Von Logistik bis Lagerei
Interview mit Horst Schuon, Geschäftsführer der Gebrüder Schuon Logistik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schuon, schon seit vielen Jahrzehnten tritt Ihr Unternehmen als starker Partner für flexible Fulfillment- und Logistiklösungen in Deutschland auf. Welche Leistungen bieten Sie Ihren Kunden dabei im Detail an?
Horst Schuon: Neben dem Fulfillment, in dessen Rahmen wir je nach Auftragseingang circa 2.000 bis 10.000 Pakete pro Tag bewegen, engagieren wir uns auch in der Produktionsversorgung und -entsorgung für unsere Kunden und betreiben zudem ein Überhanglager, das sie bei entsprechenden Engpässen nutzen können. Dabei bewegt sich unser Unternehmen weit überwiegend im Konsumgüterbereich – von der rückläufigen Marktentwicklung im Maschinenbau- und Automotive-Segment sind wir also nur insoweit betroffen, als dass viele Logistikanbieter, die in der Vergangenheit ihren Fokus auf diese Branchen gerichtet hatten, nun auch in den Consumer Goods-Markt drängen und dort für einen höheren Preisdruck sorgen.
Dank unserer starken Flexibilität im Hinblick auf die umgeschlagenen Volumina und unserer nachhaltigen Serviceorientierung haben wir dadurch bisher jedoch noch keinen Kunden verloren.
Wirtschaftsforum: Daneben bieten Sie auch zahlreiche Mehrwertleistungen an.
Horst Schuon: Wir unterstützen unsere Partner auch bei der Kommissionierung, Verpackung und beim Displaybau: So haben wir für einen unserer Kunden kürzlich etwa 7.000 Warendisplays in vier Wochen aufgebaut und bestückt, die wir anschließend an die Zentralläger auslieferten. Im Supermarkt muss dann nur noch die Schutzhaube abgezogen werden und schon ist die Ware verkaufsbereit. Trotz der mitunter erheblichen Auftragsschwankungen setzen wir dabei weit überwiegend auf eigenes Personal und allenfalls punktuell in sehr geringem Umfang auf Leiharbeitskräfte. Verlässlichkeit ist dabei natürlich besonders wichtig. In einer der Hitzewellen im vergangenen Sommer erreichten uns von einem unserer Kunden, der Klimaanlagen versendet, beispielsweise auf einmal 2.000 Aufträge pro Tag anstelle der üblichen 200. Wir konnten bei vollem Einsatz das gesamte Volumen zielgerichtet abarbeiten – der Engpass lag dann eher beim nachgelagerten Paketdienstleister.
Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, diese besondere Flexibilität nachhaltig sicherzustellen?
Horst Schuon: Bei hohem Versandvolumen verkürzen sich die Laufwege, weil man die Ware oftmals direkt palettenweise aus den Regalen entnehmen kann. Noch entscheidender ist aber, dass der Chef dann auch selbst mitanpackt, wenn es schnell gehen muss. Gleichzeitig können wir auf ein gutes Verhältnis zu unseren Mitarbeitenden bauen, die in Spitzenzeiten auch zur einen oder anderen Überstunde bereit sind. Das hat uns gerade in schwierigen Zeiten zusammengeschweißt. Daneben betreiben wir einen eigenen kleinen Fuhrpark mit insgesamt fünf Sattelzugmaschinen und 25 Aufliegern, mit denen wir erforderlichenfalls innerhalb von gerade einmal zwei Stunden Verkehre vom und zum Kunden durchführen können.
Wirtschaftsforum: Schon seit den frühen 1990er-Jahren beschäftigen Sie sich zudem intensiv mit Softwarelösungen, die nicht nur Ihnen in Ihrem eigenen Unternehmen das Leben leichter machen sollen.
Horst Schuon: Wir haben der Gebrüder Schuon Logistik GmbH inzwischen ein eigenes Softwarehaus angegliedert, mit Lösungen, die schon seit 2010 in der Cloud bereitgestellt werden, zu einer Zeit, als das noch lange nicht dem Standard entsprach. Mittlerweile stellen wir sie auch externen Dritten zur Verfügung. Doch nicht nur hier haben wir Pionierarbeit geleistet. Für das reine Palettenhandling können wir inzwischen innerhalb von 24 Stunden eine entsprechende Anbindung an die SAP-Umgebung unseres Kunden herstellen, bei Fulfillment-Lösungen immerhin in zwei oder drei Tagen. Selbstverständlich müssen im Problemfall dann auch keine lästigen Tickets gelöst werden, bis von uns eine Reaktion kommt. Das ist für uns vielleicht ein bisschen kostspielig, aber es schafft Vertrauen und Flexibilität, und das ist, was zählt. Wir waren immer offen für Neues und haben mitunter auch dort eine Chance gesehen, wo andere sie nicht ergreifen wollten, immer mit der Frage im Hinterkopf, wo unseren Kunden gerade der Schuh drückt.
Wirtschaftsforum: Wo drückt Ihre Kunden heute der Schuh?
Horst Schuon: Die Zahlen im Onlinehandel sind im Vergleich zu den Vorjahren um fast ein Drittel rückläufig, denn die Warenflüsse sind derzeit nicht mehr ganz so verlässlich oder leicht kalkulierbar. Wir können unsere Kunden an dieser Stelle durch eine zuverlässige und hochwertige Leistung unterstützen – mit einer Fehlerquote von gerade einmal 0,02%.
Wirtschaftsforum: Diese konnten Sie durch eine neue Innovation kürzlich noch einmal weiter senken.
Horst Schuon: Vor zwei Jahren hat uns eine Fehlsendung in die Vereinigten Arabischen Emirate nicht nur sehr geärgert, sondern auch viel Lehrgeld gekostet. Innerhalb von 24 Stunden hatten wir dann eine Lösung entwickelt, die dieses Problem in Zukunft verlässlich verhindert. Entstanden ist ein Ampelsystem, in dessen Zuge jede Palette gescannt wird. Springt die Ampel auf Rot, konnten wir soeben eine Fehlsendung vermeiden.








