Vom Reifengroßhandel zum Systemanbieter

Wirtschaftsforum: Frau Ribbert, als internationaler Reifengroßhändler geht das Leistungsspektrum von IHLE tires inzwischen weit über die reine Produktbeschaffung hinaus. 

Juliette Ribbert: Ein Auto besteht aus Tausenden von Teilen, von denen die Reifen nur eine Handvoll ausmachen. Doch das Thema Reifen ist im Kern unheimlich komplex – allein schon wegen der enormen Produktauswahl, die in unserem Segment zur Verfügung steht. Hinzu kommen vielschichtige Logistikprozesse, die durchlaufen werden müssen, damit die richtigen Reifen zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen – denn die von uns belieferten Werkstätten sind wiederum ja ihren Kunden zu absoluter Termintreue verpflichtet, womit auch wir hohen Ansprüchen gegenüberstehen. Mit IHLE tires nehmen wir unseren Kunden diese Komplexität so weit wie möglich ab, damit sie sich voll und ganz auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren können. 

Wirtschaftsforum: Wie schaffen Sie das? 

Juliette Ribbert: Durch eine schlagkräftige europaweite Logistik. Wir betreiben insgesamt drei größere Läger – eines in Deutschland, eines in Frankreich und eines in der Slowakei –, auf deren Basis wir eine konsequente Produktverfügbarkeit sowie eine Lieferfähigkeit innerhalb von 24 Stunden gewährleisten können. Inzwischen umfasst unser Logistiknetzwerk über 120.000 verschiedene Lieferorte und ebenso belastbare Supplier-Strukturen. Gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren umfangreiche Investitionen in die Resilienz und Qualität unserer Lieferstrukturen getätigt, um unsere eigenen Prozesse so nahtlos wie möglich zu gestalten – etwa mit Barcode-Systemen und vielen weiteren Automatisierungsimpulsen. Die weitere Optimierung unserer Lagerautomatisierung und unserer bestehenden Logistikprozesse wird uns auch in den nächsten Jahren begleiten. 

Wirtschaftsforum: Wird diese Entwicklung auch durch den Fachkräftemangel getrieben? 

Juliette Ribbert: Wir selbst sind davon inzwischen weniger stark betroffen; in der Vergangenheit war das für uns eher ein Thema, aber derzeit erkennen wir nicht, dass sich dieses Problem für uns verschärfen würde. Denn wir haben in den letzten Jahren viel in die Ausgestaltung attraktiver und ergonomischer Arbeitsplätze investiert, mit geregelten Arbeitszeiten und einer nachhaltigen Unterstützung unserer Kollegen in der Logistik. Die Prozesse, mit denen wir uns beschäftigen, sind fachlich oftmals recht anspruchsvoll und wir merken, dass unsere Mitarbeitenden diese Herausforderungen gerne annehmen und sie aktiv mitgestalten. Für unsere Kunden liegt im Fachkräftemangel jedoch weiterhin ihre größte Herausforderung: Viele der von uns belieferten Betriebe sind recht klein und beschäftigen vielleicht drei oder vier Mitarbeitende. Für IHLE tires ist es vor diesem Hintergrund umso wichtiger, sie bei der Beschaffung von Reifen so nahtlos wie möglich zu unterstützen. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei gerade auch die Digitalisierung? 

Juliette Ribbert: Die Digitalisierung ist inzwischen wahrscheinlich mitunter das wichtigste Werkzeug, das wir haben, um die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen: Denn jenseits der reinen Lieferung der Reifen bieten wir heute Gesamtmodelllösungen an, die sich nahtlos in die Prozesse unserer Kunden integrieren lassen, ohne dass dabei für sie mehr Aufwand oder unnötige Klicks entstehen. Durch eine kohärente Einbindung in ihre ERP-Systeme wollen wir den Beschaffungsprozess so einfach wie möglich halten. Unsere Tracking-Systeme sorgen derweil für eine durchgreifende Transparenz und eine möglichst hohe Planungssicherheit entlang der gesamten Lieferkette. 

Wirtschaftsforum: Wie kundenindividuell fallen diese Lösungen dabei aus? 

Juliette Ribbert: Eine einzige Lösung anzubieten, reicht sicherlich nicht aus – genauso wenig kann man aber mit tausend verschiedenen operieren, schlicht weil die damit einhergehende Komplexität unweigerlich zu Missmanagement führen würde. Ich glaube, das ist in jedem Geschäftsfeld so. Die Kunst ist es also, den Kunden ein ausreichend breites Portfolio an digitalen Lösungen anzubieten, mit dem sich alle Anwendungsfelder zielgerichtet abdecken lassen. An diesem fein austarierten Gleichgewicht aus klar definierten Standards und individuellen Anpassungsmöglichkeiten arbeiten wir beständig weiter. Denn wenn unsere Lösung Mehraufwand für den Kunden bedeutet, machen wir unsere Arbeit nicht richtig. 

Wirtschaftsforum: Wie präsent steht das Thema Nachhaltigkeit auf Ihrer Agenda? 

Juliette Ribbert: Wir gehören seit beinahe zehn Jahren dem Michelin-Konzern an, für den Nachhaltigkeit eine der drei bestimmenden Säulen seiner Strategie darstellt. Dementsprechend hat auch IHLE tires schon lange seine Umweltbilanzen ermittelt und Potenzial für weitere Verbesserungen ausgelotet, mit denen wir einen echten Unterschied machen können. Eine effizientere Logistik und optimierte Transportwege sorgen dabei nicht nur für eine bessere Kundenerfahrung durch schnellere Lieferzeiten, sondern auch für eine Reduzierung unseres CO2-Ausstoßes, insbesondere in Verbindung mit ‘grünen Transporten’. Gleichzeitig haben wir zudem das Thema Elektromobilität und EV-Reifen als starken Wachstumsmarkt für IHLE tires identifiziert – auch dadurch wollen wir einen echten Impact erzielen. 

Wirtschaftsforum: Welche Vision möchte IHLE tires dabei für die nächsten Jahre verfolgen? 

Juliette Ribbert: Wir haben uns in den letzten Jahren systematisch vom klassischen Reifengroßhandel hin zu einem serviceorientierten Systemanbieter weiterentwickelt, um in Form von digitalen Lösungen noch tiefer in die Geschäftsumgebungen unserer Kunden vorzudringen. Diesen Weg wollen wir so auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Denn der physische Reifen an sich ist nur ein Teil der Lösung, die unser Kunde benötigt. In unserer Mission bleiben wir somit beständig und verlässlich: Wir wollen unseren Partnern die Arbeit weiterhin so einfach wie möglich machen. 

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