„Für uns ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes das Maß der Dinge“

Interview mit Hermann Stegink, geschäftsführender Gesellschafter der Solid.Modulbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stegink, wie hat sich Solid.Modulbau seit der Gründung entwickelt? 

Hermann Stegink: Wir sind 2016 als reines Modulbauunternehmen für den geförderten Wohnungsbau gestartet, zunächst mit Betonfertigteilen. Seither haben wir uns konsequent weiterentwickelt – hin zu hybrid geplanten und seriell produzierten Gebäuden. Heute arbeiten wir mit rund 15 eigenen Beschäftigten, im erweiterten Verbund mit unseren Partnerunternehmen sind es etwa 75 bis 80 Personen. Wichtige Meilensteine waren der Fokus auf solarelektrische Gebäudekonzepte, Auszeichnungen im Nachhaltigkeitskontext sowie die Erweiterung unseres Portfolios um Sanierung, Fertigbadproduktion und W.T.W. Watt-Technik-Wärme zur Optimierung von Bestandsimmobilien.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Gebäude technologisch besonders aus? 

Hermann Stegink: Unsere Kernkompetenz sind solarelektrische Gebäude. Wir haben uns bewusst von klassischen wassergeführten Heizsystemen, von Fernwärme und auch weitgehend von der Wärmepumpentechnologie entfernt. Stattdessen arbeiten wir mit PV-Anlagen, dynamischen Stromspeichern und Infrarotheizungen, also mit vollelektrischen Systemen. Unsere Erfahrung aus realisierten Projekten zeigt, dass diese Lösung für den Endverbraucher häufig effizienter und günstiger ist – sowohl beim Invest als auch im späteren Betrieb. Vor allem die zweite Miete wird dadurch spürbar entlastet. Diese macht die Immobile in der Vermietung deutlich atraktiver. Auch ist der Wartungsaufwand um ein Vielfaches geringer als bei wassergeführten Systemen mit einer Nutzungsdauer von deutlich über 30 Jahren.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist in Ihrer Branche ein zentrales Schlagwort. Wie verstehen Sie diesen Begriff?

Hermann Stegink: Für uns ist Nachhaltigkeit nicht einfach ein grüner Stempel. Natürlich beschäftigen sich unsere Forschungsobjekte am Ende immer mit nachhaltigen Lösungen. Aber entscheidend ist für uns die Wirtschaftlichkeit. Was nützt ein Konzept, das politisch als nachhaltig gilt, wenn es den Kunden dauerhaft hohe Kosten verursacht – was beim Wärmepumpeneinsatz auftreten kann und erst später in der Nutzung und nach dem Invest festgestellt wird. Das ist kein Einzelfall in der Sanierung. Unser Ansatz ist deshalb: Nachhaltigkeit muss sich rechnen. Wenn unsere Kunden durch bessere Technik, weniger Wartung und geringere Betriebskosten sparen, dann ist das aus unserer Sicht gelebte Nachhaltigkeit. 

Wirtschaftsforum: Können Sie diese Wirtschaftlichkeit an konkreten Beispielen festmachen?

Hermann Stegink: Ja, sehr deutlich sogar. Wir haben Vergleichsobjekte realisiert, bei denen ein Gebäude solarelektrisch betrieben wurde und ein anderes mit Wärmepumpe oder auch Fernwärme. Über eine gerechnete Nutzungsdauer von 45 Jahren zeigte sich, dass das solarelektrische Objekt beim Energieverbrauch wesentlich günstiger lag. Am unwirtschaftlichsten war in diesem Vergleich eindeutig die Fernwärme. Im praktischen Vergleich über fünf Jahre waren die Kosten für Warmwasser und Heizenergie inklusive Wartungskosten um über 20% günstiger als bei der Wärmepumpe und um über 35% günstiger als bei der Fernwärme. Für uns bestätigt das, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Hinzu kommt: Unsere Gebäude sind nahezu wartungsfrei, sehr pflegeleicht und benötigen keine klassischen Messdienstleister für wassergeführte Heizsysteme. Das reduziert die laufenden Kosten zusätzlich.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte und Zielgruppen stehen bei Ihnen im Mittelpunkt?

