Gefühle auf den Teller bringen

Interview mit Alfons Schuhbeck, Sterne-Koch, Gewürzbotschafter und Unternehmer

Wirtschaftsforum: Herr Schuhbeck, „Würze Dein Leben“ lautet Ihr Wahlspruch. Was genau verbirgt sich dahinter?

Alfons Schuhbeck: Ich glaube „Würze dein Leben“ gilt in jeder Berufsgruppe, besonders jedoch in der Gastronomie. Denn schließlich verändert nur ein Gewürz den Geschmack eines Gerichts. Aber Gewürze stehen nicht nur für Geschmack, sondern auch für Gesundheit. Gewürze sind die einzige Medizin, die schmeckt, das wusste schon Hildegard von Bingen im Mittelalter. Nur war dieses Wissen vollkommen ausgelöscht. Jeder kennt Salz und Pfeffer, aber die weiteren medizinischen Nutzen von Gewürzen sind kaum bekannt. Seit 16 Jahren habe ich einen Mediziner hier im Unternehmen, dessen wissenschaftliche Arbeit darauf ausgerichtet ist, dieses Wissen wieder zugänglich zu machen. Das spielt in allen meinen Aktivitäten die zentrale Rolle.

Wirtschaftsforum: Persönlich waren Sie sehr viel unterwegs, gerade in Afrika und Asien. Dabei haben Sie Bekanntschaft mit vielen Küchen und Gewürzen gemacht. Welche Erkenntnisse haben Sie nach Europa mitgebracht?

Alfons Schuhbeck: Ich war in Ländern von Marokko bis China unterwegs und habe mich intensiv vor Ort umgeschaut. Zentrale Frage war zum Beispiel warum die Menschen dort genau jene Gewürze bei der Zubereitung von Speisen nehmen oder auch nehmen müssen, um gesund zu bleiben. Dabei kam ein Fundus an Erkenntnissen zusammen. Nehmen Sie die Verwendung von Kreuzkümmel in Regionen mit heißem Klima. Durch dessen Gebrauch werden Mahlzeiten wesentlich bekömmlicher. Parallel entwickelte ich großen Respekt vor diesen Ländern mit ihren Traditionen.

Wirtschaftsforum: Kommen wir auf Ihre berufliche Laufbahn zu sprechen. Sie sind Sterne-Koch, Autor, Gastwirt und nicht zuletzt Unternehmer. Fällt es Ihnen schwer, all diese Rollen unter einen Nenner zu bringen?

Alfons Schuhbeck
„Gewürze stehen nicht nur für Geschmack, sondern auch für Gesundheit.“ Alfons Schuhbeck

Alfons Schuhbeck: Im Hinblick auf das Platzl als Standort hatte ich einfach Glück, dass ich meinen Traum eines Gewürzladens dort umsetzen konnten. Außerdem gab es im Umfeld keine Eisdiele, auch die habe ich ins Leben gerufen. So bin ich Schritt für Schritt gegangen. Lediglich meinen Namen für ein Produkt hergeben, das ist auf Dauer nichts für mich. Deshalb muss ich eigene Produkte kreieren, wie bei den Gewürzen deutlich wird. Da habe ich jede Mischung im Laden selbst zusammengestellt. Gleiches gilt für Tee und Müsli. Darauf bin ich stolz. Ich mache mir zwar jeden Tag den Vorwurf, dass ich zu wenig mache, aber es gibt einfach natürliche Grenzen. Wichtig ist für mich, dass ich Leidenschaft und Disziplin gezeigt habe. Das können Sie nicht einfach mal so lernen, aber so kommen Sie am weitesten im Leben.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie den Koch mit dem Unternehmer Alfons Schuhbeck vergleichen. Was konnten beziehungsweise können die beiden voneinander lernen?

Alfons Schuhbeck: Also, wenn Sie eine Analogie ziehen wollen: Koch bin ich im Herzen, Unternehmer im Kopf! Beides muss Spaß machen. Dass man nicht jeden Tag sein Ziel erreicht, ist klar, aber man soll nie aufgeben. Schließlich führt der Weg immer nach vorne. Nicht das Leben im Lift fahren, sonst kennt man sich in den einzelnen Stockwerken nicht aus. Es gibt einen Spruch, der heißt: Grüße die Menschen auf dem Weg nach oben, du wirst sie auf dem Weg nach unten treffen. Das geht uns geschäftlich genauso wie privat. Je respektvoller man miteinander umgeht, desto mehr kann man später erwarten.

Wirtschaftsforum: Ihr Familienname ist im Laufe der Jahre zur bekannten Marke geworden. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr?

Alfons Schuhbeck: Das hat natürlich immer zwei Seiten. Die eine ist, dass du am Tag zig Mal fotografiert wird. Ich freue mich natürlich, wenn ich jemand neu kennenlerne. Manchmal ist es aber auch unangenehm, das ist nun ebenso. Wobei ich bis zu einem gewissen Grad natürlich immer abwägen muss, ob ich in dem was ich mache, der Marke Schuhbeck schade.

