Mehr aus jedem Stamm herausholen

Interview mit Julian Fabarius, Geschäftsführer und Sven Schempp, Geschäftsführer der LINCK Holzverarbeitungstechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Fabarius, Herr Schempp – 200 Jahre Unternehmensgeschichte, das ist beeindruckend. Was macht LINCK heute zu dem Unternehmen, das es ist?

Julian Fabarius: Die Geschichte beginnt tatsächlich 1827 mit der offiziellen Bekanntmachung der geschäftlichen Aktivitäten des Unternehmens. Bereits seit den 1920er-Jahren konzentriert sich LINCK voll auf Sägewerkstechnik. Der entscheidende Impuls kam aber 1979 mit der Profiliertechnik. Diese Innovation war eine komplette Marktrevolution: Wo früher mehrere Maschinen nötig waren, konnte plötzlich mit einer einzigen Linie ein Vielfaches an Holzvolumen pro Minute verarbeitet werden. Diese Technologie macht uns bis heute einzigartig. Unser größtes Kapital ist das Wissen, das über Generationen aufgebaut wurde. Es gibt niemanden auf der Welt, der dieses Orchester so dirigieren kann wie LINCK. Wir haben über 400 Großprojekte realisiert. Dieses Know-how kann man nicht kopieren. Bei uns geht es darum, aus jedem Stück Holz, dieser wertvollen nachhaltigen Ressource, das Optimum herauszuholen.

Wirtschaftsforum: Sie erwirtschaften mit 350 Mitarbeitern bis zu 100 Millionen EUR Umsatz. Wie ist LINCK global aufgestellt?

Sven Schempp: Deutschland macht etwa 10% unseres Umsatzes aus, die DACH-Region 15 bis 20%. Weitere europäische Länder liegen bei 40 bis 50%, der außereuropäische Anteil bei 30 bis 40% – hauptsächlich Japan, Nord- und Südamerika. Der Serviceanteil beträgt konstant 20 bis 25% des Gesamtumsatzes. Wir arbeiten in allen Regionen mit lokalen Partnern zusammen, besonders im Service, denn die Verpflichtung ist klar: einmal verkaufen, 25 Jahre betreuen.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen das Thema Lifecycle Management an. Wie begleiten Sie Ihre Kunden über diese lange Zeit?

Julian Fabarius: Wenn ein Kunde heute ein komplettes Sägewerk baut, investiert er 120 bis 150 Millionen EUR. Unser Anteil liegt bei 10 bis 15%, aber wir sind der kritische Part, denn die Sägetechnologie ist das Herzstück. Nach dem Verkauf beginnt erst die eigentliche Arbeit: Schulungen, Modernisierungspakete, kontinuierliche Betreuung. Wir wollen unseren Kunden helfen, ihr Geschäft erfolgreicher zu betreiben. Und das gelingt nur, wenn wir auch nach 10, 15, 20 Jahren noch für sie da sind.

Wirtschaftsforum: Wo liegen die größten Potenziale für weitere Produktivitätssteigerungen?

Sven Schempp: Technologisch sind wir bereits am Limit. Schneller geht kaum noch. Der nächste Sprung liegt in der Digitalisierung. Mit unserer Plattform myLINCK bieten wir einen kompletten digitalen Zwilling der Anlage, Condition Monitoring, vorausschauende Wartung. Statt 80% Verfügbarkeit wollen wir dadurch mittelfristig 85 bis 90% erreichen. Diese Lösung wird immer mehr eine echte Referenz in der Branche. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Innovation bei der Produktentwicklung?

Julian Fabarius: Wir haben gerade auf der Ligna, unserer Leitmesse in Hannover, die Pro Nano vorgestellt. Das ist eine Linie speziell für Schwachholz. Die Zukunft des Sägewerks liegt in nördlicheren Regionen und in Regionen nahe dem Äquator, zum Beispiel in Südamerika oder dem Süden der USA. In Südamerika kostet ein Festmeter Rundholz aus Plantagen circa 30 USD, in Europa aktuell 120 bis 130 EUR. Für dieses schlankere Plantagenholz und das Holz der nördlichen Regionen braucht es angepasste Technologie und genau die liefern wir mit der Pro Nano. Außerdem sehen wir, dass Internationalisierung ein klarer Trend ist. Das Bevölkerungswachstum findet außerhalb Europas statt, die Holzressourcen sind dort günstiger verfügbar. 60 bis 70% unseres Absatzes gehen in die Bauindustrie und die wächst dort, wo Menschen leben und bauen. Gleichzeitig wird Holz als nachhaltiger Baustoff immer wichtiger. Die Holzbauquote in Deutschland ist von 2020 bis 2025 im Schnitt um etwa 5 Prozentpunkte gestiegen. Somit sehen wir langfristig insgesamt einen Wachstumsmarkt.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren für LINCK?

Sven Schempp: Das Know-how unserer 350 Mitarbeiter. Dieses Wissen ist über Jahrzehnte, über Berufsgenerationen gewachsen. Seit 1979 arbeiten wir an der Profiliertechnik, haben über 300 laufende Anlagen im Feld, davon mehr als 200 Profilieranlagen. Die Technik sieht auf den ersten Blick zunächst grundsolide aus, ist aber Hightech mit individueller Optimierung pro Stamm. Dieses Erbe ist unser größtes Kapital. Dazu kommt die Mentalität hier im Renchtal: fleißige Menschen mit einem unglaublichen Tüftler-Gen. Diese Kombination aus technischer Exzellenz und unternehmerischem Willen ist einzigartig. Wenn wir das jetzt noch mit Weitblick, Planung und Internationalisierung verbinden, entsteht etwas ganz Besonderes.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre?

Julian Fabarius: Wir wollen der Business- und Systemexperte für die wirtschaftlichste Verarbeitung von Rundholz sein. Das klingt ambitioniert, aber genau das ist unser Anspruch. Wir müssen das komplette Geschäft unserer Kunden verstehen. Nur dann können wir die richtigen Lösungen anbieten. Manchmal liegt die Optimierung gar nicht bei unserer Maschine, sondern beim Rundholzplatz oder der Sortierung. Wenn der Kunde dadurch mehr Ausbeute hat, haben wir unseren Job gemacht. Außerdem bauen wir gerade eine Academy auf – für interne Befähigung, aber auch für unsere Kunden. Consulting und Schulung werden immer wichtiger. Der Kunde kauft einmal, wird aber 25 Jahre betreut. In dieser Zeit verlässt Personal das Unternehmen, neues kommt hinzu. Wie befähigen wir diese Menschen? Wie helfen wir bei Modernisierungen? Das ist Lifecycle-Management im besten Sinne.

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