Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Interview mit Mario Haubner, Geschäftsleiter und Stefanie Haubner, Geschäftsleiterin der Haubner Holding GmbH

Die Haubner Holding GmbH wurde 1996 als klassischer Handwerksbetrieb gegründet und entwickelte sich aus dem Treppenbau heraus kontinuierlich weiter. „Wir sind heute in Deutschland der größte Treppenhersteller und fertigen rund 7.000 Treppenanlagen pro Jahr“, sagt Mario Haubner. Früh wurde jedoch klar, dass langfristige Stabilität nur durch Diversifikation erreichbar ist. Auf den Treppenbau folgten System­einhausungen wie Carports und Mülltonnenboxen, anschließend Garagen in Holzrahmenbauweise und schließlich der modulare Hoch- und Wohnungsbau. Diese Entwicklung folgte einer klaren strategischen Leitlinie: möglichst viel Wertschöpfung im eigenen Haus zu halten und Projekte ganzheitlich aus einer Hand abzuwickeln. Die vergangenen Jahre waren von erheblichen Umbrüchen geprägt. Während der Coronapandemie kam es insbesondere durch Grenzschließungen zu massiven Einschränkungen.

Da ein Produktionsstandort in Tschechien betrieben wird, waren Pendler und Grenzgänger zeitweise nicht verfügbar, interner Warenverkehr geriet ins Stocken, Planbarkeit ging verloren. Parallel explodierten die Materialpreise. „Wenn Stahl plötzlich nicht mehr 600 bis 800 EUR pro Tonne kostet, sondern bis zu 1.800 EUR, ist das für laufende Projekte und Vertragskalkulationen extrem belastend“, erläutert Mario Haubner. Zusätzlich führte der deutliche Zinsanstieg zu einem Einbruch im klassischen Einfamilienhausbau. Gerade die breite Aufstellung der Unternehmensgruppe erwies sich in dieser Phase als stabilisierender Faktor. Abgefedert werden konnte diese Phase unter anderem durch die zunehmende Nachfrage nach modularen Lösungen und durch Projekte der öffentlichen Hand.

Modulares Bauen als strategischer Schwerpunkt

Heute ist die Unternehmensgruppe klar in fünf Segmente gegliedert: Treppenbau, Systemeinhausungen, Garagenbau, Systembau mit Modulbau, serieller Sanierung und Fertigbau sowie Telekommunikation als Zulieferer von Stahlkonstruktionen für Funkmasten und Infrastrukturprojekte. „Wir sehen ganz klar, dass die Zukunft des Bauens im modularen Bauen liegt“, betont Mario Haubner, zumal dieses Segment auch in einem angespannten Markt­umfeld für Planungssicherheit und stabile Nachfrage sorgt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der hohe Vorfertigungsgrad. „Unsere Raummodule verlassen das Werk mit mindestens 80% Vorfertigung – inklusive Sanitärbereichen, Böden, Wänden und technischen Installationen“, erklärt Stefanie Haubner. Die Abläufe sind stark industrialisiert: Planung und Ausführung erfolgen über BIM-Modelle mit früher Kollisionsprüfung, die Fertigung ist vollständig ERP-gestützt, jeder Arbeitsschritt digital erfasst und durch CNC-Technik, Zuschnittszentren und Robotik unterstützt. Der Produktionsablauf folgt dabei einem klaren Taktprinzip, vergleichbar mit Prozessen aus der Automobilindustrie. Nachhaltigkeit ist für das Unternehmen kein abstrakter Anspruch, sondern ein klarer operativer Maßstab. Verarbeitet werden ausschließlich zertifizierte Materialien, und jedes Projekt folgt hohen ökologischen Anforderungen. Produkte wie die ökologische Garage haben sich dabei als Alleinstellungsmerkmal etabliert, während parallel neue Reihenhauskonzepte in ökologischer Holzmodulbauweise entwickelt werden.

„Viele Bauträger suchen heute Lösungen, die wirtschaftlich, nachhaltig und schnell realisierbar sind – genau hier setzen wir an“, sagt Stefanie Haubner. Die Kundenstruktur ist entsprechend breit und reicht von Architekten, Bauträgern und Bauunternehmern über Investoren und Projektentwickler bis hin zu Kommunen, Städten und Gemeinden. Die Haubner Holding GmbH ist bundesweit tätig und arbeitet zunehmend in der DACH-Region, insbesondere Österreich gilt als wichtiger Markt. Für die kommenden Jahre stehen der Ausbau der Marke Kengo Treppen, neue Partnerbetriebe für Sanierung und Renovierung sowie der weitere Ausbau des 5G- und Telekommunikationsbereichs auf der Agenda. Trotz aller Wachstumsfelder bleibt Beständigkeit das Leitmotiv. „Nach diesen Jahren mit starkem Wellengang ist es unser Ziel, stabil weiterzuarbeiten und vorbereitet zu sein, wenn politische Impulse wie ein möglicher Bauturbo greifen“, so Mario Haubner. Getragen wird dieser Kurs von rund 250 Mitarbeitenden an vier Standorten. Fachkräfte- und Führungskräftemangel werden aktiv adressiert, neue Abteilungen integriert und erfahrene Mitarbeitende mitgenommen. „Wir verstehen uns als Familie – und diese Familie trifft sich auch“, sagt Stefanie Haubner; ob beim gemeinsamen Weihnachtsumtrunk oder im täglichen Austausch, die familiäre Kultur ist Teil der Struktur und Grundlage dafür, den eingeschlagenen Weg mit Augenmaß, Beständigkeit und klarem Fokus auf modulare Lösungen fortzusetzen.

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