Wirtschaftsforum: Abschließend Ihre Einschätzung: Was braucht ein Gericht, um als Rezept in Ihrem nächsten Kochbuch seinen Platz zu finden?

Alfons Schuhbeck: Das ist eine schwierige Frage. Ich habe einerseits die genannten Länder bereist, die Gewürze sehr stark einbinden. Auf der anderen Seite habe ich mir meinen Namen mit bodenständiger, regionaler Küche gemacht. Diese beiden Welten zusammenzubringen ist eigentlich mein Ziel. Je mehr ich es schaffe, dazu noch Gefühle auf den Teller zu bringen, desto besser ist es für den Gast. Bayerische Küche ist früher eine Festtagsküche gewesen, daraus müssen wir heute eine sonnige, interessante und vor allem gesunde Küche machen. Und das geht, da muss man sich aber auch reinknien und nicht nur hinter traditionellen Rezepten verstecken.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Eine Plattform: Alles buchen

Interview mit Lucian Holtwiesche, Geschäftsführer & Co-Founder der anny GmbH

Eine Plattform: Alles buchen

Ob Besprechungsraum, Arbeitsplatz, Firmenfahrzeug oder Beratungstermin – viele Organisationen verwalten ihre Ressourcen noch immer über unterschiedliche Systeme. Die von drei Studenten gegründete anny GmbH mit Sitz in Köln hat dafür…

„Wir wollen die KI zum Arbeitstier machen!“

Interview mit Maurus Eichenberg, Geschäftsführer der ANLEI-Service GmbH

„Wir wollen die KI zum Arbeitstier machen!“

Digitalisierung kann Verwaltung einfacher machen und gleichzeitig die Lebensqualität vieler Menschen verbessern. Genau das ist der Anspruch der ANLEI-Service GmbH mit Sitz in Kassel. Das Unternehmen entwickelt spezialisierte Software für…

Flexibilität in der Nische

Interview mit Mirco Arndt, Geschäftsführer und Dr. Eduard Heyl, Geschäftsführer der Laborchemie Apolda GmbH

Flexibilität in der Nische

In einer Zeit, die von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist, gewinnt die Verfügbarkeit wirksamer Antidota zunehmend an Bedeutung. Im Katastrophenfall ermöglichen sie eine schnelle und gezielte Behandlung von…

Spannendes aus der Region München

„Das Büro ist nicht Location, sondern Destination!“

Interview mit Dr. Dewi Schönbeck, Geschäftsführerin der Steelcase GmbH

„Das Büro ist nicht Location, sondern Destination!“

Durch den Siegeszug hybrider Arbeitsmodelle verändern sich auch die Ansprüche an das physische Büroumfeld grundlegend. Auf Basis ihres wissenschaftsbasierten Ansatzes und ihrer langjährigen Erfahrung hat die Steelcase GmbH aus München…

Die Modern Marketing Makers

Interview mit Matthias Bierich, Geschäftsführer der schalk&friends gmbh

Die Modern Marketing Makers

Mit ihrer Mission „Modernizing Mittelstand“ will die Full Service-Digitalagentur schalk&friends ihre Kunden fit für die Zukunft im modernen Marketing machen. Der zunehmende Shift von der technologischen Implementierung zur strategischen Beratung…

Wie Begrünung das Büroklima prägt

Interview mit Markus Mohr, Geschäftsführer der Mohr Hydrokultur

Wie Begrünung das Büroklima prägt

Ob Großraumbüro, Co-Working-Space oder repräsentatives Headquarter: Unternehmen investieren heute stärker denn je in Arbeitsumgebungen, die Menschen anziehen – und im Alltag funktionieren. Begrünung spielt dabei eine wachsende Rolle, weil sie…

Das könnte Sie auch interessieren

Geschmack trifft Emotion

Interview mit Lukas M. Walchhofer, geschäftsführender Gesellschafter von STAY SPICED !

Geschmack trifft Emotion

Was macht aus einem Gewürz ein Lifestyle-Produkt? Die SPICEWORLD GmbH vereint in ihrer Marke STAY SPICED ! hochwertige Rohstoffe, nachhaltige Produktion und eine emotionale Markenwelt. So entwickelte sich das Unternehmen…

Stille Helfer made in Switzerland

Interview mit Sandro Meier, Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG

Stille Helfer made in Switzerland

Backhefe ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Lebensmittelherstellung und spielt insbesondere im Bäckerhandwerk eine zentrale Rolle. Der kleine Würfel ist ein lebender Zellorganismus, ein stiller Helfer, der Brot locker, aromatisch…

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Interview mit Thomas Wilde, Geschäftsführer der Call a Pizza Franchise GmbH

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Call a Pizza hat als Pizzalieferdienst Pionierarbeit im deutschen Takeaway-Markt geleistet. Heute setzt das Unternehmen auf ein starkes Franchisesystem, wobei den einzelnen Franchisenehmern viele Freiheiten bleiben – auch wenn Geschäftsführer…

TOP