Von der Natur inspiriert – Bambus­lösungen für Architektur und Industrie

Interview mit Michael van Houten, Commercial Unit Manager DACH & NEEU der Moso International B.V.

Wirtschaftsforum: Herr van Houten, Moso International gilt als einer der globalen Pioniere im industriellen Einsatz von Bambus. Wie hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt?

Michael van Houten: Moso International wurde 1997 gegründet – zu einer Zeit, in der Bambusprodukte gerade erst auf den Markt kamen und die industrielle Verarbeitung noch in den Kinderschuhen steckte. Die Gründer Gerry Jansen und René Zaal waren die Ersten, die Bambus als ernstzunehmenden Werkstoff etablierten. Sehr früh zeigte sich allerdings, dass die damaligen Lieferketten aus China Qualitätsprobleme hatten. Deshalb begann Moso bereits Ende der 1990er-Jahre, eigene Ingenieure vor Ort einzusetzen und Maschinen nach China zu bringen, um die Präzision zu sichern – besonders für Deutschland, wo hohe Passgenauigkeit gefragt ist. Mit wachsender Erfahrung entstanden weitere Anwendungen: Neben Parkett und Platten folgten Interieurprodukte und erste industrielle Großprojekte. Ein Meilenstein war 2004 der internationale Durchbruch mit der 200.000 m2 umfassenden Bambusdecke im Madrider Flughafen Barajas – ein Projekt, das bis heute besteht und Moso weltweit sichtbar gemacht hat.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die heutige Struktur des Unternehmens aus?

Michael van Houten: Die Gründer sind inzwischen im Ruhestand. Zwei langjährige Investoren haben das Unternehmen übernommen und führen es heute als Eigentümer. Weltweit beschäftigen wir rund 110 Mitarbeitende, davon etwa ein Drittel in China. Am Hauptsitz in Zwaag arbeiten rund 40 Menschen, ergänzt durch Vertriebsstandorte in Nordamerika, Spanien, Italien, Südafrika und dem Mittleren Osten. Wir beliefern mehr als 60 Länder, wobei die Niederlande etwa 20% unseres Geschäfts ausmachen. Je nach Markt arbeiten wir mit eigenen Mitarbeitenden oder mit Agenturen, um flexibel auf lokale Besonderheiten reagieren zu können. Besonders in Deutschland, Österreich und Nordeuropa bewährt sich diese Kombination.

Wirtschaftsforum: Welche Produktgruppen bilden das Herzstück Ihres Portfolios?

Michael van Houten: Wir arbeiten ausschließlich mit Bambus und bedienen drei Segmente: den Handel mit Bodenbelägen und Platten für den Innenbereich und Terrassendielen, Fassadenprofile und Konstruktionshölzer für den Außenbereich, die Architektur mit Projekt- und Designlösungen sowie Industriekunden, für die wir maßgeschneiderte Komponenten entwickeln. Ein aktuelles Beispiel ist ein zweijähriger Tender der Deutschen Bahn, für den wir vorkonfektionierte Möbelbalken mit Inserts und Fräsungen für neue und renovierte Bahnsteigbänke liefern. Darüber hinaus entstehen im Bereich Schwerlastindustrie innovative Anwendungen, etwa hochbelastbare 100 × 100 × 1000 mm Hublasthölzer für Krane, die in der Lastverteilung tropisches Hartholz ersetzen. Seit 2008 bieten wir zudem witterungsbeständige Produkte für den Außenbereich an. Grundlage ist ein Prozess, bei dem wir den natürlichen Zucker aus dem Bambus entfernen – damit entziehen wir Pilzen und Mikroorganismen den Nährboden und ermöglichen langlebige Terrassendielen, Fassaden oder Konstruktionsbauteile.

Wirtschaftsforum: Bambus gilt als besonders nachhaltig. Welche ökologischen Vorteile spielen für Ihre Kunden eine Rolle?

Michael van Houten: Nachhaltigkeit ist seit unserer Gründung ein Kernmotiv – heute stärker denn je. Botanisch ist Bambus ein Gras, das jährlich neue Sprosse bildet und sich aus dem Wurzelstock regeneriert. Dadurch lassen sich jährlich rund 20 bis 25% eines Bestandes ernten, ohne ihn zu schwächen. Nach fünf Jahren ist Bambus erntereif und erreicht technische Eigenschaften, die mit Tropenholz vergleichbar sind. Zugleich bindet das Material rund 1.662 kg CO2 pro m3 – ein Wert, der es zu einem natürlichen CO2-Speicher macht. Unsere Terrassendielen erreichen eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren, Fassaden begleiten die komplette Lebensdauer eines Gebäudes. Ergänzend verfügen unsere Produkte über EPDs sowie FSC-Zertifizierungen und sind in DGNB-, QNG- und weiteren internationalen Bewertungssystemen zugelassen. Damit schaffen wir Transparenz und erleichtern Architekten die Integration in nachhaltige Baukonzepte.

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie die zentralen Erfolgsfaktoren von Moso?

Michael van Houten: Wir haben uns von Anfang an bewusst auf Bambus konzentriert – und diese Spezialisierung zahlt sich aus. Viele Wettbewerber sind auf andere Materialien ausgewichen, weil Bambus anspruchsvoll ist, Investitionen erfordert und eine enge Zusammenarbeit mit der Produktion notwendig macht. Unsere technische Expertise, die stetige Prozessoptimierung und die enge Verzahnung von Vertrieb, Entwicklung und Produktion schaffen Lösungen, die sowohl ökologisch als auch funktional überzeugen. Das gilt für internationale Großprojekte ebenso wie für innovative Industrieanwendungen oder architektonische Speziallösungen. Unsere Kunden schätzen die Beratungsstärke, die Genauigkeit und die Leidenschaft, mit der wir ein einziges Material in all seinen Facetten weiterentwickeln.

Wirtschaftsforum: Welche Vision verfolgt Moso für die kommenden Jahre?

Michael van Houten: Wir möchten Bambus weiterhin als ernstzunehmenden technischen Werkstoff etablieren – überall dort, wo heute noch nicht regenerative Materialien dominieren. Dazu gehören der Wasserbau, kon­struktive Anwendungen im Außenbereich sowie Bereiche, in denen tropische Harthölzer, Kunststoff oder Beton eingesetzt werden. Gleichzeitig wollen wir neue Produktlösungen entwickeln, die den Anforderungen unterschiedlicher Märkte gerecht werden. Unsere Messe- und Architektenformate – etwa Architect@Work, das River-Event oder branchenspezifische Veranstaltungen wie der ‘Tag des Holzes’ – helfen uns, im engen Austausch mit Planern und Partnern zu bleiben. Unser Ziel ist, einen spürbaren Beitrag zu einer nachhaltig gebauten Umwelt zu leisten und die Möglichkeiten von Bambus kontinuierlich zu erweitern.

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