geboren. Heute ist unser Tool marktreif, produktiv im Einsatz und wird von der Industrie genutzt – ein spannender Weg von der Idee bis zur Umsetzung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrer Arbeit?

Stephan Mauk: Als wir starteten, war KI noch kein Thema. Unsere Stärke lag in der Arbeit mit leistungsfähigen Graphdatenbanken. Heute gehen wir den nächsten Schritt: Wir kombinieren diese Technologie mit KI, um große Datenmengen effizienter zu sortieren, zu clustern und für Anwender verständlich darzustellen. Dadurch werden unsere Lösungen schneller, anwenderfreundlicher und eröffnen neue Use Cases, die ohne KI gar nicht realisierbar wären.

Wirtschaftsforum: Wie ist Concentrio heute aufgestellt?

Stephan Mauk: Wir beschäftigen rund 30 Mitarbeitende und erzielen aktuell einen Jahresumsatz im einstelligen Millionenbereich – mit Schwankungen, je nach Lizenzgeschäft. Die letzten Jahre haben wir stark investiert, um unser Produkt stabil und skalierbar zu machen. Jetzt sind wir in der Phase, in der wir wachsen und den Markt breiter erschließen wollen.

Wirtschaftsforum: Ihre Rolle als Gründer hat sich im Laufe der Zeit sicher verändert. Wie sieht Ihr Aufgabenfeld heute aus?

Stephan Mauk: Früher war ich selbst tief in der Technik – heute habe ich ein starkes Team um mich. Unser Produktverantwortlicher leitet das operative Geschäft, unser CTO verantwortet die Technik. Ich selbst konzentriere mich auf Strategie, Management und Finanzen, um das Unternehmen gezielt zu steuern und unsere Innovationskraft weiterzuentwickeln. Wichtig ist mir, dass wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben – gerade für junge Informatiker, die etwas bewegen wollen. Wir verstehen uns als Pioniere, und wer bei uns arbeitet, gestaltet die Technologie von morgen aktiv mit.

Wirtschaftsforum: Welche Branchen sprechen Sie mit Ihrer Software an?

Stephan Mauk: Unser Tool ist branchenunabhängig – überall dort, wo komplexe Software existiert, sind wir zu Hause. Historisch kommen wir aus der Automobilindustrie, aber wir sehen enormes Potenzial unter anderem in der Luftfahrt, Raumfahrt und in der Energiebranche. Unsere Technologie stammt teilweise aus der Absicherung von Atomkraftwerken, also hochsicheren Systemen. Themen wie Cybersecurity und Softwaresicherheit sind zentrale Zukunftsfelder, in denen wir stark wachsen wollen.

Wirtschaftsforum: Wie kann man sich die Funktionsweise Ihres Tools vorstellen?

Stephan Mauk: Unsere Vision ist, komplexe Software für Kunden verständlich zu machen. Wir analysieren Code und zeigen, was tatsächlich passiert – also wer mit wem spricht und wie Systeme interagieren. Das nennen wir „die Wahrheit“, weil wir nicht mit Spezifikationen arbeiten, sondern mit dem, was real programmiert wurde. Damit können wir sichtbar machen, was sich bei Softwareänderungen verändert, wo Tests nötig sind oder wo Schwachstellen bestehen. Gerade in sicherheitskritischen Anwendungen spart das Zeit, Geld und minimiert Risiken.

Wirtschaftsforum: Wie machen Sie Ihre Lösungen bekannt – gerade als technisches Start-up?

Stephan Mauk: Wir sind stark technisch geprägt, und viele unserer Kontakte entstehen aus dem persönlichen Netzwerk oder durch Mundpropaganda. Daneben sind wir auf LinkedIn aktiv, halten Vorträge auf Fachkonferenzen und beteiligen uns an Standardisierungsprojekten. Wir wissen, dass wir im Marketing noch aufholen müssen – aber die besten Referenzen sind zufriedene Kunden, die unsere Lösung im Einsatz haben.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an, und wo sehen Sie die Zukunft der Concentrio AG?

Stephan Mauk: Für mich ist Concentrio ein Stück weit wie ein eigenes Kind – von der Idee bis zum marktreifen Produkt. Mich motiviert, dass wir mit unserer Technologie reale Probleme lösen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden stärken. In den nächsten Jahren wollen wir unseren Kundenstamm erweitern, neue Märkte erschließen und unser Produkt international sichtbarer machen. Langfristig träume ich von einem kleinen Börsengang – ein schöner Meilenstein für ein deutsches Technologieunternehmen. Gleichzeitig bin ich stolz auf unser Team: ein kleines Unternehmen mit großem Zusammenhalt. Viele Mitarbeitende sind seit Jahren dabei, bringen Leidenschaft und Neugier mit – das ist unser größter Erfolgsfaktor.

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