„Wir steigen da ein, wo andere aufhören.“
Interview mit Silvio Kunze, Geschäftsführer der Bauunternehmen Hansjörg Kunze GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kunze, Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie hat alles begonnen?
Silvio Kunze: Angefangen hat alles 1991 mit meinem Vater, der Maurermeister war und mit Schornsteinsanierungen gestartet ist. Daraus sind Schritt für Schritt weitere Gewerke entstanden – Dach, Zimmerei, später Stahl-, Roh- und Tiefbau. Und dann kam irgendwann die Spezialisierung: der Denkmalschutz. Das hat uns geprägt und ist heute unser Kern.
Wirtschaftsforum: Was macht diesen Bereich für Sie so besonders?
Silvio Kunze: Im Bestand zu bauen ist nie Standard. Es gibt nichts von der Stange. Jedes Gebäude ist anders, jede Lösung neu. Ich sage immer: Ein zweites Mal gibt es bei uns nicht. Genau das reizt mich – dieses tägliche Neu-Denken. Neubau? Der interessiert mich ehrlich gesagt nicht.
Wirtschaftsforum: Ihre Projekte reichen von Theatern bis zu Schlössern. Was zeichnet Ihre Arbeit aus?
Silvio Kunze: Wir haben uns einen Namen gemacht, weil wir uns auch an schwierige Aufgaben heranwagen. Ob Schlosstheater in Celle oder Schauspielhaus in Hamburg – oft arbeiten wir unter Bedingungen, die andere gar nicht erst angehen. Unser Ansatz ist: Wir steigen da ein, wo andere aufhören.
Wirtschaftsforum: Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Silvio Kunze: Es ist das Zusammenspiel. Erfahrung, Teamgeist und der Wille, Lösungen zu finden. Unsere Leute sind keine klassischen Handwerker mehr – das sind Künstler. Wenn jemand ein Detail nachbaut, das vor 200 Jahren per Hand entstanden ist, dann ist das echte Kunst.
Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist dabei die Planung?
Silvio Kunze: Extrem wichtig. Die Strategie entscheidet. Ich habe vor jedem Projekt denselben Respekt wie am ersten Tag. Wer glaubt, es läuft schon irgendwie, hat im Bestand verloren. Man muss vorher denken – sonst steht man auf der Baustelle und kommt nicht weiter.
Wirtschaftsforum: Sie arbeiten stark mit öffentlichen Auftraggebern. Wie entwickelt sich der Markt?
Silvio Kunze: Man merkt deutlich, dass weniger Geld da ist. Es gibt mehr Wettbewerb und weniger Projekte. Aber wir profitieren von unserer Spezialisierung. Wir sind oft in ausgewählten Ausschreibungen dabei und müssen nicht gegen 20 Anbieter antreten.
Wirtschaftsforum: Wie steht Ihr Unternehmen aktuell da?
Silvio Kunze: Wir sind mit rund 40 Mitarbeitern gut aufgestellt und erwirtschaften etwa 6 Millionen EUR Umsatz. Die Auslastung ist stabil, auch wenn die Vorlaufzeiten kürzer geworden sind.
Wirtschaftsforum: Ein großes Thema ist der Nachwuchs. Wie gehen Sie damit um?
Silvio Kunze: Wir investieren stark in Ausbildung. Rund sieben Lehrlinge sind aktuell bei uns, insgesamt waren es schon weit über 80. Besonders wichtig ist mir, dass die jungen Leute Verantwortung übernehmen. In unserem Lehrlingscamp bauen sie eigene Projekte – und sind am Ende stolz darauf.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Silvio Kunze: Die Projekte lassen einen nicht los. Ich habe Nächte erlebt, in denen ich zur Baustelle gefahren bin, weil ich Sorge hatte, dass etwas schiefgeht. Aber genau das zeigt auch: Wir stehen hinter dem, was wir tun. Diese Verantwortung gehört dazu.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?
Silvio Kunze: Grundsätzlich positiv. Denkmäler werden immer saniert werden müssen. Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben und unser Wissen weitergeben. Und dass die nächste Generation ihren eigenen Weg gehen kann – mit eigenen Fehlern. Nur so entsteht echte Entwicklung.

















