INKLUViSION: Alle spielen zusammen!

Interview mit Sebastian Schulte, kaufmännischer Leiter der FHS Holztechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schulte, seit über 40 Jahren steht FHS als Hersteller von Spielplatzgeräten für die Werte Freude, Handwerk und Spiel – wie füllen Sie diese Überzeugung im Tagesgeschäft mit Leben?

Sebastian Schulte: Unser gesamtes Team hat tatsächlich große Freude am Schaffen von Spielräumen mit hohem Erlebniswert, die uns nicht zuletzt aufgrund ihres besonderen Individualisierungsgrades ein hohes Maß an handwerklicher Kunstfertigkeit abverlangen. Zwar bieten wir unseren Kunden auch einzelne Standardgeräte wie Schaukeln, Sandkästen und Spielhäuser mit verschiedenen Erlebniswelten an, doch der Löwenanteil unserer Tätigkeit liegt in der Zusammenarbeit mit Kommunen und Planungsbüros im Rahmen des Projektgeschäfts.

Wirtschaftsforum: Wie viel Handwerk und wie viel maschinelle Fertigung steckt dabei in Ihren Produkten?

Sebastian Schulte: In der Metallverarbeitung zählen wir mit unseren Roboter- und Laserschweißanlagen sicherlich zu einem der top ausgestatteten Fertiger in unserer Region und setzen an dieser Stelle stark auf automatisierte Abläufe. Im Bereich der Holzfertigung sind wir derweil in vielerlei Hinsicht weiterhin ein klassischer Handwerksbetrieb – nicht zuletzt weil wir mit der Robinie hauptsächlich ein Krummwuchsholz der höchsten Resistenzklasse verarbeiten, das als nachhaltiger Rohstoff schnell nachwächst, aufgrund seiner Beschaffenheit aber eine besondere handwerkliche Expertise in der Fertigung erfordert, die sich nicht durch Maschinen umsetzen ließe.

Wirtschaftsforum: Seine zentrale Vision für die nächsten Jahre umschreibt FHS gerne mit dem Schlagwort „INKLUViSION“ – und dem Statement: „Alle spielen zusammen!“

Sebastian Schulte: Als führender Hersteller von Spielgeräten für den öffentlichen Raum sehen wir uns klar in der Verantwortung, auf Basis unseres gewachsenen Know-hows Spielräume zu schaffen, die jedem Menschen, egal ob jung oder alt und unabhängig von seinen körperlichen, geistigen und sensorischen Fähigkeiten, attraktive Spiel- und Erlebnismöglichkeiten eröffnen. Ein Themenfeld, bei dem in Deutschland aus unserer Sicht ein deutlicher Aufholbedarf besteht, denn legt man eine Matrix auf Basis einer Studie der Aktion Mensch als Bewertungsmaßstab an, weisen nur 20% der Spielplätze hierzulande überhaupt inklusive Merkmale auf. Im UK sind inklusive Spielgeräte und -erlebnisse dagegen schon seit weit über zehn Jahren Usus.

Wirtschaftsforum: Worauf kommt es dabei an?

Sebastian Schulte: Man darf nicht den Fehler machen, zu denken, man plant einen Spielplatz so wie bisher eben auch und ergänzt dann einfach ein Rollstuhlfahrerkarussell, am besten noch irgendwo im Randbereich, damit es niemanden stört, und schon kann man einen Haken an das Thema Inklusion setzen. Der entscheidende Grundstein wird nämlich schon in der Planungsphase gelegt. Bei einem bestehenden Spielplatz haben wir einmal getestet, wie gut die inklusiven Spielgeräte von Menschen mit Beeinträchtigungen tatsächlich genutzt werden konnten – mit dem Ergebnis, dass ein Rollstuhlfahrer nicht einmal vom Parkplatz zum Spielplatz gelangen konnte, weil der Weg dorthin für ihn unpassierbar war.

Wirtschaftsforum: Wie geht es besser?

Sebastian Schulte: Man muss Möglichkeiten schaffen, wie Menschen problemlos miteinander spielen können, egal ob sie körperliche oder mentale Beeinträchtigungen haben oder nicht – die wichtigsten Verbündeten sind dabei die Kinder selbst, denn für sie ist das völlig normal. Technische Möglichkeiten gibt es viele: Über Sprech- und Höreinrichtungen können Kinder auf verschiedenen Spielebenen miteinander kommunizieren. Nicht jeder einzelne Bereich muss unbedingt barrierefrei sein, aber dort, wo dies angestrebt wird, müssen die Wünsche der Betroffenen unbedingt Widerhall finden – denn auch gehbehinderte Kinder möchten eine Höhenerfahrung machen, auch Rollstuhlfahrerinnen wollen Höhen überwinden müssen und sich herausfordern. Ein inklusiver Spielraum bedeutet ausdrücklich nicht, dass er kein Abenteuer bieten und kein Kribbeln erzeugen darf, ganz im Gegenteil. Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen haben schließlich dieselben Bedürfnisse wie alle Menschen ohne Einschränkungen auch. Da dürfen und sollen Rampen also bisweilen auch mehr als 6° Neigung aufweisen, vorausgesetzt, dass es zwischen den Podesten ausreichend ebene Flächen gibt, um kurz zur Ruhe zu kommen. Kommunikationstafeln können dafür sorgen, dass hörbehinderte Kinder problemlos ihre Bedürfnisse mitteilen können, während farbige Wegeleitsysteme intuitiv zum gewünschten Turm führen. Kinder mit Autismus oder ADHS benötigen geschützte Rückzugsorte, etwa in Form von kleinen Spielhäuschen oder Höhlen – und auch schwerstbehinderte Menschen wollen das Ausrollen eines Karussells genießen, ohne dass die Bremsen ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, selbstverständlich ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen. 

Wirtschaftsforum: Wie stark binden Sie Menschen mit Behinderung in die Entwicklung Ihrer Spielräume ein? 

Sebastian Schulte: Wir setzen schon seit längerer Zeit auf ein breites Netzwerk aus Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Sozialarbeiterinnen und Ergotherapeuten, die uns wichtige Impulse geben. Seit Januar 2025 sind wir zudem Partner der Parasportabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen, sodass wir nun auf den Erfahrungsschatz von Athleten mit Beeinträchtigungen aufbauen können, was für uns eine enorme Bereicherung bedeutet. Kürzlich trat zudem ein Verein aus unserer Region an uns heran, der gemeinsam mit uns eine ursprünglich in Dänemark entwickelte Rollstuhlschaukel weiterentwickeln möchte, damit diese in Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen eingesetzt werden kann. Dieser intensive Austausch ist ein wichtiger Antrieb, damit aus unserer INKLUViSION zunehmend Realität wird.

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