Leben und Arbeiten im digitalen Raum

Interview mit Werner Ottilinger, Geschäftsführer der Sauter-Cumuls GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Ottilinger, gemessen an der Zahl der Neuentwicklungen, die aus der Sauter-Cumulus GmbH in den letzten Jahrzehnten hervorgegangen sind, könnte SAUTER gut als Synonym für Gebäudeautomation und Klimatechnik stehen – seit 1935 entwickelt das Unternehmen Geräte für die Regelung von Heizung und Klima. Wie sieht das Portfolio aktuell aus, was gibt es Neues?

Werner Ottilinger: Unser Geschäft fußt auf drei Säulen: der Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik, der Systemtechnik und dem Bereich Dienstleistung. In all diesen Bereichen hat es gerade in den letzten Jahren eine Fülle vor allem digitaler Neuentwicklungen gegeben, was einerseits den steigenden Anforderungen der Kunden und andererseits der Entwicklung der Technologien Rechnung trägt, die enorm an Tempo gewonnen hat.

Im Bereich Facility Management etwa muss Leistungserbringung heute für den Kunden am Dashboard sicht- und nachverfolgbar sein: Wann haben Rundgänge, Monitoring, Wartung und Prüfung sowie Reinigung stattgefunden? Ein Schwerpunkt liegt bei uns auch auf dem Bereich Smart Office: Seit einigen Jahren entwickeln wir gemeinsam mit Investoren ’Smart Spaces’, eine Entwicklungs- und Präsentationsfläche für das intelligente Gebäudemanagement. Mittels App lassen sich im smarten Büro nicht nur Heizung, Klima und Beleuchtung steuern, sondern auch Räume für Meetings sowie Reinigungs- und Cateringleistungen buchen. In der Pipeline ist aktuell auch der ‘Smart Sensor’, ein Multisensor, der sämtliche Daten im Raum misst: Temperatur, Feuchte, Luftqualität (VOC), Präsenz, Lichtintensität und Geräuschpegel. Zudem gibt er dem Nutzer über den LED-Ring optisch und komfortabel Rückmeldung über die gemessenen Zustände. Mit dem ‘Smart Actuator’ gibt es darüber hinaus ein neues System für die Koordinierung der Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik in Smart Buildings. Alle unsere Apps und Systeme entwickeln wir übrigens selbst, wir haben ein Joint Venture für die Softwareentwicklu

Wirtschaftsforum: Für die Digitalisierung ist die Coronapandemie – so kann man sicher sagen – eine treibende Kraft. Auch Ihre Produkte, Systeme und Services sind inzwischen in großem Umfang digital. Hat Corona diese Entwicklung noch beschleunigt?

Werner Ottilinger: Das kann man sicher so sagen. In 2020 sind wir gewachsen, sowohl hinsichtlich Umsatz als auch Ertrag. Wir sind im Markt ganz vorn dabei, in der DACH-Region und auch europaweit unter den Top 3. Aktuell sind unsere Themen noch wichtiger geworden. So weiß man heute zum Beispiel, dass CO2 COVID an sich bindet und so übertragen kann. Insofern haben wir auch an neuen Messmethoden gearbeitet, mit denen wir unsere Sensoren ausgerüstet haben. Für Schulen haben wir beispielsweise eine CO2-Ampel entwickelt, die je nach CO2-Gehalt in der Raumluft die Farbe wechselt.

Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie den anhaltenden Erfolg von SAUTER zurück?

Werner Ottilinger: Unser Erfolg liegt sicher auch in genauer Beobachtung des Marktes begründet: Wir versuchen Trends und Tendenzen sehr frühzeitig zu erkennen. Zwar rennen wir nicht jedem Trend hinterher, aber wenn wir einen Megatrend erkennen, investieren wir auch frühzeitig. Wir waren stets Vorreiter mit so innovativen Lösungen wie Smart Spaces. Wir stellen uns außerdem jedes Jahr die Frage, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Mitarbeiter haben ihre Ohren täglich am Markt. Dazu kommt: Wir sind ein People Business. Unsere Kunden kennen unsere Mitarbeiter oft schon seit vielen Jahren.

Wirtschaftsforum: Stichwort Mitarbeiter: Sie sind ein wesentlicher Teil des Erfolgs. Qualifizierte Fachkräfte zu finden ist aber nach wie vor nicht einfach. Wie sieht es damit bei Ihnen aus?

Werner Ottilinger: Wir machen da keine Ausnahme, auch für uns ist das schwierig – Corona hat es nicht besser gemacht. Wir bilden deshalb mehr aus, werben um Schulabgänger, haben mit anderen Firmen wie etwa Siemens einen eigenen Masterstudiengang aufgelegt. Dieser wird über sechs Hochschulen hinweg angeboten, wir bezahlen das. Als Arbeitgebermarke haben wir über 100 Jahre Tradition. Wir bieten Förderprogramme und Weiterbildungen, wir möchten unsere Leute stark machen.

Wirtschaftsforum: Welche Vision haben Sie für SAUTER in den kommenden Jahren?

Werner Ottilinger: Momentan sind viele Materialien knapp, sodass Bauvorhaben länger dauern. Dadurch haben auch wir Einbußen. Derzeit ist nicht absehbar, wie lange der Engpass dauert. In Europa wollen wir für Gebäudeautomation und Facility Management unter den ersten drei sein, dazu organisch und anorganisch wachsen. In den letzten 20 Jahren hatten wir organisches Wachstum, warum sollte das stocken? Wir wollen gesund weiterwachsen.

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