Von der Garage zum Global Player

Interview mit Mareike Boccola, geschäftsführende Gesellschafterin der Hauschild GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Boccola, ist es seit jeher Ihr Wunsch gewesen, das Familienunternehmen zu übernehmen?

Mareike Boccola: Ich bin in die Nachfolge nicht ‘hineingestolpert’, aber sie war auch nicht geplant. Gemeinsam mit meinem Mann bin ich diesen Schritt gegangen, weil es sich zu dem Zeitpunkt richtig angefühlt hat. Mir war wichtig, dass ich nie gezwungen war einzusteigen. Nach meinem Betriebswirtschaftsstudium ging ich ins Ausland, baute in China ein Büro für ein Start-ups im Bereich Wassertechnologie auf und lernte dort meinen Mann kennen. Als mein Vater 2013 fragte, ob ich übernehmen möchte, konnten mein Mann und ich uns das gut vorstellen. Er ist Ingenieur und hat sich in das Produkt verliebt.

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert eigentlich der Speedmixer und was macht ihn so besonders?

Mareike Boccola: Mein Vater war ein klassischer ‘Garagentüftler’. Durch seinen Schwiegervater, der in der Dentalbranche tätig war, bekam er mit, wie Zahnärzte Abdrücke nahmen. Die Zahnarzthelferinnen rührten die Masse per Hand an, was ungenau war und ermüdend. Da entstand die Idee des Speedmixers – die erste rührwerklose Mischtechnologie. Ein Becher dreht sich auf einer Platte, die Mischbecheraufnahme in die eine Richtung und der Becher in die andere. Durch die gegeneinander wirkenden zentrifugalen Kräfte mit Umdrehungen bis zu 3500 RPM pro Minute findet ein Mischprozess statt. Das hört sich einfach an, benötigt aber viel Wissen über Rheologie und Materialwissenschaft.

Wirtschaftsforum: Letztes Jahr hat Hauschild sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Welche wichtigen Meilensteine gab es in der Firmengeschichte?

Mareike Boccola: Der wichtigste Meilenstein war natürlich die Patentierung der rührwerklosen Mischtechnologie durch meinen Vater in den 1970er-Jahren. 2021 kam dann die absolute Innovation, die mein Mann in 2. Generation entwickelt hat – die erste Smart Machine. Wir waren die Ersten auf dem Markt mit IoT-fähigen Geräten und Temperaturkontrolle. Der größte Quantensprung war 2022 die Temperaturmessung und -kontrolle, mit der wir wieder Vorreiter waren. Ein weiterer Meilenstein war die Gründung einer eigenen Vertriebsgesellschaft in den USA im Jahr 2020, mitten in der Pandemie.

Wirtschaftsforum: Was sind die Besonderheiten Ihrer Produkte? Wo liegen die USPs?

Mareike Boccola: Erstens: Made in Germany. Die Präzision, die wir durch unsere Handarbeit erzielen, ist ohnegleichen. Zweitens: Kein Kompromiss hinsichtlich Qualität. Wir kaufen nicht billige Komponenten, sondern setzen auf höchste Qualität. Und drittens: Absolute Kundenorientierung. Wir stellen nicht einfach ein Gerät hin und lassen die Kunden allein. Unsere Vertriebler fahren zu den Kunden, führen Tests mit deren Materialien durch und programmieren bei der Einweisung alle Abläufe gemeinsam mit ihnen. Wir sind mit dem Ohr am Kunden und finden für jedes Problem die passende Lösung.

Wirtschaftsforum: Wie digital ist Hauschild heute aufgestellt?

Mareike Boccola: In der Produktentwicklung sind wir digital sehr weit. Bei den eigenen Prozessen haben wir als klassischer Mittelständler noch Potenzial. Stark sind wir in der Digitalisierung unserer Produkte – wir bieten nicht nur das Mischen an, sondern auch die Analyse und das Sammeln von Daten. Der Weg zum Sammeln und Analysieren von Mischdaten, die Einbindung künstlicher Intelligenz zur Überwachung und Auswertung der Mischprozesse – das ist die Zukunft. Heute werden die Möglichkeiten der Datenanalyse noch nicht vollständig genutzt.

Wirtschaftsforum: Wie international ist Ihr Unternehmen heute?

Mareike Boccola: Wir haben 50 Mitarbeiter in Deutschland und 12 in den USA. Unsere Exportrate liegt weit über 50%, mit dem Hauptmarkt USA. Wachstumspotenzial sehen wir in der Expansion in weitere Länder wie Indien oder Lateinamerika, wo noch viel per Hand gemischt wird. Zudem nehmen uns die großen Chemiekonzerne mit, wenn sie international expandieren.

Wirtschaftsforum: Welche Werte prägen Ihr Familienunternehmen?

