Ein Partner rund ums Bauen

Interview mit Dipl.-Ing. Hannes Sebastian Huber Geschäftsführer der Stricker Holding GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Huber, das Portfolio Ihres Unternehmens ließe sich in vier Worten zusammenfassen: Alles rund ums Bauen. Straßen- und Tiefbau, Projektentwicklung, Ingenieurbau, Rückbau, Baustoffproduktion und -gewinnung, Recycling, dazu Immobiliendienstleistungen und eine Vielzahl von Baustellen-Services – kompletter geht es eigentlich nicht. Welche dieser Bereiche sind für Stricker aktuell die wichtigsten?

Hannes Sebastian Huber: Das sind die Gewerke im Infrastrukturbereich, in der Umwelttechnik, im Projektgeschäft und in der Entsorgung – alles Themen, die mit Recycling und Wiederverwertung zu tun haben und von denen wir glauben, dass sie im Baugeschäft auch in der Zukunft sehr wichtig sein werden.

Das allgemeine Revitalisierungsgeschäft also und dessen Untergruppen, die wir als Firmenholding abbilden: etwa Rückbau und Ingenieurbau, wobei ein Großteil des durch Rückbau gewonnenen Materials nach dem Recycling direkt, also ohne Deponierung, für Neubauten wiederverwertet wird, wodurch ein geschlossener Kreislauf entsteht. Das ist nachhaltig und vor dem Hintergrund, dass wir in eine langanhaltende Rohstoffknappheit hineinkommen werden, aktuell wichtiger denn je.

Wirtschaftsforum: Inwieweit wird das Thema Nachhaltigkeit für Sie auch durch die politische Diskussion zusätzlich befeuert?

Hannes Sebastian Huber: Das Nachhaltigkeitsthema wird sicher für die nächsten Jahrzehnte ein Schwerpunkt auf der politischen Agenda bleiben. Wir selbst versuchen, in Jahrzehnten zu denken und sind vor allem deshalb auch in den Bahnbau eingestiegen, weil dieser neben dem Standard-Hoch- und Tiefbau gut zu unserem Portfolio passt.

Wirtschaftsforum: Nennen Sie uns doch bitte einige Beispiele für Projekte, an denen Sie mitgewirkt haben.

Hannes Sebastian Huber: Am Phönixsee, einem Erholungsgebiet in Dortmund, oder auch bei Industrieumbauten in Iserlohn oder der Errichtung eines Verkehrsinfrastrukturprojektes in Hückeswagen konnten wir unsere ganze Bandbreite an Kompetenzen an großen Projekten einbringen. Aktuell waren wir auch in den schwer vom Hochwasser getroffenen Gebieten im Ahrtal tätig. Dort haben wir uns mit der Stricker Umwelttechnik am Rückbau und der Sanierung von Bahnstrecken beteiligt und mit der Stricker Rose Rail am Neubau und der Wiederherstellung von Gleisanlagen.

Wirtschaftsforum: Warum, meinen Sie, wählen die Kunden die Stricker-Gruppe und nicht einen anderen Anbieter?

Hannes Sebastian Huber: Ein wesentlicher Grund ist sicher, dass wir ʻPartner für allesʼ sind, denn wir können in allen Phasen eines Projekts unsere Kompetenz zur Verfügung stellen und den Bauherrn begleiten: also etwa vom Abbruch eines vorhandenen Gebäudes auf dem zu bebauenden Grundstück über die Entsorgung, die Wiederherstellung des bebaubaren Zustands mit Schaffung der notwendigen Infrastruktur und den Bau an sich bis hin zur Übergabe an den Bauherrn, der damit nur einen Ansprechpartner hat. Auch unser festes, gelebtes Motto in unserem Claim bildet das ab: ‘Gemeinsam bewegen’. Das heißt, alle unterschiedlichen Firmen der Gruppe arbeiten sowohl gemeinsam miteinander als auch gemeinsam mit dem Kunden.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Hannes Sebastian Huber: Das deckt eigentlich die gesamten Bereiche ab: Einerseits sind es gewerbliche Kunden und private Investoren, andererseits Kommunen und auch die Bahngesellschaften, etwa die DB. Wir sind in ganz Deutschland tätig, wobei unser Schwerpunkt im Ruhrgebiet liegt.

