Cannabis als Medizin

Interview mit David Henn, CEO und Gründer der Semdor Pharma Group GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Henn, Ihre Marke Cannamedical ist heute der größte Cannabis-Brand in Deutschland. Wie ist es dazu gekommen?

David Henn: Tatsächlich sind wir heute landesweit die größte Marke mit einer Distribution an rund 2.000 Apotheken. Ich habe das Unternehmen 2016 gegründet. Ich wollte ein Greenfield mitgestalten und habe im medizinischen Cannabis-Markt eine große Chance gesehen. Heute kann ich sagen, dass wir das Thema medizinische Cannabis-Therapie nach Deutschland geholt, hier mitgestaltet und etabliert haben. Wir sind einer der ganz wenigen Anbieter in diesem Bereich, die profitabel wirtschaften. Ein wichtiger Schritt war, dass wir 2019 zwei große Private Equity Fonds mit an Bord geholt und damit den Weg für weitere Investitionen und Expansion frei gemacht haben. Ein strategischer Meilenstein war auch, unsere bisherigen Unternehmen, die PS Pharma Service, die PB Arzneimittelhandel und die PS Marketing und Outsourcing zur Semdor Group zu verschmelzen. So können wir unter einem Dach ein breites Geschäftsfeld abdecken.

Wirtschaftsforum: Was sind die wichtigsten Säulen des Geschäfts?

David Henn: Die PS Pharma ist eines der drei führenden pharmazeutischen Lager in Deutschland, mit Fokus auf die Lagerung von Betäubungsmitteln. Die PS Marketing und Outsourcing konzentriert sich auf die Autorisierung von Generika. Durch die verschiedenen Zulassungen können wir neue Produkte entwickeln, zum Beispiel hybride oder klassische Pharmazeutika mit medizinischem Cannabis. Der PB Arzneimittelhandel ist seit 25 Jahren ein Partner des Großhandels.

Wirtschaftsforum: In welchem Geschäftsbereich verzeichnen Sie das größte Wachstum?

David Henn: Die höchsten Wachstumsraten erzielen wir zurzeit mit medizinischem Cannabis. Der Markt selbst hat Wachstumsraten von 100% pro Jahr. Wir verzeichnen jährliche Steigerungsraten zwischen 80 und 150%.

Wirtschaftsforum: Was sind die wichtigsten Produkte Ihres Sortiments?

David Henn: Insgesamt vertreiben wir 16 verschiedene Produkte unter dem Cannamedical-Brand. Unser Fokus liegt auf drei Präparaten. Dies sind Indica Forte, Sativa Forte und Hybrid Ultra. Indica wird üblicherweise als Muskelrelaxantium und in der Schmerztherapie eingesetzt. Sativa Forte kann für die Behandlung von Epilepsien und psychosomatischen Erkrankungen verwendet werden. Hybrid Ultra ist derzeit unsere stärkste medizinische Cannabis-Blüte in Deutschland. Sie hat einen hohen THC-Gehalt und wird nicht bestrahlt.

Wirtschaftsforum: Woher kommt Ihr Cannabis?

David Henn: Wir sourcen weltweit, unter anderem in Kanada, Australien, Südafrika, in Dänemark und Mazedonien.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Semdor?

David Henn: Wir versuchen, auch hier eine Vorreiterrolle anzunehmen. Zum Beispiel haben wir unsere Verpackungsmaterialien und den Verpackungsmüll um fast 50% reduziert, indem wir unsere Dosen aus HDPE-Material höher befüllen. Unser Ziel ist es, in vier Jahren klimaneutral zu sein. Wir reisen weniger und haben eine eigene Fahrzeugflotte mit Elektrofahrzeugen. Wir arbeiten auf ein papierloses Büro hin und überprüfen zurzeit den Input der grünen Logistik. Als einziges Unternehmen in der Cannabis-Branche sind wir dem grünen Punkt angeschlossen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2023?

David Henn: Auf unserer Agenda stehen vor allem Wachstum und Internationalisierung und hier in erster Linie die Erschließung neuer EU-Märkte. Langfristig möchte ich Semdor zu einem Unicorn machen.

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