Mareike Boccola: Bei uns ist der Name Programm – Familie. Wir sprechen von unserer „Hauschild-Familie“. Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut, und wir kümmern uns um sie. „We care about you“ – diesen Wert hat mein Mann eingeführt. Dazu kommen höchste Qualität, kontinuierliche Innovation, Kundenorientierung sowie Ehrlichkeit und Professionalität.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Strategie für die kommenden Jahre aus?

Mareike Boccola: Wir wollen weiterhin vorne sein, kontinuierlich unsere Produkte und Services weiterentwickeln und neue Märkte erschließen – global und branchenspezifisch. Außerdem möchten wir unsere digitale Präsenz stärken. Man spricht ja vom ‘Hidden Champion’ im Mittelstand – dazu gehören wir noch. Aber ich glaube, die Zeit des ‘Hidden’ ist vorbei. Wir müssen ein ‘obvious’ oder ‘well-known Champion’ werden – für die Kundengewinnung, Mitarbeitergewinnung und Positionierung als Marke. Unser Ziel ist, dass wir bei allem, was wir anbieten, den ‘WOW-Effekt’ beim Kunden erzeugen, den wir oft erleben, wenn Kunden unseren Mischvorgang zum ersten Mal sehen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

„Wir entwickeln die IT-Fachkräfte von morgen.“

Interview mit Jovan Ilic, Geschäftsführer der goldsteps Consulting GmbH & Co. KG

„Wir entwickeln die IT-Fachkräfte von morgen.“

Trotz Rezession sind in Deutschland derzeit über 100.000 IT-Stellen unbesetzt. Genau hier setzt goldsteps an: „Wir schaffen IT-Karrieren – und unterstützen Unternehmen damit, die IT-Fachkräfte von morgen zu gewinnen.“ Durch…

Spannendes aus der Region Hamm

Vom Stall bis zur Wallbox – Energie intelligent nutzen

Interview mit Dipl.-Ing. Andreas Kulke, Gründer und Geschäftsführer der alcona Automation GmbH

Vom Stall bis zur Wallbox – Energie intelligent nutzen

Die Landwirtschaft steht unter Druck – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Gleichzeitig boomt die Elektromobilität, und auch die Energiewende verlangt nach innovativen Lösungen. Genau an diesen Schnittstellen positioniert sich die alcona…

Wenn Reinigung zum Prozess wird

Interview mit Karsten Honnefeller, Geschäftsführer DACH der Tennant GmbH & Co. KG

Wenn Reinigung zum Prozess wird

In Industrie, Logistik und öffentlichen Gebäuden entscheidet Sauberkeit längst nicht mehr nur über den ersten Eindruck – sondern über Sicherheit, Effizienz und verlässliche Abläufe. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Flächen werden…

Wasser schützen, Werte bewahren

Interview mit Sabine Wille, Geschäftsführerin der Abscheidetechnik Wille GmbH und Karoline Eckhoff, Geschäftsführerin der SWW

Wasser schützen, Werte bewahren

Abscheideranlagen schützen Kanalisation und Gewässer vor Öl, Benzin, Fetten und anderen Schadstoffen. Damit sie dauerhaft sicher und wirtschaftlich arbeiten, müssen sie regelmäßig geprüft, gewartet und modernisiert werden. Die Abscheidetechnik Wille…

Das könnte Sie auch interessieren

Warum smarte Trocknung immer wichtiger wird

Interview mit Gregorio Zuazu Vela, CEO der CORROVENTA Entfeuchtung GmbH

Warum smarte Trocknung immer wichtiger wird

Wenn es um Wasserschäden geht, zählt jede Stunde. Deshalb setzt die CORROVENTA Entfeuchtung konsequent auf Effizienz, Digitalisierung und praxisnahe Innovation. Unter der Leitung von Gregorio Zuazu Vela entwickelt sich das…

Die Verbindung macht den Unterschied

Interview mit Martin Brück, Geschäftsführer der APT Advanced Polymer Tubing GmbH

Die Verbindung macht den Unterschied

Fluorpolymere sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken – ohne dass es uns bewusst ist. Ein bekanntes Beispiel sind Pfannen mit Teflon®-Beschichtung. Ihre besonderen Eigenschaften machen sie auch für industrielle Anwendungen…

MORE THAN TECHNOLOGY

Interview mit Christopher Lauken, Head of Marketing and Sales der CAME Deutschland GmbH

MORE THAN TECHNOLOGY

Fortschritt beginnt nicht mit Technologie – sondern mit Menschen, die den Mut haben, sie neu zu denken. Seit Jahrzehnten entwickelt die CAME SpA aus Italien intelligente Lösungen für Automatisierung und…

TOP