Wirtschaftsforum: Stricker feiert im nächsten Jahr sein 100. Firmenjubiläum und ist nach wie vor in Familienhand, auch immer noch grundsätzlich im gleichen Geschäftsfeld tätig. Worin sehen sie die Gründe für diesen Erfolg?

Hannes Sebastian Huber: Der Treiber dafür ist ganz klar die Eignerfamilie und innerhalb dieser die Persönlichkeiten, die das Unternehmen entscheidend geprägt haben: zum einen der Gründer, Amtsbaumeister Wilhelm Stricker, dessen gleichnamiger Sohn und die Enkel Hans-Wilhelm und Rolf Stricker. Heute wird das Familienunternehmen bereits in der 4. Generation geführt. Der Wert einer Eignerfamilie für ein Unternehmen ist immens, denn die Familie ist eben auch eine Organisationseinheit: Familien organisieren sich selbst, jeder weiß, was er zu tun hat und die Kompetenzen, die sich aus den Fähigkeiten und Eigenschaften der einzelnen Familienmitglieder ergeben, sind klar verteilt. Das ist auch in der heutigen Führungsebene innerhalb der Gruppe so. Diese besteht teilweise aus Familienmitgliedern und Fremdgeschäftsführern und auch der Beirat wird durch Familienmitglieder geführt. All das gibt einem Unternehmen ein starkes Rückgrat und die Fähigkeit flexibel und schnell zu reagieren.

Wirtschaftsforum: Spielt das Thema Fachkräftemangel bei Ihnen eine Rolle?

Hannes Sebastian Huber: Es spielt eine Rolle, aber wir bemühen uns, dem durch eine gute Firmenkultur zu begegnen, die dann auch wieder Menschen anzieht. Wir müssen wenig aktiv nach Fachkräften suchen, weil viele über Mundpropaganda zu uns kommen: Wir werden empfohlen. Wir haben eine geringe Fluktuation, wohl vor allem deshalb, weil bei uns eine gute Atmosphäre herrscht. Wir haben einen Wertekodex, den wir jedem Mitarbeiter an die Hand geben, und diese Werte leben wir auch: persönliche Erreichbarkeit, vertrauensvolles Miteinander, Zuverlässigkeit, Identifizierung mit dem Unternehmen, Transparenz und Loyalität.

Wirtschaftsforum: Was steht für die letzten Monate des Jahres 2022 auf Ihrer Agenda?

Hannes Sebastian Huber: Derzeit bindet die Preisproblematik am Baumarkt – und nicht nur dort – sehr viele Energien, weil wir die Preissteigerungen unseren Kunden gegenüber ja auch rechtfertigen müssen. Ein Thema, das uns weiterhin beschäftigt, ist nachhaltiges Bauen: Wir sind aktuell in ein großes Recyclingprojekt am Dortmunder Hafen involviert. Und auch wir selbst investieren in mehr Nachhaltigkeit, indem wir dabei sind, Stromtankstellen auf unserem Firmengelände zu errichten, die unseren Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Zurzeit wird auch unser Firmengebäude erweitert.

Wirtschaftsforum: Welche Vision haben Sie für das Unternehmen in den kommenden Jahren und eventuell Jahrzehnten?

Hannes Sebastian Huber: Wir definieren unsere Ziele für die nächsten Jahre in einem Fünfjahresplan. Geplant sind in diesem Zeitraum Investitionen in mehrstelligen Millionenbeträgen. Vor allem aber möchten wir weiter an unserem Ziel arbeiten, ein Partner für alles rund ums Bauen zu sein: Wenn es in unserem Bereich irgendeine Sparte gibt, welche von uns noch nicht bearbeitet wird, wollen wir uns genau darum kümmern. Immer gemeinsam – mit unseren Kollegen, Partnern und Kunden!

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