Hermann Stegink: Unser Schwerpunkt liegt klar im Geschosswohnungsbau. Wir arbeiten für Kapitalanleger, Investoren, kommunale Wohnungsbauunternehmen und Genossenschaften, vor allem im geförderten Wohnen. Ein zweites Standbein ist die Errichtung von Kindergärten. Neu hinzugekommen ist außerdem der Bereich Schulgebäude. Regional haben wir zwei Schwerpunkte: Berlin und das Münsterland mit einem Radius von etwa 350 km rund um unseren Firmensitz in Ahaus.

Wirtschaftsforum: Was schätzen Ihre Kunden besonders an der Zusammenarbeit mit Ihnen?

Hermann Stegink: Unsere Kunden schätzen vor allem die Planungs- und Kostensicherheit. In rund 80% der Fälle kommen sie direkt, ohne Ausschreibung, auf uns zu, indem wir auch die Planungsleistungen und das Projektmanagement übernehmen. Wir begleiten die Projekte als Generalunternehmer vom ersten Entwurf an und beraten sehr eng im 1:1-Austausch. Der große Vorteil liegt darin, dass der Kunde früh eine schnelle Planung, eine hohe Rechtssicherheit und zugleich eine belastbare Preissicherheit für die Finanzierung bekommt. Das seriell-modulare Bauen ist auch für Banken interessant, weil das Risiko gegenüber konventionellen Bauweisen deutlich besser kalkulierbar ist.

Wirtschaftsforum: Neben dem Neubau ist auch die Sanierung ein wichtiges Thema geworden. Wie gehen Sie hier vor? 

Hermann Stegink: Wir haben den Bereich Sanierung vor rund einem Jahr ins Portfolio aufgenommen. Dabei gehen wir sehr praxisnah vor. Man kann Sanierung nicht vom Schreibtisch aus betreiben. Man muss ältere Baustoffe kennen und verstehen, wie Gebäude tatsächlich funktionieren. Genau hier liegt unsere Stärke, weil alle Beschäftigten bei uns einen handwerklichen Hintergrund im Baubereich haben. Wir sanieren so viel wie nötig, aber nicht um des Sanierens willen. Entscheidend ist immer, dass es für den Bauherrn wirtschaftlich effektiv bleibt. Durch den Einsatz der über sieben Jahre entwickelten Messtechnik in Verbindung mit großen Wohnungsbauunternehmen, dem Wirtschaftsministerium und dem ISFH können wir die Gebäude sehr genau spezifizieren. Das ist ein riesiger Vorteil in der Kosteneinsparung der Heiztechnik, während alle anderen von Verbräuchen und Normen ausgehen. Bei uns wird ein Gebäude vor der Planung über zwölf Monate energetisch alle drei Minuten gemonitort. Die Ergebnisse sind dadurch überragend.

Wirtschaftsforum: Was sind vor diesem Hintergrund derzeit die größten Herausforderungen in Ihrer Branche und wo sehen Sie Solid.Modulbau in den kommenden Jahren? 

Hermann Stegink: Eine der größten Herausforderungen ist aus meiner Sicht die Überregulierung. Wir brauchen in Deutschland einen deutlichen Bürokratieabbau, verschlankte und digitalisierte Verwaltungen und wieder mehr Freiheit für Ingenieure und andere kluge Köpfe, damit gute Lösungen nicht ständig durch Vorschriften ausgebremst werden. Gleichzeitig ist die geopolitische Lage fragil. Auch deshalb setzen wir nicht auf Luftschlösser, sondern auf gesundes, kontrolliertes Wachstum. Wir wollen sehr nah am Markt bleiben, neue Anforderungen früh erkennen und weiterhin Gebäude realisieren, die nachhaltig, wirtschaftlich und im Betrieb dauerhaft günstig sind. Denn am Ende ist und bleibt für uns der Kunde das Maß der Dinge.

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